Fake Kings

Wir kommen zu meiner letzten touristischen Aktivität hier in der Region Xishuangbanna. Es gibt laut der Broschüre der freundlichen Damen aus dem Touristenbüro hier in der Stadt das so genannte "Mengle Great Buddhist Monastery". Tatsächlich komme ich mit Buslinie 4 ganz leicht dorthin. Das Kloster liegt auf einem der Hügel am Rand von Jinghong, wo es noch von Baustellen wimmelt. Das Kloster selbst scheint offenbar auch noch nicht alt zu sein. Der goldene Buddha hinter dem Tempelgebäude ist auf dem Bild in der Broschüre noch gar nicht zu sehen. Ich wandere eine Sandpiste durch einen unfertigen Park direkt auf das imposante Areal zu, muss aber dann am Kassenhäuschen an mich halten: Umgerechnet 16 D-Mark verlangt die Tante am Schalter für den Eintritt. Das ist doch nun wirklich das Letzte: Ein neu aus dem Boden gestampftes, seelenloses Bauwerk, kulturgeschichtlich so bedeutend wie ein Wolkenkratzer in Schanghai und dann ein Eintrittspreis wie für die Verbotene Stadt in Peking! Da lachen ja die Hühner! Ich denke: Die Chinesen sind wirklich die Könige des Nachgemachten (engl. "fake kings") und streife durch die Siedlung nebenan, der die Planierraupen, weil unten eine neue Straße entsteht, den zweiten Zufahrtsweg zugeschüttet haben.
Den Rest des Tages verbringe ich in und am Swimmingpool. Nachdem ich den Anfang gemacht habe, wird es rasch voller. Die Kinder amüsieren sich noch planschend, als es zu tröpfeln begonnen hat und ich längst wieder umgezogen bin.