Die letzte Mission
Ja, eine Mission habe ich heute, ehe um exakt 16.18 Uhr der Zug K 156 mit mir an Bord die zweitägige Reise nach Nanjing antritt, noch zu erfüllen: Ich muss mich mit den Gelben eindecken. Die gelben Mini-Tetra-Paks, die in meiner Schulzeit von der Firma Alster stammten und mit süßer Vanillemilch gefüllt sind, gibt es in Nanjing nicht. Im Kunminger "Carrefour", auf den ich gestern gestoßen bin, mache ich erst die Verkäuferinnen nervös, weil das von mir gewünschte Milchpaket nicht verfügbar ist, und kaufe dann sämtliche Einzelbestände auf. Im nächsten Supermarkt kommen noch mal acht dazu, sodass ich nun mit deutlich mehr Gepäck die Heimreise antrete, als ich vor drei Wochen bei der Anreise hatte.
Im Zug lerne ich eine sehr kontaktfreudige junge Chinesin aus Ürümqi kennen. Sie steigt nachts um und reist dann zu einer Freundin nach Peking weiter. Das Frühlingsfest ist für sie nicht das große Familienfest, weil ihre Eltern geschieden sind. Die Pritsche gegenüber belegt ein Vater mit seinem (geschätzt) zwölfjährigen Sohn. Sie wollen gemeinsam nach Huangshan reisen und die Gelben Berge erklimmen. Das habe ich schon hinter mir (sin-o-meter berichtete, hier nachzulesen). Der Junge wird mir in den nächsten dreißig Stunden zahllose Löcher in den Bauch fragen. Naja, ist gut für die Sprachpraxis...