Kein Zinn, aber Stahl und Beton
Wuxi, wörtlich übersetzt heißt das so viel wie "kein Zinn". Und tatsächlich mögen die Zinn-Reserven hier in der Mine von Wuxi ja vor etlichen Generationen (exakter gesagt: anno 220 v. Chr., am Ende der Han-Dynastie) zur Neige gegangen sein, dafür dominieren jetzt Stahl und Beton. Irgendwie habe ich heute am Bahnhof - ich brauchte mal einen Tapetenwechsel - die falsche Abzweigung genommen und lande zwischen monströsen Stahlbetongerippen. Links von mir reiht sich ein Hochhausbau an den anderen. Ich wandere weiter, wie immer nur von wenig Gepäck belastet, stoße im Schatten einer Autobrücke auf einen von Chinesen umlagerten Tisch im Freien. Hier werden muntere Wettspielchen veranstaltet. Ein Mann dreht zwei Münzen und man kann auf Kopf oder Zahl wetten. Bei zwei gleichen gewinnt man, wenn ich das richtig kapiert habe. Einer der Männer bietet mir eine Zigarette an, als ich zu lange herumstarre. Man muss auch mal nein sagen können... Leider fahren in diesem Gewerbegebiet keine Busse. An einer Hauptstraße steige ich dann einfach in den nächsten Bus ein, der Richtung Zentrum zu fahren scheint. Er fährt durch eine Straße, in der sämtliche Fassaden im alten, kolonialen Stil ausgehöhlt worden oder kurz vorm Abriss sind: alles Baustelle! Später scheitere ich dreimal auf der Suche nach einem bezahlbaren Hotel und nehme schließlich ein für meine Verhältnisse eher unbezahlbares. Wegen des verlängerten Wochenendes (Dienstag ist chinesisches Allerheiligen, Montag Brückentag) ist mal wieder alles auf Achse und ich lande also im "Holiday Hotel" für fast 300 Yuan die Nacht. Man gönnt sich ja sonst nichts.