Kalt erwischt
Kalt ist es heute erst mal nicht, als ich zum x-ten Mal mit meinen besten Freunden (richtig: Büchern) auf den Zijin-Berg im Osten von Nanjing steige. Ich verbringe dort lesend den Tag. Dann wird es dunkler und dunkler und schließlich fallen Tropfen. Ich stelle mich provisorisch in einem Felsspalt unter und als die Tropfen weniger werden, entscheide ich mich für den Abstieg, was sich als grandiose Fehlzündung in der Hirnschale erweist: Als ich etwa auf Stufe 857 von 1200 bin, werde ich von einem Wolkenbruch eiskalt erwischt. Ich kann gerade noch das T-Shirt ausziehen und in die Tasche stopfen. Danach bin ich binnen Sekunden nass wie ein Pudel in'ner Wassertonne. Als ich im Tal an der Bushaltestelle ankomme, ist der Regen vorbei. Aber mit Entsetzen stelle ich fest: Sommerlügen hat es in meiner wasserdurchlässigen Tasche schwer erwischt. Der Leineneinband löst sich unter Wasserflecken auf und färbt das mit in die Tasche gestopfte weiße T-Shirt zartrosa. Zu Hause werde ich mich mit Uhu als Restaurateur zu betätigen haben wie Mo aus Tintenherz. Adam und Evelyn hat es weniger schlimm erwischt. War auch zäher zu lesen.