Liebeskummer
Heute ist ein landesweiter Feiertag: das Drachenbootfest. Ich sitze nach einem heftigen Regen, der die Luft abgekühlt hat, mit meiner derzeitigen Lektüre am Hanzhong-Tor auf einer Bank - immer auf der Hut vor Mücken. Da, wo ich eben saß, hat mich eine allzu lautstark auftretende Rentnertruppe vertrieben. Hier nun steht schon eine ganze Zeit ein langer, sportlich wirkender Student in knallblauer Trainingsjacke ziellos in der Gegend herum. Schließlich setzt er sich neben mich und beginnt eine Unterhaltung. "I am sad today!", bekennt er mit belegter Stimme. "I just broke up with my girl-friend." Ich erspare ihm die Nachfrage, ob nicht vielleicht eher die Freundin mit ihm Schluss gemacht habe, so wie er die Sache aufnimmt. Denn ich weiß natürlich genau, wie der arme Junge sich fühlt. Schließlich kenne ich die Situation ja aus einer ganzen Reihe amerikanischer Fernsehserien und zeige mich gewappnet mit Ratschlägen auf dem Niveau von: "Alles ist schwer, ehe es leichter wird" oder: "Am Anfang ist es schwer, nach ein paar Wochen wird es besser". Er bedankt sich, als hätte er soeben Rat von einem weisen Shaolin-Mönch eingeholt, und setzt seinen Weg durch den grauen Tag fort. Schließlich vertreiben mich auf dem Pflaster vor mir Fußball spielende Kinder, deren Zielgenauigkeit zu wünschen übrig lässt. Alles ist schwer, ehe es leichter wird!