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Samstag, 04. Juni 2011

Matchball in der Metro
Von DM, 23:59


Es ist so eine Art Vogelschießen auf Großstadtniveau, das sich heute, am Sonnabend vor dem Drachenbootfest, rund um den Mochou-See ereignet: überall Stände, an denen man Getränke und Naschwerk erstehen kann, und ein Wettbewerb, bei dem natürlich keine Vögel und auch keine Tontauben geschossen werden, sondern bei dem das schnellste Boot gewinnt. Je drei Schiffe starten gegeneinander. Cathy hat mich zu diesem Spektakel überredet. Sie selbst ist mit einigen Freunden aus der deutsch-chinesischen Firma BSH (Bosch-Siemens-Haushaltsgeräte, Karls Firma) gekommen. Wir stehen am Westufer auf einer schwimmenden Plattform, die sich unter der Last der Zuschauer zeitweise bedenklich in den See senkt. Leider ist das Wetter ziemlich regnerisch und da ich für den Nachmittag von meinem Tennis-Kumpel Peter per SMS zu einer ominösen Tennis-Party ("You will cook for yourself!") anlässlich des Finales von Roland-Garros geladen bin, verlasse ich frühzeitig das sinkende Schiff, will sagen: bekomme gar nicht mehr mit, wie die Ruder-Mannschaft von BSH im Halbfinale ausscheidet, was Cathy mir aber flugs per SMS nachreicht. Auch BASF hat es nicht gepackt. Schlechter Tag für Deutschland. Guter Tag für China.
Peters Party ist von ganz eigener Art: Erst mal muss ich einem Chinesen an der U-Bahnstation mein Telefon in die Hand drücken, damit der mir auf Peters Instruktion hin die Richtung zeigen kann. Peter holt mich dann nach einem schweißtreibenden Fußmarsch an der Kreuzung Weigang ab. Danach hängen wir, ein halbes Dutzend Freunde und Kollegen, Kleinkram knabbernd am Stubentisch herum. Ein Amerikaner, den ich aus der Kirche kenne, muss wie zuvor ich mühsam per Telefonfernsteuerung ans Ziel gelotst werden. Dann gibt es eine Runde Frisbee im Park (mir zu heiß, ich schaue zu). Schließlich müssen die Gäste die Sachen für den Verzehr erst mal selber aus dem Supermarkt holen und selbst bezahlen, ehe sie sie dann selbst zubereiten. Ich verspreche Spaghetti. Da es die im SUGUO nicht gibt, weiche ich auf Hamburger aus. Dabei liegt der Kikoku (Kinder-Kochkurs mit Birte), zu dem mich Tante Anneliese in den Sommerferien 1981 oder 1982 überredet hat, so lange zurück, dass ich nur mit Mühe erinnere, wie die gehen. Aber irgendwie wird aus dem Kilo Hack, zwei Eiern und einer Zwiebel, die ich zwei Brillenträger aus dem Kreis der Geladenen schneiden lasse, dann doch noch ein echter Renner. Das liegt sicher nicht nur am Kikoku, sondern auch daran, dass ich die Verantwortung für das Salzen (zwei Esslöffel) einer der im Kochen etwas geübteren Damen überlassen habe, die neben mir in der Küche herumwuseln und deren Gerichte Güteklasse A haben, wie sich alsbald erweist. Der letzte Hamburger verschmort in der Pfanne, während wir längst alle satt in den Seilen hängen. Nach ein paar Runden UNO, bei denen ich mich vergeblich bemühe, vernünftige Regeln zu installieren, gibt es auch schon den ersten Ballwechsel zwischen der Chinesin Li Na und Schiavone aus Italien. Ärgerlicherweise müssen wir Peter beim Stand von 4:4 im zweiten Satz (völlig unnötiges Rebreak von Schiavone) alleine lassen, damit wir die letzte U-Bahn noch erwischen. Der Amerikaner hat schon seit dem ersten Satz alle nervös gemacht.
Noch mehr Chinesen als sonst kleben in der U-Bahn an ihren Mobiltelefonen. Sicher gibt es da überall Live-Ticker. Beim Umstieg in Linie 1, wo ich mich von meinen Mitreisenden trennen muss, dann nach einem zunächst missverständlichen Telefonat mit Peter die erlösende SMS: "Li Na win". Klarer Fall: Peters Englisch ist nicht so gut wie Li Nas Rückhand. Ich ärgere mich. Hätte es einen dritten Satz gegeben, hätte ich den bei mir zu Hause in aller Ruhe verfolgen können. Den entscheidenden Tie-Break (7:0) sehe ich an diesem Abend trotzdem noch: Das chinesische Sportfernsehen wiederholt die entscheidenden Bälle zum historischen Triumph in einer Endlosschleife.

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