Auch ein Didus hat mal Glück
Erst begreife ich ja nicht so recht, was los ist, als mir der Herr am Flugsteig kurz vor dem Betreten der Röhre eine andere Bordkarte in die Hand drückt und mir eröffnet, man habe mich hochgestuft. Prompt finde ich mich in der 1. Klasse wieder - das mag ein Wechsel sein! Im Vergleich, meine ich, zum letzten Jahr, wo ich für einen massiven Skandal im Sperrbezirk sorgte (nachzulesen im sin-o-meter hier). Ich erfreue mich totaler Beinfreiheit und schaue einen Animationsfilm nach dem anderen an, erst "Rapunzel", dann "Rango". Damit bin ich in der VIP-Klasse, wo alle für ein banales Unterhaltungsprogramm viel zu wichtig sind, selbstredend in der Minderheit. Alles schläft, einsam wacht... Meine Jura-Kollegin Rebekka spreche ich auch nur noch einmal kurz, dabei hatten wir uns extra Plätze in derselben Reihe gesucht. "Never Let Me Go" ist der Name der Lektüre, die sie in der Hand hält. Immerhin sehe ich sie beim Aussteigen noch einmal wieder, während die französische Kollegin mit dem italienischen Namen, die ebenfalls mit uns an Bord war, gar nicht mehr auftaucht. Sie ist wohl schon unterwegs nach Marseille.
Ich fliege weiter nach Hamburg, wo mein Glück dann auch schon wieder aufgebraucht ist. Die anvisierte Übernachtung bei einem befreundeten Pastor fällt mangels geschickter Planung meinerseits aus und mit der AKN komme ich nach 22 Uhr nur noch bis Bad Bramstedt. Die für ihre Langsamkeit berühmte Bummelbahn wird noch bummeliger durch einen schnöden Schienenersatzverkehr, der mysteriöserweise immer dann bemüht wird, wenn ich einmal im Jahr auf Heimaturlaub bin. Bei strömendem Regen (keine Jacke, kein Regenschirm) muss ich rüber in den Bus. Die Bummelbahn verbummelt noch mal 15 Minuten, ehe ich ins Taxi Mama umsteigen kann.