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Sonntag, 03. Juli 2011

Liu Chao im Hitzekoller
Von DM, 23:59

Wegen meines guten Drahts zum "lieben Gott" soll ich zwar immer dafür beten, dass Liu Chao, die sich bei mir für eine Nacht einquartiert hat, ihren Studienplatz in München bekommt, aber mit zum Gottesdienst will sie trotzdem nicht. Ich lasse sie also auf ihrem Lager in meinem Wohnzimmer liegen und schicke ihr gegen halb zwölf eine SMS, sie solle mich am Ausgang der U-Bahnstation Minggugong treffen. In den internationalen GoDi darf sie als Chinesin sowieso nicht, das verbietet die KP. Ich wollte hier aber heute gerne hin, denn es ist die letzte Chance, sich von der sympathischen und immer hilfsbereiten Gabunerin Lydie (sin-o-meter berichtete) aus meinem Hauskreis zu verabschieden, die im Juni ihr Pharmazie-Magisterstudium erfolgreich abgeschlossen hat. Im Grunde ist ein Händedruck da zu wenig und ich müsste der aparten Afrikanerin ein Bussi auf die Wange drücken, aber das geht nicht. Schließlich bin ich Holsteiner und schulde meiner Herkunft ein gewisses Maß an Sittensprödigkeit.
Leider übersehe ich Liu Chao nach dem Aufstieg aus dem Untergrund und bewege mich zu einem anderen U-Bahn-Ausgang als dem vereinbarten. Als sie mich dort endlich findet, ist sie total durchgeschwitzt und leicht angesäuert. Ich sage: "Was soll ich denn sonst tun, wenn ich dich da nicht sehe?" Sie behauptet sich wegen der Hitze nur mal kurz untergestellt zu haben. Anscheinend bin ich in Nanjing schon etwas besser an die schwüle Hitze assimiliert als Liu Chao da oben in Tangshan. Ich will zu Fuß zu dem Restaurant, wo ich meinen Gast zum Essen einladen werde (eine alte Tradition: in Nanjing muss ich einladen, in Peking sie). Das ist noch ca. 1 km Fußweg - und das ohne Sonnenschirm, für eine Chinesin eine mittlere Katastrophe! Dann stolziert sie an einer Kreuzung auch noch völlig ohne Grund wie ein fehlprogrammierter Roboter in die falsche Richtung, während ich an der Fußgängerampel halte. Ich gehe weiter und warte auf einer Bank, dass sie auf dem Mobiltelefon anruft. "Du warst schon außer Rufweite, als ich merkte, dass du in die falsche Richtung gehst", erkläre ich der entnervten und aus allen Poren triefenden Ex-Studentin ca. zehn Minuten später. "Ich verstehe auch nicht, wie du in einer fremden Stadt so stur ohne mich losrennen kannst." Also, irgendwie ist heute nicht ihr Tag. Das leckere Essen in der "Grünen Küche", in die ich unlängst auch meine Studentinnen entführte (sin-o-meter berichtete), kann Liu Chao nur schleppend aufheitern. Sie grollt im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Immerhin kann man ja seinem Lehrer nicht wirklich grollen. Wir sind schließlich in der Heimat des großen Konfuzius! Erst als sie schon am Flughafen ist, spät am Abend (ich sitze wieder an meinen Klausuren), kommt noch die Einsicht per SMS, dass das Essen doch sehr lecker gewesen sei und ich ja sowieso immer Recht habe.

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