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Mittwoch, 06. Juli 2011

Auch ein Didus hat mal Glück
Von DM, 23:59

Erst begreife ich ja nicht so recht, was los ist, als mir der Herr am Flugsteig kurz vor dem Betreten der Röhre eine andere Bordkarte in die Hand drückt und mir eröffnet, man habe mich hochgestuft. Prompt finde ich mich in der 1. Klasse wieder - das mag ein Wechsel sein! Im Vergleich, meine ich, zum letzten Jahr, wo ich für einen massiven Skandal im Sperrbezirk sorgte (nachzulesen im sin-o-meter hier). Ich erfreue mich totaler Beinfreiheit und schaue einen Animationsfilm nach dem anderen an, erst "Rapunzel", dann "Rango". Damit bin ich in der VIP-Klasse, wo alle für ein banales Unterhaltungsprogramm viel zu wichtig sind, selbstredend in der Minderheit. Alles schläft, einsam wacht... Meine Jura-Kollegin Rebekka spreche ich auch nur noch einmal kurz, dabei hatten wir uns extra Plätze in derselben Reihe gesucht. "Never Let Me Go" ist der Name der Lektüre, die sie in der Hand hält. Immerhin sehe ich sie beim  Aussteigen noch einmal wieder, während die französische Kollegin mit dem italienischen Namen, die ebenfalls mit uns an Bord war, gar nicht mehr auftaucht. Sie ist wohl schon unterwegs nach Marseille.
Ich fliege weiter nach Hamburg, wo mein Glück dann auch schon wieder aufgebraucht ist. Die anvisierte Übernachtung bei einem befreundeten Pastor fällt mangels geschickter Planung meinerseits aus und mit der AKN komme ich nach 22 Uhr nur noch bis Bad Bramstedt. Die für ihre Langsamkeit berühmte Bummelbahn wird noch bummeliger durch einen schnöden Schienenersatzverkehr, der mysteriöserweise immer dann bemüht wird, wenn ich einmal im Jahr auf Heimaturlaub bin. Bei strömendem Regen (keine Jacke, kein Regenschirm) muss ich rüber in den Bus. Die Bummelbahn verbummelt noch mal 15 Minuten, ehe ich ins Taxi Mama umsteigen kann.

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Montag, 04. Juli 2011

Sauglocke
Von DM, 23:59

Ganz tolle Idee der Uni-Bürokratie, meine Karte-für-alles schon am 30. Juni ungültig zu machen und mir gleichzeitig eine Prüfung für den 2. Juli auf dem Außencampus Xianlin zuzuweisen. Um mit dem Uni-Bus zu fahren, benötige ich ja eigentlich eine gültige Karte-für-alles. Auch das in der Nacht zum 1. Juli abgelaufene Internetkonto kann ich ohne gültige Karte nicht aufladen. So entstehen meine letzten sin-o-meter-Einträge im Büro des Fachbereichs. Den tragbaren Computer mit dem chinesischen Windows-Betriebssystem bringe ich auf dem Weg ins Büro, wo ich einen Stapel mit Noten und Prüfungen ablade, der völlig verblüfften Dame vom Büro für ausländische Angelegenheiten zurück mit dem Vermerk: "Of no use in the current condition. Please install Acrobat Reader 9.0, Mozilla Firefox 5.0 and Mozilla Thunderbird 3.0". Alle drei unverzichtbaren Programme in deutscher Fassung habe ich mehr als einmal versucht, auf meinen neuen Computer zu laden. Als sich mein E-Mail-Programm mitsamt allen aktuellen E-Mails deinstalliert hat, nachdem ich mal wieder eine für mich nicht entzifferbare Meldung bekommen habe (in chinesischen Zeichen), ist mein Geduldsfaden gerissen und ich beende das dreimonatige Experiment, das wohl  meine Nerven oder meine Geduld oder meine Intelligenz oder alles zusammen auf die Probe stellen sollte. Zu Beginn des neuen Semesters wird man dann hier nachlesen können, ob das Computer-Elend in die nächste Runde geht oder sich das Drama endlich zum Guten wendet.
Zufällig erreicht mich bei der Gelegenheit auch noch eine Mitteilung der Hauptpost. Dort liege ein Päckchen für mich. Ich gehe direkt vom Büro für nervige Angelegenheiten dorthin, habe aber natürlich keinen Ausweis dabei. Ich erkläre, dass ich morgen fliege, also das Päckchen sieben Wochen lang nicht abholen können werde, sodass es dann vermutlich zurückgehen würde, der Wert ist auch nicht hoch. Was kann das nur sein? Vermutlich ein Scherz. Die Dame lässt sich erweichen, als ich mich schon zum Gehen gewandt habe. Nur Deutsche hätten das herzlos-bürokratisch durchgezogen. Inhalt des Päckchens: ein Mini-Propper (Plümper), mit dem meine geschätzte österreichische Kollegin Katja sich verabschiedet, deren Zeit in Peking abgelaufen ist. Das Ganze ist ein so genannter Insider-Scherz: Seit Jahr und Tag diskutieren wir über die Begriffe "Plümper" (hochdeutsch) und "Sau(g)glocke" (österreichisch).

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Sonntag, 03. Juli 2011

Liu Chao im Hitzekoller
Von DM, 23:59

Wegen meines guten Drahts zum "lieben Gott" soll ich zwar immer dafür beten, dass Liu Chao, die sich bei mir für eine Nacht einquartiert hat, ihren Studienplatz in München bekommt, aber mit zum Gottesdienst will sie trotzdem nicht. Ich lasse sie also auf ihrem Lager in meinem Wohnzimmer liegen und schicke ihr gegen halb zwölf eine SMS, sie solle mich am Ausgang der U-Bahnstation Minggugong treffen. In den internationalen GoDi darf sie als Chinesin sowieso nicht, das verbietet die KP. Ich wollte hier aber heute gerne hin, denn es ist die letzte Chance, sich von der sympathischen und immer hilfsbereiten Gabunerin Lydie (sin-o-meter berichtete) aus meinem Hauskreis zu verabschieden, die im Juni ihr Pharmazie-Magisterstudium erfolgreich abgeschlossen hat. Im Grunde ist ein Händedruck da zu wenig und ich müsste der aparten Afrikanerin ein Bussi auf die Wange drücken, aber das geht nicht. Schließlich bin ich Holsteiner und schulde meiner Herkunft ein gewisses Maß an Sittensprödigkeit.
Leider übersehe ich Liu Chao nach dem Aufstieg aus dem Untergrund und bewege mich zu einem anderen U-Bahn-Ausgang als dem vereinbarten. Als sie mich dort endlich findet, ist sie total durchgeschwitzt und leicht angesäuert. Ich sage: "Was soll ich denn sonst tun, wenn ich dich da nicht sehe?" Sie behauptet sich wegen der Hitze nur mal kurz untergestellt zu haben. Anscheinend bin ich in Nanjing schon etwas besser an die schwüle Hitze assimiliert als Liu Chao da oben in Tangshan. Ich will zu Fuß zu dem Restaurant, wo ich meinen Gast zum Essen einladen werde (eine alte Tradition: in Nanjing muss ich einladen, in Peking sie). Das ist noch ca. 1 km Fußweg - und das ohne Sonnenschirm, für eine Chinesin eine mittlere Katastrophe! Dann stolziert sie an einer Kreuzung auch noch völlig ohne Grund wie ein fehlprogrammierter Roboter in die falsche Richtung, während ich an der Fußgängerampel halte. Ich gehe weiter und warte auf einer Bank, dass sie auf dem Mobiltelefon anruft. "Du warst schon außer Rufweite, als ich merkte, dass du in die falsche Richtung gehst", erkläre ich der entnervten und aus allen Poren triefenden Ex-Studentin ca. zehn Minuten später. "Ich verstehe auch nicht, wie du in einer fremden Stadt so stur ohne mich losrennen kannst." Also, irgendwie ist heute nicht ihr Tag. Das leckere Essen in der "Grünen Küche", in die ich unlängst auch meine Studentinnen entführte (sin-o-meter berichtete), kann Liu Chao nur schleppend aufheitern. Sie grollt im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Immerhin kann man ja seinem Lehrer nicht wirklich grollen. Wir sind schließlich in der Heimat des großen Konfuzius! Erst als sie schon am Flughafen ist, spät am Abend (ich sitze wieder an meinen Klausuren), kommt noch die Einsicht per SMS, dass das Essen doch sehr lecker gewesen sei und ich ja sowieso immer Recht habe.

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Samstag, 02. Juli 2011

Didus humorlos
Von DM, 23:59

Sie könnten Glatzkopf-Li und Song Gang heißen und unmittelbar dem Roman Brüder von Yu Hua entsprungen sein, die beiden Rabauken im Grundschulalter, die völlig unbeeindruckt von meiner Präsenz in der klimatisierten ATM-Geldabhebungszelle fortfahren, sich den Gummiball hin- und her- und mich dabei auch gelegentlich anzuschießen, nicht ohne nachfolgendes albernes Kichern. Zweimal habe ich schon warnend protestiert wie ein Bär, den man im Winterschlaf geweckt hat. Jetzt hebe ich den in die Ecke gerollten Ball auf, lasse die Schiebetür aufgehen und mache einen kolossalen Torwartabstoß, der mir aber mal richtig schön gelungen ist. In hohem Ball fliegt der Ball über die ganze Kreuzung. Ich sehe nicht mal mehr, wo er landet. Den Jungs ist das Gesicht stehen geblieben wie einer Standuhr, dem das Perpendikel runtergefallen ist. Ich verlasse mit meinen gezückten Scheinen die Kabine.
Kann sein, dass ich heute bisschen schlecht gelaunt bin. Immerhin habe ich heute (am nur in Deutschland heiligen Wochenende) bis sechzehn Uhr eine Prüfung schreiben lassen und muss jetzt übers Wochenende noch 24 Prüfungsbögen korrigieren. Dabei ist seit Mittwoch Liu Chao wegen einer Schulung in der Stadt und will heute Abend noch bei mir einziehen. Ich lasse sie ein, zwei Notenbögen ausfüllen und zum Glück reicht ihr diesmal eine Decke auf dem Boden, sodass mir ein erneutes Drama mit der Luma erspart bleibt.

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