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Dienstag, 29. März 2011

Sehr lustig!
Von DM, 23:59

Cathy fehlt mal wieder völlig der nötige Ernst: Erst verspottet sich mich als Frauenverprügler und dann schickt sie abends eine SMS folgenden Inhalts: "I'm in hospital. Doctor said the injury caused by you [gemeint ist ein Tennisball, der sie nachmittags nach einem Netzangriff von mir auf dem Bauch getroffen hat] needs at least a month to recover..." Das soll natürlich eine Parodie auf die Krankenhaus-Arie der Taxi-Tussi sein. Aber das wird mir erst klar, als sie noch eine zweite SMS schickt. "You know, I like to critise [sie meint: criticize] you and tease you."
Sehr lustig! Meine Rache ist schon in Vorbereitung.

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Samstag, 19. März 2011

Katja zurück in der Stadt
Von DM, 23:59

Katja meint ja, das wird noch ganz schön teuer für mich. "Die werden da manchmal ganz schön unverschämt!", warnt sie, als ich ihr die Geschichte mit der Taxi-Tante erzähle. Meine beliebte österreichische Kollegin ist im Sommer berufsbedingt nach Peking umgesiedelt. Ihren bisherigen Herzallerliebsten hat sie gleich da gelassen, also in Nanjing, weil der etwas zu intensive Beziehungen zu einer ihrer Kolleginnen aufgenommen hat. Ein Fall aus der Rubrik: Man hat schon mehr gelacht. Nun aber ist sie zurück an alter Wirkungsstätte.
Gestern nach dem Vortrag von Prof. Paul (Analyse einer Talk-Show mit Iris Berben als Gast), zu dem ich sie gelotst habe, war sie mit zum Mittagsmahl zur Verabschiedung des Professoren-Paars Paul, das bei uns drei Wochen zu Gast war. Heute sind wir locker zu einem kleinen Ausflug verabredet. Ich bin schon vorausgeeilt in den Botanischen Garten. Aber Katja und ihr neuer Freund, ein Chinese, der in der Schweiz Deutsch gelernt hat, kommen morgens nicht aus den Federn. Um 13.37 Uhr kommt folgende SMS: "Wir fahren jetzt Richtung Berg. Wo steckst du?" Erst am weit fortgeschrittenen Nachmittag trifft sie per Taxi ein und bringt auch gleich Regen mit. Ich kriege prompt nasse Füße, aber nicht vom Regen, sondern weil ich im Brücken-Abenteuerpark die Neigung jener Ketten nach unten ins Wasser unterschätzt habe, auf denen man hier einen kleinen Wasserlauf überqueren soll. Jetzt muss ich Socken auswringen.
Wir wandern dann noch etwas parkeinwärts, lassen dabei den Pflanzen fotografierenden neuen Freund zurück. Unterwegs gibt Katja telefonisch einem verliebten Ex-Studenten noch ein paar Partnerschaftstipps: "Wer hat zuerst geküsst", schallt es durch den Wald, "du oder sie?" Ich höre gar nicht hin.
Schließlich landen wir am Rande des Universums, des Park-Universums, der sich, wie ich vermeine, auf der genau entgegengesetzten Seite vom Eingang befindet. Wir stapfen querfeldein durch regennasse Pflanzen. Selbst die sonst immer souveräne und schwer zu erschütternde Katja wird ein bisschen blass, als ich ihr mit einer Miene, als wäre Predator hinter uns her, eröffne: "Es gibt keinen Ausweg! Wir müssen jetzt hier über den Zaun steigen!" Etwas unsicher balanciert sie oberhalb der spitzen Metallstäbe. Dann ist es vollbracht. Wenig später kommt das Arboretum in Sicht, in dem wir uns am frühen Nachmittag getroffen haben. Kurzum, wir waren vom Eingang, wo der Chinese mit Schweizer Einschlag immer noch fotografiert, nur zehn Fußminuten entfernt – von wegen "es gibt keinen Ausweg!" Ja, aber ich mag's nun mal gern dramatisch...
Wir steigen wahllos einem Bus zu und wandern dann durch den fast leeren, vom Regen triefenden Xuanwu-Park zurück. An der U-Bahn sagen wir leise Servus, denn Katja und ihr neues Herzblatt müssen ja morgen früh zurück nach Peking.

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Donnerstag, 17. März 2011

"Wer neue Schuhe trägt, tritt damit nicht in den Mist!"
Von DM, 23:59

Wäre ich überfahren worden, wäre meine Verhandlungsposition erheblich günstiger. Als ich eine halbe Stunde vor dem Termin mit meinen beiden Kollegen Chang und Li im Büro für auswärtige Angelegenheiten der Uni vorbeikomme, den meine Chefin mir gestern Abend telefonisch mitgeteilt hat, ist die Stimmung gedrückt. Gemeinsam mit dem Büroleiter schauen sie sich die Video-Aufzeichnung der Vorfälle von gestern Nachmittag an. "Wir sehen uns in einer halben Stunde", sage ich nur und bin auch schon wieder weg.
Chang und Li begleiten mich zum Verhör bei der Polizeistation in der Yunnan-Straße. Ein freundlicher Beamter, der sich Joni nennt, empfängt uns in einem Büro mit schwarzen Ledersesseln und ich beginne mit einer Frage: International gelte ja der Zebrastreifen als so eine Art heilige Schutzzone für Fußgänger. Ob das in China anders sei. Nein, nein, erklärt Herr Joni, das sei in China auch so. Dann erkläre ich, wie es zu jenem Fußtritt gegen das grüne Taxi gekommen ist, das, ungeachtet des blauen Schildes, des gelben Ampel-Blinklichts und des Tempoblockers, mit Vollgas vor mir über den Zebrastreifen bretterte, so dicht, dass immerhin die Möglichkeit zu diesem Fußtritt gegen die Karosserie des Wagens gegeben war. "Als Fußgänger hat man ja keine Hupe", erläutere ich, "um auf Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer hinzuweisen." So hätte ich also zu dieser etwas unorthodoxen Methode gegriffen. Herr Chang übersetzt Wort für Wort. (Ich soll bloß nicht versuchen, Chinesisch zu reden, lautet die Instruktion.) Daraufhin sei die Dame, etwa vierzig Jahre, alt, grüner Trainingsanzug, kurze, hellrot gefärbte Haare, eine gewaltige Rübe auf der Oberlippe, erbost angehalten und aus dem Taxi gestiegen und habe etwas gerufen, das ich nicht verstand. Ich meinerseits habe sie lautstark für verrückt erklärt. Dann steht sie also vor mir. Und obwohl ich ihr doch die Chance gegeben habe, ihr Fehlverhalten einzusehen, erkläre ich, zeigt die Taxi-Tussi sich uneinsichtig und pöbelt laut herum. Ich versetze ihr entnervt einen Schubser gegen die rechte Schulter, um deutlich zu machen: "Gespräch beendet!", aber das sieht die Taxi-Tussi völlig anders. Die wird nämlich rabiat: Sie eilt mir, der ich mich bereits in Richtung Campus abgewendet habe, hinterher und zerrt an meiner Kleidung. Ich versuche mich mit einem Fußtritt los zu machen, verfehle aber mein Ziel. Da die Tussi zurückgewichen ist, kann ich nun meinen Weg fortsetzen, aber – ich bin bereits auf Uni-Gelände – da hängt sie schon wieder wie eine Klette im Hundefell an mir dran und zerrt. Schließlich wird mir das Ganze zu bunt und ich entledige mich der für meine Begriffe völlig durchgeknallten Furie kurzerhand mit einem Kinnhaken. Ich denke: Nun ist Ruhe im Karton! Aber jetzt geht das Theater erst richtig los! Ich kann ja nicht ahnen, dass nur das Besudeln eines Porträts von Mao Zedong in der Volksrepublik China ein noch größeres Verbrechen ist, als eine hilf-, wehr- und vor allem: arglose Frau zu schlagen. Deswegen das Geschrei und Gezeter überall. Die Taxi-Tussi wälzt sich derweil theatralisch auf dem Boden vor dem Campus, zehn Meter von dem Ort entfernt, wo ich zum Befreiungsschlag angesetzt habe. Unwillkürlich muss ich an Elfmeterschinden im Fußball denken. Ein Sicherheitsbeamter und ein Passant kommen auf mich zu. Die behindern sich in dem, was sie von mir wollen, so lange gegenseitig, bis ich erkläre, ich müsse jetzt zum Unterricht, und enteile. Erst im Hörsaal bemerke ich, dass mein Mittelfinger heftig blutet. Nach dem Unterricht komme ich wieder am Ort des Geschehens vorbei und erkläre den Sicherheitsbeamten, die Tussi sei eine Gefährdung für die Menschheit. Man wird jedoch nicht müde mir zu erklären, sie sei sicher zu schnell gefahren, aber ich hätte doch die Frau nicht schlagen dürfen. Erschwerend kommt hinzu, dass, wie ich heute erfahre, drei Augenzeugen sich freiwillig gemeldet haben, um zu erklären, dass ich der böse ausländische Teufel sei, der eine arme, hilflose Frau geschlagen habe, und dass diese sich ins Krankenhaus begeben habe, zu einer zweitägigen Untersuchung! Naja, erkläre ich mich kompromissbereit, wenn die Dame einwillige sich einer Führerschein-Nachschulung zu unterziehen, sei ich bereit 25 Prozent der Krankenkosten zu übernehmen, und halte das für einen fairen Kompromiss. Herr Joni, der die Video-Aufzeichnung von den Vorfällen auf seinem Mobiltelefon hat, dankt, verspricht eine Überprüfung der Sicherheitsstandards im Uni-Viertel, was mein Kollege Chang allerdings für reine Rhetorik hält. Ich bin immerhin froh, dass ich meinen Standpunkt darlegen konnte. Das Protokoll besiegele ich vollgültig-amtlich mit einem Fingerabdruck von roter Tinte. Nun, denke ich, wird man sicher zu einer Lösung gelangen, die beiden Seiten gerecht wird. Chang tadelt mich auf dem Nachhauseweg noch einmal: Ich hätte einfach die Hände vors Gesicht halten und die Frau sich abreagieren lassen sollen. Und überhaupt: Ein Hochschullehrer könne sich doch nicht so aufführen: "Wer neue Schuhe trägt, tritt damit nicht in den Mist!"

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Mittwoch, 16. März 2011

Tage wie dieser...
Von DM, 23:59

... sollten gar nicht erlaubt sein: Ich fall' fast vom Stuhl, als ich lese, dass der FC B einen 1:0-Auswärtssieg in der CL noch aus der Hand gegeben hat. Meine Bank hat hinterrücks meine Geheimzahl für die Kontoführung per Computer geändert und die Zahl ist offenbar irgendwo zwischen Deutschland und China verloren gegangen. Eine Klopapierrolle fällt ins Becken und saugt sich sofort voll. Und der Rest ist auch nicht so einfach. Geladen wie eine Feldhaubitze mache ich mich kurz vor vier auf den Weg in den Unterricht bei den Magisterstudenten, eiligst überquere ich den Zebrastreifen zwischen Nord- und Südcampus. Ein Motor röhrt auf. Ein Taxi beschleunigt auf fünfzig bis sechzig Sachen. Das Schicksal nimmt seinen Lauf.
Abends ruft meine Chefin an: "Du hast eine Frau geschlagen? Die ist jetzt im Krankenhaus. Offenbar ist es etwas Ernstes!"

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Sonntag, 13. März 2011

Erdbeben
Von DM, 23:59

"Der Schrecken der Medusa" ist der Titel eines verstörenden Horrorfilms, in dem Richard Burton einen Mann verkörpert, der Katastrophen heraufbeschwören kann. Und daran muss ich heute mal kurz denken.
Bryant, der Filipino, der die Beiträge für das NICF-Bulletin koordiniert, predigt heute im GoDi der NICF (Nanjing International Christian Fellowship). Ich ahne schon, dass er mich am Anfang der Predigt erwähnen wird, denn ich hätte es an seiner Stelle auch getan. Mein Leitartikel mit dem Titel "Earthquakes", der groß oben auf dem Blättchen prangt, das jeder am Eingang in die Hand gedrückt kriegt, bekommt nach dem schweren Erdbeben in Japan vor zwei Tagen prophetische Qualität. Zwar benutzt mein Text das Thema Erdbeben nur metaphorisch und bezieht sich eher auf Libyen als auf Japan, aber es wirkt natürlich trotzdem irgendwie überirdisch, dass ich meinen Text fünf Tage vor der historischen Katastrophe von Fukushima so betitelt habe. Sicher habe ich heute eine bessere Leserquote als mit "Harry the Dog", "Wisdom of the Flesh" oder "Easily Breaking Glass".

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Samstag, 05. März 2011

ALLLÖEs sInnlos
Von DM, 23:59

GERadehabIchMEINETastaturzertrümmert,weIlderFCBSCHONWIEDERverlorenhAt. Nach3NIederlagenIn folge befIndeIch mIchIN eInerDauerdepreSSIon und werdehIer erst wIeder schreIben, wennder FC B endlIch auf einerCL_PosItIon steht!!! AlLES SINnlos!

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Schlechte Laune
Von DM, 15:33


Sie kann sich vor Verabredungen mit dem netten Ami namens Paul kaum noch retten. Ein paar andere Sachen hatte sie diese Woche auch noch vor, meine Sprachlernpartnerin Cathy. Gestern hat sie ihm abgesagt. Heute Nachmittag taucht er auch in unserem Café auf (wo ich sie vor zwei Wochen einander vorgestellt habe) und setzt sich ein paar Tische weiter drüben hin, grüßt sie aber nicht. Dialogausschnitt:
"Wieso grüßt er denn nicht?"
"Hat dich nicht gesehen."
"Klar hat er. Ich habe ihn doch auch gesehen."
"Wenn du ihn gesehen hast, wieso hast du ihn dann nicht gegrüßt?"
"Du versteht von Frauen nicht mal 50 %!"
"Kann sein, ich hatte ja nie eine Schwester."
"Ist er noch da?"
Leider ist Cathy immer nur mittelmäßig gelaunt, wenn sie in schwierige Geschichten gerät ("I cannot say no to a man!"), deswegen muss ich heute im Sprachtraining wieder ganz schön einstecken, ehe ich mich dann bei meiner Deutsch-Lektion revanchiere. Anschließend schleppt sie mich in ein Restaurant mit, wo sie sich mit einer Freundin verabredet hat, die sie irgendwie anstrengend findet; ich fungiere als Puffer. Die Freundin, die einen tschechischen Freund namens Martin Draga hat, der zur Zeit nicht da ist, erweist sich dann doch als recht patent und findet mich "cute", was sie so oft wiederholt, dass ich es auch garantiert nicht für einen Ausrutscher halte. Fanden meine Studenten auch mal, erwidere ich, bis sie Noten von mir bekamen...

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Freitag, 04. März 2011

Werte Gäste
Von DM, 23:59

Schon wieder Essen mit dem Kollegium. Anlass sind drei Gäste: das Professoren-Ehepaar Paul mit Sohn (der bei uns als Aushilfslehrer tätig ist, so ein Zufall!), das Vorträge halten wird, und ein Ex-Deutsch-Lektor der Uni Schanghai, der unter chinesischen und osteuropäischen Studenten eine Studie zur Evaluation des Deutsch-Niveaus durchführt. Der sitzt neben mir und wettert auch schon wieder gegen Guttenberg. Ich erwidere, dass ich es schlimmer finde, wenn einer Steine auf Menschen geworfen hat, die diese gefährlich am Kopf hätten verletzen können. Von einem Rücktritt des früheren deutschen Außenministers ist mir in dem Zusammenhang nichts bekannt geworden, von einer Entschuldigung auch nicht. (Mehr dazu hier.) Aber das findet der mutmaßliche 68er-Sympathisant mit Blick auf den armen, alten Professor,der so brutal getäuscht wurde, natürlich nicht so der Rede wert. Wahrscheinlich glaubt er auch noch, Ho-Chi-Minh hätte weniger vietnamesische Zivilisten auf dem Gewissen als die US-Armee. Den Linken ist eben einfach nicht zu helfen. Außerdem fragt er mich, wo man denn in Nanjing einen drauf machen könne. Ich winke ab. Ich sei im Grunde ein langweiliger Typ und hätte nichts übrig für Geselligkeit in lauten Hütten. "Wir können uns ja die Woche noch mal treffen", schlägt er zum Abschied der Runde vor, in der es natürlich auch noch um heiterere Dinge ging, aber ich habe keine Lust. Ich habe jetzt 16 Semesterwochenstunden Unterricht, teile ich wahrheitsgemäß mit! Soll er sich doch'n paar Ewig-Linke suchen und mit denen durch die Bars tingeln.

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Donnerstag, 03. März 2011

Mausetot
Von DM, 23:59

Mein Computer raubt mir noch den letzten Nerv! Ständig verweigert er mit der billigen Ausrede "virtual memory too low" die Zusammenarbeit. Jetzt haben sie mir eine neue Mühle gekauft, einen tragbaren Computer, aber die ganzen Installationen sind auf Chinesisch, ich kann das Ding nicht ans Internet anschließen und die Maus blinkt einmal kurz auf, danach gibt sie keinen Pieps mehr von sich. Mausetot sozusagen. Der mir bereits mehrfach zugesagte Installations-Assistent (eine lebende Person) sagt ständig ab. Schließlich habe ich die Nase voll und trage bei meinem E-Mail-Programm qua Abwesenheitsschaltung ein, dass ich keine Anhänge mehr öffnen kann. Wenn die Uni nicht dafür sorgt, kann ich eben auch meine Computer-basierte Arbeit nicht mehr vernünftig ausüben!

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Dienstag, 01. März 2011

Am wichtigsten ist auf'm Platz!
Von DM, 23:59

Tennis-Kumpel Alain ist in der Dusche ausgerutscht und kann momentan kein Tennis spielen. Er hat sich den kleinen Finger der rechten Hand am Klobecken aufgerissen. Cathy springt ein. Die schlägt zwar nicht so doll, aber ich kann dann besser retournieren. Erst mal müssen wir aber qua Telefonanruf beim Tennismeister die sturen Jungs vertreiben, die den Platz nicht räumen wollen. Schnöseltruppe! Cathy hält dem einen resolut das Telefon ans Ohr. "Noch zwei Bälle!", sagt er.
45 Minuten später taucht der schriftstellernde Amerikaner Paul auf, der offenbar (so empfindet sie es) ein Auge auf sie geworfen hat. Am Wochenende haben wir mit Paul und einem befreundeten Pärchen Karten gespielt und ich habe mich so dusselig beim Kartenhalten und Regelverstehen angestellt, dass jeder neben mir aussah wie Cincinnati Kid. Das gilt insbesondere für Paul und Cathy, die heute (Cathys freier Tag) schon wieder zocken wollen, weswegen Cathy schon die ganze Zeit nervös auf die Uhr blickt. "Ich verspäte mich! Der redet nie wieder mit mir!" Dann ist er aber plötzlich da, schaut noch ein paar Minuten zu und Cathy haut mir plötzlich mit solcher Wucht die Bälle um die Ohren, als hätte sie beim letzten Bällesammeln heimlich eine Ladung Kryptonit eingeworfen. Aber ich weiß schon, was kommt: Am Sonnabend jammert sie mir wieder vor, er sei nicht ihr Typ, was solle sie machen, sie könne nicht nein sagen, wenn ein Mann sie einlade. "Du bist ein wirkliches Mädchen", sage ich dann immer.

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