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Dienstag, 27. April 2010

Der verborgene Campus
Von DM, 23:59


In den vier Freistunden, die ich dienstags vor dem Nachmittagsunterricht habe, fahre ich diesmal nicht nach Hause, sondern folge einer schon im letzten Jahr von der Studentin Xiao Li ("kleine Li") ausgesprochenen Einladung an ihre Uni. Damals hörte sich das alles so einfach an: Ja, meine Uni ist auch in Xianlin, jenem Baugebiet im Osten der Stadt. Komm doch mal vorbei!
Nun stelle ich zum wiederholten Male fest, dass die Wirklichkeit immer etwas komplexer ist als die Theorie. Mit Hilfe von Zhengang, einem Studenten des Jahrgangs 08, die ich gerade unterrichtet habe, finde ich immerhin die Bushaltestelle, wo ich umsteigen muss, dann rufe ich die Studentin aus Guangzhou (Kanton) an und erfahre, wie ich die nächste Station erreiche. Dort steige ich dann auch selbstbewusst aus und erreiche ein Uni-Gelände irgendwo in der Walachei, das noch halb nach Baustelle aussieht. Ich lese Xiao Li den englischen Namen, irgendwas mit Nanjing und Technik, am Telefon vor und warte, den neuesten "Spiegel" aufgeschlagen vor mir, auf einem Stein am Eingang. Links ragt ein gelber Kran vor einem wie einst von Christo, nur in Grün, verhüllten Bau in die Höhe. Xiao Li ruft wieder an, sagt, sie stehe am Eingang, ich blicke zum Eingang, sehe aber keine Xiao Li. Ich sag': Dascha komisch! und gehe zur Bibliothek. Xiao Li auch. Doch es wird jetzt immer offensichtlicher: Wir bewegen uns in zwei Paralleluniversen. Denn wieder schauen wir beide in die Röhre statt einander ins Antlitz. Ich drücke auf Xiao Lis Anweisung hin mein Telefon einer vorbeihuschenden Studentin in die Hand. Die klärt mich auf, dass ich mich auf dem falschen Uni-Campus befinde, der richtige sei aber nur dreihundert Meter Luftlinie entfernt. Also nix wie hin. Dort am Eingang des NANJINGER INSTITUTS FÜR INDUSTRIETECHNIK stoße ich nach einer weiteren Weile des Wartens auf eine völlig entkräftete und verschwitzte Xiao Li, die gequält so zu lächeln versucht wie unten auf dem Foto. Ich habe sie mit meiner Fernmeldeversion von Schnitzeljagd über den halben Campus ihrer Uni gehetzt.

Nun zeigt sie mir in etwas größerer Ruhe jenes kleine Reich, das von ihr und jenen Studentenhorden bevölkert wird, die uns auf den Wegen rund um einen kleinen künstlichen See entgegenströmen – auf dem Weg in die Mensa. Dort landen nach unserem kleinen Rundgang um den See auch Klein-Li und ich. Zu uns gesellt sich noch Ray, der den "English Club" der Uni leitet und mich gleich als Referenten anheuert, sowie Rays Freundin Linda. Beide können mein Chinesisch überhaupt nicht verstehen. Also suche ich schließlich das Weite, denn in 90 Minuten muss ich ja schließlich wieder unterrichten. Aber wie man's macht, macht man's verkehrt: Xiao Lis Zweifeln zum Trotz sitze ich zwar im richtigen Bus, aber der Anschlussbus zu meiner Uni, der D1-Bus, kommt und kommt nicht an'n Laden. Ein ums andere Mal schau' ich verzweifelt auf die Nummern der ankommenden Busse und komm' mir vor wie ein Lottospieler, der sich sagt: Mal muss man doch gewinnen! Aber: dreißig, vierzig Minuten lang immer dieselben Nummern – alle falsch. Die Nerven liegen blank! Doch was lange währt, wird endlich gut. D1 hat ein Einsehen. Ich komme trotzdem vier Minuten zu spät zum Unterricht. Meine Studenten sind schon ganz verstört.

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Freitag, 23. April 2010

Das große Alumni-Treffen
Von DM, 23:59

Zweiter Teil des Besuches aus Peking: das Ehemaligen-Treffen, zu dem außer ca. 80 Chinesen, die mal in Deutschland studiert haben, natürlich auch ich geladen bin. Nachmittags kann ich vorher auch endlich den Besichtigungstermin in der Bibliothek absolvieren und Hase-B. aus Peking also mein Imperium der bedruckten Seiten vorführen. Chen Dong alias Eva ist auch gerade da. Sie hatte da noch mal 'ne Frage... Hase-B. ist schon zum nächsten Termin geeilt. Ich begleite Eva noch zur U-Bahn. Die liegt auf dem Weg. Ich selbst gehe in den Park und lese den Buchpreis-Kandidaten "Grenzgang", ehe es dann zum angekündigten Bankett zurück Richtung Schanghai-Straße geht. So ein Essen muss man sich wie folgt vorstellen: In einem großen Doppelsaal mit einem knappen Dutzend runder Tische (an jeden passen zehn bis zwölf Personen) sitzen achtzig zumeist ältere Herren und Damen, die alle von ihrem Studienaufenthalt noch etwas Deutsch sprechen. Sie haben studiert in Hamburg, Bremen, Bonn, Aachen, Freiburg, München... Die Damen und Herren an meinem Tisch, die ich alle einzeln begrüße: der Leiter der Uni-Bibliothek, ein Professor an der Uni für Postwesen und Telekommunikation, ein Plasma-Physiker, ein Informatiker, der Assistent eines Wissenschaftlers, der keine Zeit hatte, eine Ex-Studentin der TU Aachen sowie, neben mir, Gastgeber Hase-B. und seine Übersetzerin. Auf dem Tisch stehen Bier, Wein, Cola und Orangensaft sowie kleine Tellerchen mit merkwürdig aussehenden Appetithäppchen. Nach einer kurzen Einführung durch Hase-B. und einer Dia-Schau häufen sich auf jedem Tisch die Köstlichkeiten so lange an, bis kein Platz mehr ist, etwa zwölf verschiedene Gerichte. Dann fängt irgendwer an einem zuzuprosten und dann wird rumgegangen und man prostet sich hier und da zu. Mir hat der übereifrige Assistent, der nur seinen Chef vertritt und kein Wort Deutsch kann, Wein ins Glas geschüttet. Zu spät habe ich ihn auf meinen Anti-Alkoholismus hingewiesen. Ich bleibe trotzdem bei Cola und Saft.

Hase-B. erzählt mir mit gesenkter Stimme von seinem vorigen Alumni-Treffen in Urumqi, der Hauptstadt von Xinjiang, der von der Ethnie der Uiguren dominierten Provinz. Beim dortigen Treffen sei das Zuprosten dann doch wesentlich stärker ausgeartet, dabei sind die Uirguren eigentlich muslimisch und dürfen also keinen Alkohol... Hase-B. weiß auch zu berichten von massiven Diskriminierungen und Marginalisierungen der Uiguren durch Ämter und Behörden, etwa von besser qualifizierten Studenten, die wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit bei der Studienplatzvergabe übervorteilt werden. Ungerechtigkeiten, die natürlich der gerne verschwiegene Grund für so manchen Aufruhr in der Vergangenheit sind. Nach etwa einer Stunde initiiert irgendein Chinese eine Aufbruchswelle, die dann einfach nicht mehr abreißen will. Am Ende sind noch zwei Tische besetzt: das deutsche Eck und die Deutsch-Studenten. Ich lerne Rebekka, die überraschend ins deutsch-chinesische Rechtsinstitut nachgerückte Juristin kennen, die vorher schon in Nanjing studiert hat, binnen 24 Stunden entschied, ihren sicheren Job bei einer Informatik-Firma hinzuschmeißen, und jetzt im gleichen Gebäude wohnt wie ich. Sie ersetzt den Bajuwaren-Peter, der aus dringenden "familiären Gründen" holterdiepolter nach Deutschland zurückreisen musste, was auch immer das heißen mag. Außerdem wieder mit von der Partie: Geo-Professor Wünnemann. Zusammen mit dem Chef aus Peking treten wir dann mal zu Fuß den Heimweg an. Verdauungsspaziergang. Jetzt dringend vonnöten.

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Donnerstag, 22. April 2010

Das große Warten
Von DM, 23:59

Hoher Besuch aus Peking hat sich angesagt, Herr Hase-B., der Dienststellenleiter des Austauschdienstes und damit so etwas wie mein Dienstvorgesetzter. Eigentlich wollten sie zu zweit kommen, aber sein Kollege laboriert an einer Thrombose. Da soll man lieber nicht fliegen! Ich habe natürlich rechtzeitig die Bibliothek in Schuss gebracht und jetzt sitze ich da – und warte und warte, aber wer nicht kommt, ist der angekündigte Besuch. Kollegin Rogler (siehe vorigen Eintrag) hat mittags schon mal angerufen und mitgeteilt, der Flug aus Peking habe fast zwei Stunden Verspätung gehabt. Aber halb vier wollte er jetzt da sein. Kurz vor vier verlasse ich verstört die Bibliothek und gehe ins Sprachlehrgebäude, wo die Fachbereichsleiterin extra einen Raum reserviert und die Studenten versammelt hat. Ich habe einen kleinen Vortrag mit dem Außenstellenleiter geplant. Professorin Kong wartet auch schon. Ich trete hinzu und kann leider nur von einer Verspätung berichten. Große Fragezeichen überall. Im selben Moment ruft Kollegin Rogler an, die mit dem ehrenwerten Gast im Büro des noch ehrenwerteren Vize-Präsidenten der Uni sitzt und nicht weg kann. Prompt entscheide ich mit Frau Kong die Veranstaltung ausfallen zu lassen und die Studenten zu entlassen. Großer Kollektivseufzer. Immerhin, tröste ich, können diejenigen Studenten, die ein bis zwei Semester in Deutschland studiert haben, zum morgigen Alumni-Treffen kommen. Wir weisen noch mal eigens darauf hin. Gemeinsam gehen Kong und ich dann in den Fachbereichs-"Salon", wo es zunächst eine Sitzung gibt. Mich schickt man in die Kaffeepause. Ich kann so das bisher ausgefallene Einzelgespräch mit dem Chef aus Peking zwischen Tür und Angel schieben. Frau Rogler verabschiedet sich: Sie hofft morgen isländischen Vulkanaschewolken trotzen und nach Deutschland fliegen zu können. Sie hat ja auch an der Uni Göttingen ein Büro und ist mal hier, mal da oder fliegt in die Luft. Zusammen mit Herrn Hase-B. begebe ich mich schließlich zur Lehrerkonferenz zu einer internen Runde. Als er schließlich den beiden Chefinnen je ein Geschenk überreichen will, erfahren wir von einer Verschiebung im Machtgefüge des Fachbereichs: Professorin Kong hat abgedankt und ist gar nicht mehr Vizedekanin. Schön, dass ich das auch mal erfahre!

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Mittwoch, 21. April 2010

Olé!
Von DM, 23:59

Irgendwie habe ich doch wieder den richtigen Riecher gehabt. Irgendwie muss ich geahnt haben, dass es sich lohnen würde, für das Halbfinal-Rückspiel gegen Olympique Lyon aufzustehen. Ich habe den Wecker auf 3 Uhr gestellt, aber ich kann ihn vor dem Klingeln wieder abschalten, denn exakt um 2.44 Uhr werde ich nach drei Stunden Schlaf von selbst wach, liege aber noch zehn Minuten, bis ich mich entschlossen vor den Fernseher schleppe und auch gar nicht mehr lange auf Olic' erstes Tor zu warten brauche. Nach dem Abpfiff, 0:3, kriege ich den Adrenalinpegel natürlich nicht mehr rechtzeitig auf Normal-Null und wälze mich noch zwei Stunden hellwach in der Koje herum. Vor mir liegen vier Unterrichtsstunden am Vormittag. Ich halte gut durch. Doch am Nachmittag, zwischen Mittagessen und Bibliotheksdienst, pfeifen meine Lider, schwer wie die Beine von Van Beuyten, die erste Halbzeit ab und ich muss mal kurz in die Kabine...

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Dienstag, 20. April 2010

Geballte Kompetenz
Von DM, 23:59

Kein April-Scherz: Heute Abend gab es einen Info-Vortrag, zu dem sich das hiesige Sprachlehrzentrum des Goethe-Instituts (mit meiner Kollegin Sommerfeld) und die Außenstelle der Göttinger Partner-Uni der Universität Nanjing, vertreten durch Frau Rogler (früher Lektorin des Akademischen Austauschdienstes in Guangzhou), mit mir zusammengetan haben. Außerdem bekommen wir eine wohlwollende Einführung durch einen Vertreter der Universität und ein Austauschstudent schildert den etwas anderen deutschen Studienalltag in Göttingen. Der Vortrag war mit ca. 60 Studenten gut besucht. Damit der Tag nicht zu lang wird, habe ich meine beiden Vormittagsstunden von 8 bis 10 auf nächsten Donnerstag verlegt. Ich hätte sonst auf dem Außencampus in Xianling einen 13-Stunden-Tag gehabt!

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Sonntag, 04. April 2010

Ostern
Von DM, 23:59

Auch ich kann hier im nicht-christlichen China zwei Tage lang Ostern feiern, weil morgen wegen des chinesischen Totenfestes zufällig auch frei ist. Mein Ostermontag sozusagen. Mit sonnigen 18 Grad und hellgrüner Frühlingsbelaubung stimmt auch das Ambiente.
Ich komme soeben von einem gemeinsamen Abendessen mit der Papierschneidekünstlerin Yuan Guan (unteres Bild rechts), Katja (oberes Bild, Mitte)  und ihren beiden Männern (sin-o-meter berichtete). Katjas Freund, der Pharmazeut, hat eingeladen. Hierbei handelt es sich um eine kleine Verschwörung, damit die Künstlerin, die uns eigentlich erneut alle einladen wollte, nicht schon wieder die Zeche zahlt. Als sie von der Kasse kommt, ist sie konsterniert: alles schon bezahlt!
Yuan Guan hat mich im Park getroffen, wo ich lesend den Nachmittag verbracht habe. Katja & Co. sind wegen einer Fahrradpanne verspätet. Wir gehen ihnen zur kleinen Tempelanlage am Südtor der Stadtmauer entgegen. Dort pese ich die Treppen rauf und runter, weil ich dem Torwächter gesagt habe, dass ich nur nach Freunden suche und also keinen Eintritt zahlen will, aber Katja & Co. sind inzwischen ganz woanders. Am Ende finden wir uns doch noch, posieren vor dem Tempel für ein Foto und haben uns das Oster-Abendessen in dem vornehmen Laden nahe der Stadtbibliothek redlich verdient.



Im GoDi heute Morgen war es fast schon wie in Großenaspe: Mit Karl, seiner Frau und den vier Kindern, die für den Nachmittag eine Fahrradtour geplant haben, hätte man sich ja vielleicht auch in Großenaspe am Kirchenportal unterhalten. Außerdem traf ich Pierre, einen Pharmazie-Forschenden aus Guinea. Na, der hat gestaunt, wie gut ich über sein Land Bescheid wusste!
Am schönsten war natürlich gestern der Sieg gegen Schalke. Die beiden bayerischen Ostereier im Schalke-Tor werden sicher nicht jedem so süß gemundet haben wie mir...
Gestern Vormittag habe ich mit meinem Hauskreis für ein Theaterstück geprobt, das wir nächsten Sonntag aufführen sollen. Das wird sicher lustig. Die Proben sind's auch schon: mein Pullover als Huhn!...
In der Nacht zuvor hat sich die arme Danyu bei mir ausgeheult, weil ihr deutscher Sprachpartner sie verführen wollte. Und sie weiß ja, dass sie sich als Christin auf so was nicht einlassen kann. Also ist sie in Panik weggelaufen und war danach total durch den Wind. Da machst was mit!

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Donnerstag, 01. April 2010

Vortrag zum Gründonnerstag
Von DM, 14:10

Diese Woche habe ich etwas mehr zu tun als sonst: Im Rahmen einer Ringvorlesung hat jeder aus dem zehnköpfigen Lehrkörper des Fachbereichs einmal im Semester eine vierstündige Vorlesung für den Absolventenjahrgang zu halten, bei freier Themenwahl. Diese Woche bin ich dran. Es handelt sich dabei um meine ersten zaghaften Versuche mit dem computergestützten Overheadprojektor-Nachfolgemodell Power-Point-Präsentation (PPP). Die Studenten beherrschen diese Präsentations-Software bei ihren Referaten aus dem Effeff und als Professor kann man ja schließlich nicht schlechter sein als seine Schützlinge. Trotzdem habe ich in der Vorbereitung z.T. ganz schön geflucht! Aber das ist nun vergessen. Am Montag habe ich Herta Müller vorgestellt, am heutigen Gründonnerstag gibt es die Vorlesung zum Osterfest: Unter dem Titel "Von Paulus zu Luther" handle ich in hundert Minuten 1500 Jahre Kirchen- und Kulturgeschichte ab - oder versuche es zumindest. Die Zeit wird natürlich zum Ende hin wieder knapp. Dafür habe ich mir am Anfang besonders viel Zeit genommen, um anhand von Johannes 3,16 oder dem Römerbrief einige Fundamente des christlichen Glaubens darzulegen, alles natürlich streng im Rahmen einer kulturgeschichtlichen Fachvorlesung, wie man es von mir erwartet!

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