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Dienstag, 30. Juni 2009

Die Not mit den Noten
Von DM, 23:59

Ein Mann kommt fünf Minuten zu spät zum Bahnhof, der Zug ist weg. Reaktion: Er stellt seine Uhr fünf Minuten zurück. Jetzt kann er ja wohl den Zug bekommen, oder? Das ist meine Meinung zum Thema Noten. Ich bin die Uhr, die Leistung der Studenten die Uhrzeit, der Zug die Wirklichkeit und das Zurückdrehen die Lüge, die gar nichts bringt. Aber ich habe es ja kommen sehen, dass das wieder Stress gibt mit meinen Noten. Die armen Studenten, die kriegen ja einen Schock, wenn sie nur 88 Prozent statt 92 bekommen, wird mir deutlich gemacht. Kurzum, ich muss doch tatsächlich auf Befehl von oben meine Noten ändern. Dabei geben meine geschätzten Kolleginnen und Kollegen unumwunden zu, dass die Notenvergabe allgemein in China keine Angelegenheit der Wahrheit und nichts als der Wahrheit ist. Es ist wie mit Dumping-Preisen, die den Markt verderben. Man sagt mir also: "Die Studenten haben bei der Arbeitssuche keine Chance zu erklären, warum sie im Verhältnis zu anderen Studenten so schlechte Noten haben. Denn bei der Bewerbung schaut man sich eben nur die Noten an." Es bleibe kein Raum für Erklärungen wie: "Wir hatten aber einen Deutschen als Lehrer, der benotet wie eine Schweizer Uhr."
Durch eine stärkere Gewichtung der Abschlussprüfung und fünf geschenkte Punkte für die Teilnehmer des Lektürekurses (den ich zur Einführung in den Journalismus aufgemöbelt habe) gelangen schließlich sogar meine Noten noch in den Toleranzbereich. Doch die Arithmetik macht's möglich: Jetzt haben wir zwei Durchgefallene (mit schlechten Prüfungen) mehr. Einen können wir aber noch retten, indem wir die bessere seiner zwei Prüfungen mit 60 statt 50 Prozent werten. Noch Fragen?

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Sonntag, 28. Juni 2009

Die Braut kam per Motorrad
Von DM, 23:59

Ich stehe vor einem ziemlich unbelebten Platz namens Malu ("Pferdestraße") in einem Schanghaier Randbezirk und soll angeblich gleich abgeholt werden. Das wirft die bekannten drei Fragen auf: Was soll ich hier? Wie bin ich hier hergekommen? Und wie komme ich hier wieder weg?
1. Was mache ich hier? Alles begann am Freitag Abend, als mich am Ende des Prüfungsstresses Hongzhen, Ex-YUST-Studentin, anruft und über die Hochzeit von Li Jun, ihrer Ex-Kommilitonin, in Kenntnis setzt. Am Wochenende gebe es eine Feier, ob ich nicht kommen wolle. Ich sage, dass ich das nicht schaffen kann. Am Abend lese ich aber E-Mails von Hongzhen und der Braut, die ich wegen der vielen Arbeit mit dem Eintragen der Semesternoten früher nicht gelesen habe. Später ruft Li Jun auch noch mal an und ich fahre also doch am Sonntag nach Schanghai!
2. Wie bin ich hier hergekommen? Morgens weiß ich noch nicht mal, wo die Festlichkeit stattfindet. Ich kann weder Hongzhen noch Li Jun erreichen, schon gar nicht mit dem eigenen Telefon, das mal wieder abgeschaltet wurde, weil ich die Rechnung, die ich nie bekomme, auch nie bezahle. Ich rufe um acht auf dem Weg zum Bahnhof von einem Kiosk aus Hongzhen an, aber die schläft wohl noch. Vorher einmal falsch verbunden, weil die kluge Tante neben mir unbedingt für mich wählen musste, vielen Dank! Ich muss mich beeilen. Mein Zug fährt um halb zehn.
Halb zwölf bin ich am Bahnhof von Schanghai. Das große Schlemmen soll um zwölf Uhr stattfinden, aber der Ort ist ca. eine Stunde entfernt, hat Li Jun am Freitag erzählt. Ich kann mich diesmal nicht an die eherne Didus-Regel halten und muss ein Taxi nehmen. Natürlich erwische ich einen Schlawiner, ein ziegenbärtiges Schlitzohr, das sehe ich sofort. Der schaltet kein Taxometer ein, da kann ich lange reden! 180 Yuan. Das bedeutet: Eigentlich kostet das Taxi die Hälfte. Aber ehe ich zäh verhandeln kann, ist es mir lieber, der gute Junge ruft mit seinem Mobiltelefon mal bei Hongzhen oder Li Jun an und die sagen ihm, wohin er fahren soll. Das klappt tatsächlich und ich zahle 150 Yuan. Dafür düst er über die Autobahn und ist immerhin um Viertel nach zwölf schon da, wo ich jetzt stehe wie bestellt und nicht abgeholt. Der Ziegenbart telefoniert auch nicht noch mal, als ich ihn bitte. Er sagt, die kämen gleich und holten mich genau hier ab. Und da stehe ich also nun und wir sind bei Frage drei:
3. Wie komme ich hier wieder weg? Es ist zwanzig nach zwölf, da kommen sie auch schon um die Ecke geschossen: zwei Krafträder! Und das Mädchen im fleischfarbenen Kleid, das auf dem ersten hinten drauf sitzt, das erkenne ich trotz der merkwürdig ondulierten Frisur sofort: Li Jun, Ex-Studentin, heute Braut. Ich klettere auf dasjenige der beiden Gefährte, das noch keinen Mitfahrer hat und wir pesen in Richtung des Restaurants, wo auf zwei Etagen in verschiedenen Räumen Köstlichkeiten serviert werden. Ich werde in den Raum mit ehemaligen YUST-Studenten gelotst. Vorher muss ich mich aber im WC umziehen und tausche das blaue Unterhemd gegen ein blaues Oberhemd, das zu so einer Festlichkeit doch etwas passender erscheint. Dann setze ich mich auf den mir zugewiesenen Platz und erkenne die schöne Yinji aus „meinem“ Jahrgang 03 sowie zwei Studentinnen des Jahrgangs 04 wieder, aber ich erkenne nicht wieder: Guangyong, den Studenten des Jahrgangs 02, der jetzt in einer Schanghaier Firma arbeitet, gar nicht weit vom Ort der Festlichkeit. Ja, warum habe ich den denn nicht erkannt? Weil er der doppelte Umfang dessen ist, der er war, als ich ihn das letzte Mal sah! Ich sage: „Sie sind jetzt sehr kräftig!“ und kräftige mich selbst erst mal mit ein paar, naja, eher einer Menge der Köstlichkeiten vor mir auf dem Tisch. Später muss ich mit Fenghua, Shenling und Hongzhen einen Saft heben und als Krönung bringen wir den Choral „Du stehst zu unserer Freundschaft“ dar, mit dem die Braut gewissermaßen an der YUST einst ihren musikalischen Durchbruch hatte.
Etwas nach drei ist die Party dann vorbei. Der Bräutigam ist schon reichlich angeschäkert, als draußen auf dem Parkplatz der Brautstrauß fliegt und die Fänger noch für Fotos posieren. In der Ausklangzone spreche ich zur Braut noch ein paar mahnende Abschiedsworte über die Dinge, die die Welt zusammenhalten, dann geleitet sie uns noch schnell zum Bus, wo Hongzhen sich nicht verkneifen kann auf die Schwangerschaft hinzuweisen, auf die das junge Paar verblüffenderweise gar nicht mehr warten muss. Ich verstehe die Anspielung natürlich nicht, obwohl ich sie mit allgemeinen Äußerungen zum Thema Generationswandel selbst heraufbeschworen habe. Mit dem Bus geht es zurück in die Innenstadt (eine Stunde). An der U-Bahn verabschiede ich mich von den Yinji, Fenghua, Shenling und Hongzhen sowie einer weiteren Ex-Studentin.
Bereits vorher war mir klar, dass ich am Bahnhof noch eine ATM-Geldausspuckmaschine würde finden müssen, weil ich all mein Geld mittags für das Taxi ausgegeben habe und ja auch noch ein Geldumschlag für die Braut fällig war. Ich suche am Bahnhof so lange nach der richtigen ATM-Maschine, dass es dunkel wird. Auf dem Weg zum Erwerb der Rückfahrkarte sprechen mich zwei Schwarzmarktgauner an: Hier Fahrkarte nach Nanjing für 120 Yuan. Ich sage: zu teuer! Da geht er auf hundert, vermeine ich zu hören, und lobt mich als zähen Verhandler. Plötzlich Tumult. Ein Rennen und Fliehen setzt ein: Polizei macht den Schwarzmarkt unsicher. Die Fahrkarte habe ich in der Hand, mein Geld habe ich auch noch. Da kommen diffizile Fragen aus den heiligen Domänen von Jurisdiktion und Moral auf: Ist man Schwarzhändlern gegenüber eigentlich zu Solidarität und Redlichkeit verpflichtet? Ich wollte ja auch gar nichts von denen. Die wollten was von mir. Ich hätte mich einfach absetzen sollen. Aber ihr kennt mich: Ich renne den Lotterbuben sogar noch hinterher, mit den hundert Yuan in der Hand. Aber nun sind es auf einmal 110. Argwöhnische Blicke nach der Polizei. Nein, er will meine hundert Yuan nicht. Ich bin zu stur, 110 zu bezahlen. (Der wahre Preis der Fahrkarte ist 93 Yuan.) Er nimmt mir die Karte wieder weg. Ich gehe und kaufe eine reguläre, aber für den letzten Schnellzug gibt es natürlich keine Karten mehr. Das hätte ich mir bei dem Gefeilsche eben ja denken können. Der Ehrliche ist immer der Dumme! Der Bummelzug fährt eine Stunde später, zehn vor neun, ab. Und ich werde mich noch ärgern. Denn der Bummelzug hält sich aus ungeklärter Ursache eine Stunde in einem Vorort von Schanghai auf, ist nicht gut klimatisiert und die gedrungene ältere Chinesin in den kolossalen schwarzen Kniestrümpfen, die sich mir gegenüber auf dem Doppelsitz hingehauen hat, weiß längst, was mir erst dämmert: Das wird eine lange Nacht. Immerhin: Bus Nr. 1 fährt sogar noch nachts um zwei. Als ich einsteigen will, klopfe ich den Fahrer aus seinem 5-Minuten-Schlaf. Gegen halb drei bin ich zu Hause. Hochzeit als Tour de Force!

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Dienstag, 23. Juni 2009

Hohe Literatur und Seifenoper
Von DM, 23:59

Brav haben die meisten Studenten des zweiten Jahrs sich auf die mündlichen Einzelprüfungen vorbereitet, in denen ich sämtliche Texte des abgeschlossenen Lehrbuches abfrage. Jetzt kommt nur noch die Prüfung für Magisterstudenten am Donnerstag und die Urlaubszeit steht vor der Tür!
Danyu, die rührige Schriftstellerin, die mich regelmäßig mit immens eloquenten E-Mails versorgt, hat für den Abend vorgeschlagen, sich von mir in ein sündhaft teures Teehaus am Xuanwu-See einladen zu lassen. Angeblich hätte ich ihr so was mal versprochen. Aber erst mal kommt sie eine halbe Stunde zu spät; ich war inzwischen schon wieder weg und es ist reines Glück, dass ich auf Verdacht eine halbe Stunde später, um 18 Uhr, noch mal am Treffpunkt Bibliothek vorbeikomme, nachdem ich zwischendurch Studenten getroffen habe. Ich verschweige diese Umstände; sie ist schon verstört genug. Wir gehen in den Vortrag  eines Skandinavistik-Professors aus Berkeley, der als Gastreferent über Architektur als Motiv in der skandinavischen Literatur spricht und anhand von Ibsens „Nora – Ein Puppenheim“ und „Die Stützen der Gesellschaft“, Selma Lagerlöf, August Strindberg sowie dem dänischen Autor Hermann Bang zeigt, wie das Motiv von Abbruch und Aufbau von Häusern oder andere Formen von Haus-Metaphern die sich verändernden sozialen und psychischen Realitäten zum Ausgang des 19. Jahrhunderts spiegeln. Danyu hat kaum etwas verstanden, obwohl der Vortrag ihre Idee war. Ich wusste davon gar nichts.
Also ab ins Teehaus. Alles ist hier ganz traditionell, nur die Preise vermutlich nicht: 80 Yuan für ein paar Schlucke Tee aus einer Mini-Tasse! Immerhin: Das Milchspeiseeis vorher ging auf Danyus Rechnung. Nein, Danyu muss keine Operation fürchten. Die Geschichte ist schon wieder Schnee von gestern, interessiert sie nicht mehr. Sie will jetzt bald einen Roman über ihre Amerika-Erfahrungen schreiben. Darin kann sie dann auch gleich die Geschichte mit ihrem „boy-friend“ abarbeiten, den sie natürlich verlassen wird. Sie weiß es nur noch nicht. Aber sie redet nur noch von ihrer ominösen Internet-Bekanntschaft, die sich nach langer Zeit wieder gemeldet hat. Ich sage: Der hat zwei Kinder und lebt von deren Mutter getrennt; so richtig christlich hört sich das für mich nicht an. Aber er sei ihr Seelenverwandter, das spüre sie. Deswegen bereue ich auch die 80 Yuan nicht. Danyus Leben ist die pure Seifenoper und ich bin darin zum Glück nur Statist. Gegen Mitternacht flanieren wir den See entlang und ich setze sie schließlich ins nächste Taxi. Da ist sie ganz konsterniert, dass ich nicht mit einsteige. „Ich muss doch in eine ganz andere Richtung“, sage ich, was habe sie denn gedacht? Sie kommt mir vor wie ein kleines Kind, das nicht gern allein sein mag und sich im Dunkeln schnell verläuft.

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Samstag, 20. Juni 2009

Trabbi-Witz
Von DM, 23:59

Cathy wird heute im Park während der Sprach-Etüde total von Mücken zerstochen. Ich habe Autan aufgetragen. Das treibt alle Angriffe zu ihr. Die Gewitterluft macht die Mücken aggressiv. Am Ende ziehen wir mit einem Umweg über einen Uhrmacher und einen Eisladen weiter zu Hillsons Englisch-Party, obwohl Cathy nicht müde wird zu betonen, dass Hillson alle Mädchen in die Flucht treibe, weil er nicht gut in Konversation sei. Dafür kommen wir dann ja endlich und reißen Hillson gemeinsam mit vier weiteren Gästen aus der Lethargie. (Hillson liegt ausgestreckt auf dem Sofa des Blue-Gulf-Restaurants, als wir eintreffen.) Das Thema ist heute: mein Lieblings-Film-Dialog. Hillson liest aus „Forrest Gump“ vor. Ich kann mein Zitat aus „Zwei glorreiche Halunken“ („Du digge Sau, wenn man dich abknallt, gibt's 'n Fettfleck und 's macht nicht mal viel Krach!“) leider nur auf Deutsch rezitieren, was die Wirkung natürlich mindert.
Der Weg zum Uhrmacher hat übrigens eine Vorgeschichte: Ich musste meine Uhr letzte Woche reparieren lassen: neue Batterie, neues Rädchen. Aber zwei Tage nach der Reparatur war sie schon wieder kaputt. Ich also wieder hin. Ein Teil wird ausgetauscht für noch mal 50 Yuan. Insgesamt 80 Yuan. Cathy beschwert sich: Das sei ja viel zu teuer, und fängt einen Streit mit dem Uhrmacher an, dem ich nicht folgen kann. Mir fällt dafür der Witz vom voll getankten Trabbi ein, der seinen Wert verdoppelt. Für die Reparaturkosten hätte ich mir vier neue Uhren kaufen können. Aber ich brauche eben meine Datumsanzeige. Und ist nicht so eine Armbanduhr letztlich fast so etwas wie ein treues Haustier? Das kann man auch nicht einfach so entsorgen, wenn es nicht mehr richtig will.

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Mittwoch, 17. Juni 2009

Prüfungszeit
Von DM, 23:59

Ich mache die Prüfung „Texte verfassen“ etwas interessanter für mich, indem ich meine Schützlinge Gedichte von mir selbst interpretieren und dann einschätzen lassen, von wem das poetische Meisterwerk stammen könnte. Schmeichelhafte Antworten wie Goethe, Hölderlin oder eine Frau, die in der Nazi-Zeit unter Repressalien gelitten habe, erfreuen mich ebenso wie im letzten Semester mein gutes Abschneiden bei der Umfrage, welche Kurzgeschichte ihnen am besten gefallen habe. Mir fällt dazu jetzt nur noch der beliebte Herbst-Spruch meines alten Kumpels Jan Loose ein: „Ein Poet steht vor der Tür: Dichter Nebel.“

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Dienstag, 16. Juni 2009

Die arg traurige Geschichte vom armen Mäuschen
Von DM, 23:59

Der Unterricht ist für dieses Semester beendet. Es ist Prüfungszeit. Heute hatte ich bereits zwei meiner insgesamt fünf Prüfungen. In Zeitungslektüre mussten die Studenten ein Fax von Verona Pooth zu einer Nachricht umbauen, die Prüfung im Grundkurs Deutsch zum Abschluss der Lehrbucharbeit habe ich ganz auf den Film „Krabat“ zugeschnitten, den wir in der letzten Woche gesehen haben. Im Diktat können die Studenten nun zeigen, dass sie Wörter wie Müllersbursche oder Mühlräder wiedererkennen können. Das hat natürlich nicht überall gleich gut geklappt, wie ich bei den Korrekturen feststelle, die ich um sechs Uhr abends unterbrechen muss, weil das Abschiedsbankett der Uni ansteht. Dort beschwert sich die unter mir wohnende Japanerin über den Krach von neulich Nacht, als ich auf der Internetseite der Bahn versuchte, einen Zug zu buchen, was damit endete, dass eine Computer-Maus in die Ecke flog und danach nicht mehr zu gebrauchen war. „You have such a short temper“, sagt sie. „It's hot“, antworte ich.

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Samstag, 13. Juni 2009

Vortrag in Pukou
Von DM, 17:11

Ja, das wird jetzt leider kein so aufregender Eintrag, freut aber meinen Arbeitgeber. Im Rahmen einer Marketing-Offensive des Akademischen Austauschdienstes habe ich heute meinen zweiten Info-Vortrag über Leben und Studieren in Deutschland gehalten. Etwa vierzig Studenten waren in einem Hörsaal des Uni-Außencampus in Pukou erschienen. Meine Studentinnen "Theresa" und "Ilona" haben fleißig Werbung gemacht und das Organisatorische (Raum, Technik usw.) für mich übernommen. Angesichts der Tatsache, dass zwei schwere Prüfungswochen vor den Studenten liegen, ist der Besuch ganz erfreulich. Ganz im Sinne des Erfinders sind mehrheitlich Studenten anderer Fachbereiche erschienen, acht Zuhörer sind Deutsch-Studenten. Das Hauptinteresse der Studenten gilt nach wie vor der Anrechenbarkeit ihrer in China erbrachten Studienleistungen. Will man nach dem Erwerb eines B.A. in Deutschland weiterstudieren, geht das ja nur im selben Fach. Aber niemand möchte natürlich in Deutschland als Student ganz von vorne anfangen, als hätte er nicht schon vier akademische Jahre hinter sich.
Ganz fürsorglich - ist ja auch schon dunkel! - geleitet mich Studentin "Ilona", die heute auffällig gut riecht, nach kurzer Überbrückungslektüre in der klimatisierten und daher gut gefüllten Bibliothek abends um neun dann zum letzten Uni-Bus Richtung Nanjing.

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Freitag, 12. Juni 2009

Noch 'ne Freikarte
Von DM, 23:59

Gestern hat mir das Auslandsamt der Uni überraschend eine Freikarte für ein Konzert der "Nanjinger Philharmoniker" angeboten. Ich sage dankend zu und nehme gleich zwei. Meine beiden Schriftstellerinnen können leider nicht: Lu Min, die ja eine Revanche für den "Pfingstrosenpavillon" verdient hätte, bereitet sich auf ihre Frankreich-Reise vor und Echo alias Danyu hat eine Art Tumor am oder im Ohr und fliegt drei Tage nach Guangzhou zu einer Expertin. Sie ist ziemlich nervös deswegen (Gebetsanliegen!). Cathy sagt dann zu. Ich habe ihr eine E-Mail mit der Betreffzeile "Concert - one more try?" geschickt und beziehe mich dabei natürlich auf die Ton-Tortur vom letzten Mal (sin-o-meter berichtete). Diesmal gibt es glücklicherweise keine Tortur. Mit Beethoven und romantischen Komponisten stehen keine Disharmonien auf dem Programm. Cathy hat trotzdem Grund zur Klage: Der Frack des Komponisten sei ja total zerknittert. Den hätte man mal vorher bügeln sollen!
Als furiosen Rausschmeißer gibt es das Filmthema von "Fluch der Karibik". Das erkenne dann sogar ich wieder.

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Mittwoch, 03. Juni 2009

Beim Uni-Doc
Von DM, 23:59

Mein belgischer Kollege Serge hat mich auf die Idee gebracht: Man könne sich mit so einem Knie ja auch mal in Behandlung begeben. Seit dem desaströsen Unfall vom 18. Juli 2008 habe ich eine Patellasehnenentzündung oder -reizung. Reizend ist das gar nicht. Nach dem Fußball (wie am letzten Sonnabend) wird das Knie nämlich dick und schmerzt. Keine Ahnung, wieso ich so was bekomme und behalte, obwohl ich kaum noch Sport treibe, nur ab und zu Tennis oder gelegentlich Fußball, dazwischen aber z. T. monatelange Pausen.
Heute gehe ich also zum Gesundheitszentrum der Universität. Dafür musste ich mir gestern erst mal mein Medizinbuch vom Auslandsamt holen, eine Art Krankenscheinheft. Ich schlage mich durch bis zum Arzt in der Abteilung für Elektrotherapie. Die langen Gänge, die Türen, die Becken - alles erinnert ein bisschen an die altmodische Ausstattung im San-Zentrum 107 (Scholtz-Kaserne). Röntgen lehne ich ab, weil das definitiv keine Knochengeschichte ist. Der Doc und ich kommen überein, Elektrotherapie zu probieren. Ich bekomme also eine Elektrode aufs Knie gebunden und neben mir ist ein Trafo für die Regulierung der Stromzufuhr, vergleichbar mit dem in dem Folterdrama "Das Experiment". Ich denke auch an die Elektroschocks, die man zusammen mit Herzmassagen verabreicht, wenn jemand kurz vorm Sterben ist, oder an die Elektrozäune auf deutschen Kuh- und Pferdeweiden und mache mich auf das Schlimmste gefasst. Zum Glück handelt es sich aber nur um ein kribbeliges Gefühl, das sich langsam steigert und sich am Ende anfühlt wie eine Massage mit feinen Nadeln. Tut jedenfalls nicht weh. Außerdem bekomme ich so'ne Art flüssiges Finalgon. Nur zur äußerlichen Anwendung!
Alle sin-o-meter-Leser, die an den Einzigen, Wahren und Ewigen glauben, bitte ich um Gebet für diese leidige Kniegeschichte!

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