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Mittwoch, 14. Juli 2010

Sicherheitsrisiko
Von DM, 23:59

Am Flughafen treffe ich schon wieder die Familie von Michael und Linda (siehe Eintrag vom 3. Juli) - so ein Zufall! Als ich am Abend nach elf Stunden Flug in Frankfurt lande, gerate ich in gewaltige Schwierigkeiten. Mit einer letzten, ziemlich umfangreichen Skandalgeschichte verabschiedet sich das sin-o-meter in die Sommerpause. Sicherheitsgurte anlegen: Es knallt noch mal richtig!

Ich gestehe es: Ich bin ein Querulant. Also, es gibt da ja diese Sicherheitsüberprüfungen an jedem Flughafen. Da stehen so graue Kästen, in die muss man alles reintun. Ich habe es etwas eilig. In dreißig Minuten geht ja schon mein Flug. Ich habe mich schweren Herzens entschieden, diesen Flug von Frankfurt nach Hamburg planmäßig anzutreten. Mein eigentlicher Plan war ja, diesen Flug sausen zu lassen und von Frankfurt aus die Konferenz des Akademischen Austauschdienstes in Bonn aufzusuchen, zu der ich auch angemeldet bin. Aber ich sehe keine andere Möglichkeit: Ich muss jetzt doch nach Hamburg fliegen, weil ich die PIN meiner Postbank-Karte vergessen habe und meine EC-Karte 2009 abgelaufen ist. Ich habe gerade zweimal eine falsche PIN bei der Post am Frankfurter Flughafen eingegeben, beim dritten Fehlversuch ist die Karte gesperrt. Ich überlege hin und her, rufe zu Hause an, aber Mama kann die PIN oben in meinem Zimmer in meiner schwarzen Geldkassette auch nicht finden. Ich habe mich bei Ulrich in Hamburg angemeldet und mit den 3,40 Euro, die ich noch im Portmonee habe, komme ich mit der U-Bahn bis Hamburg-Langenfelde. Doch nun stehe ich vor diesem Sicherheitsfließband und denke, ich kann etwas Zeit sparen, wenn ich die Rentner, die da gerade mühsam ihre Sachen in die Kisten kramen mal schnell überhole und meine beiden Utensilien, wie immer ein Rucksack und eine Plastiktüte, einfach so aufs Band packe. Da schreit die Aufsichtsbeamte Alarm! Das könne ich nicht machen.
- Wieso?
- Weil... das geht nicht.
- Wieso nicht?
- Man muss die grauen Kisten benutzen.
- Wo steht das denn? Zeigen Sie mir bitte die Vorschrift, wo steht, dass man diese Kisten benutzen muss. Es geht doch hier nur darum, dass die Sachen irgendwie da durch gehen.
Meine Sachen sind schon auf der anderen Seite herausgekommen. Ein Bundespolizeibeamter ohne Mütze betritt die Szene.
- Wir sind hier die Vorschrift. Wenn wir sagen, Sie packen die Sachen in die grauen Kisten, dann ist das so.
- Aber das ist doch sinnlos.
- Wissen Sie, wer ich bin?
- Ja, Sie sind ein Vier-Sterne-General, das sieht man ja an der Schulter.
Genervtes Kopfschütteln.
- Da sind Rollen, da bleiben die Sachen eventuell hängen! Sie wollen doch auch nicht, dass was verloren geht!
- Wo sind denn da Rollen? Vor dem Röntgenapparat sind keine und unmittelbar am Ausgang der Röhre sind auch keine. Wie soll da was verloren gehen?
- Das ist ja nur für Ihre Sicherheit.
- Aber da geht ja nichts verloren. Die Sachen sind doch schon durch!
- Sie halten hier den ganzen Laden auf!
- Sie halten den Laden auf! Ich wäre schon längst mit allem durch, wenn Sie nicht dieses Theater mit den grauen Kisten aufführen würden. Wieso liegt mein Telefon da auf der anderen Seite? Müssen Sie noch prüfen, ob da eine Bombe drin ist?
- Was sagen Sie da? Sie haben eine Bombe? Sind Sie wahnsinnig? Sie haben sich soeben selbst zum Sicherheitsrisiko gemacht.
Der offenbar arabischstämmige Beamte Fatchat, ein Schild mit dem Titel "Supervisor" haftet an seiner Brust, macht mich auf den Ernst der Lage aufmerksam.
- Ich habe nur gefragt, ob Sie mein Telefon, das da unerreichbar auf der anderen Seite liegt, noch für eine besondere Untersuchung brauchen. Sie glauben wohl, da ist'ne Bombe drin...
- So ein Wort dürfen Sie hier niemals benutzen. Das ist ein sensibler Bereich.
- Wieso? Ist Bombe ein obszönes Wort? Wir leben hier in einem freien Land, da darf man jedes Wort benutzen, das nicht obszön ist. Wo sind Sie eigentlich geboren?
- Das geht Sie gar nichts an, wo ich geboren bin.
- Ich mein' ja nur, weil Sie von Demokratie offenbar so wenig verstehen.
- Bombe kann man hier nicht benutzen. Damit bringen Sie sich selbst in Verdacht!
- Ich gehe dreimal durch den Piep-Türrahmen. Kein Ton ertönt.
- Schauen Sie mal, wie gefährlich ich bin, es hat nicht einmal gepiept!
Der Vier-Sterne-General schaut sich meine Bordkarte an.
- Wo wollen Sie hin? Nach Hamburg? Sie glauben doch nicht, dass Sie da heute noch hinkommen.
- Das werden wir ja sehen.
- Sie fliegen heute nirgendwo mehr hin. Dafür sorgen wir schon.
- Naja, eigentlich will ich ja auch gar nicht nach Hamburg. Ich habe nur zu wenig Geld...
Demokratie-Experte Fatchat übernimmt jetzt das Ruder:
- Wir müssen Sie jetzt überprüfen. Bitte entleeren Sie Ihren Rucksack.
Ich entleere meinen Rucksack so, dass alle Sachen auf einmal auf dem Untersuchungstisch liegen. Einige Sachen fallen zu Boden.
- Sie wissen aber schon, dass Sie das auch wieder einräumen müssen?
- Das glauben Sie. Das räumen Sie alles schön selbst wieder ein.
Ich räume meinen Krempel, der kaum durchsucht worden ist, wieder ein.
- Ihren Pass behalten wir erst mal hier.
- Ja, ich gehe schon mal vor zum Flugsteig.
Am Flugsteig, ca. 15 Minuten später:
- Kommen Sie mal bitte? Wir teilen Ihnen jetzt mit: Die Lufthansa hat Ihre Bordkarte eingezogen, weil Sie als Sicherheitsrisiko eingestuft wurden. Sie werden jetzt von uns aus dem Sicherheitsbereich entfernt. Wenn Sie Widerstand leisten, werden wir Sie gewaltsam aus dem Sicherheitsbereich entfernen.
- Ja, dann will ich aber auch Handschellen, ich meine, als Sicherheitsrisiko! Hallo, ich bin ein Sicherheitsrisiko. Wenn ich ein Sicherheitsrisiko bin, wieso bekomme ich dann keine Handschellen? Hallo, ich bin gefährlich!
Der Vier-Sterne-General und sein übergewichtiger Kollege geleiten mich zum Ausgang.
- Wenn ich ein Sicherheitsrisiko bin, dann sind Sie eine Beleidigung für die Bundesrepublik Deutschland.
- Passen Sie auf, was Sie sagen.
- Passen Sie auf, was Sie sagen. Ich finde, dass Sie sich hier total unangemessen verhalten.
Der Vier-Sterne-General schubst mich, als ich auf dem Weg zum Ausgang kurz stehen bleibe, ich beschwere mich über die ruppige Behandlung und kündige eine Dienstaufsichtsbeschwerde an. Doch die Herren verweigern es, mir ihre Namen mitzuteilen.
- Gehen Sie weiter.
- Ach? Kommt sonst gleich der Knüppel aus dem Sack?
Ich deute auf den schwarzen Knüppel, der links am Gürtel baumelt. Nochmaliges Schubsen.
- So eine unsouveräne Problembehandlung, wie Sie sie hier an den Tag legen, habe ich auch noch nicht erlebt. Haben Sie nie was von Deeskalationsmechanismen gehört?
- Wir bringen Sie jetzt zur Tür und dann ist gut.
Die Herren geleiten mich wie versprochen zur Tür.
- So, ab wo jetzt? Ach, ab hier bin ich jetzt kein Sicherheitsrisiko mehr?
- Genau, ab da. Da oben ist die Regress-Abteilung. Da können Sie Ihren Flug umbuchen.
- Vielen Dank.
Und dort erfahre ich nun, dass ich meinen Flug gar nicht unterbrechen durfte und folglich auch mein Rückflug gestrichen ist. Das ist ja irgendwie noch ganz gut, dass ich das erfahre. Denn den Flug nach Hamburg wollte ich ja ursprünglich überhaupt nicht antreten. Wäre ich nicht zum Sicherheitsrisiko geworden, hätte ich das gar nicht erfahren.
Da ich kein Geld habe, übernachte ich auf dem Flughafen und muss dabei einmal umziehen, weil ein herrenloses Gepäckstück ebenfalls zum Sicherheitsrisiko wurde. Kommissar Rex ist auch im Einsatz. Am nächsten Morgen mache ich noch mal Stress bei der Postfiliale. Am Ende springen 20 Cent dabei heraus, die mir der ratlose Schalterbeamte aushändigt, weil er mir helfen will meine Zugfahrt zum Frankfurter Hauptbahnhof zu finanzieren. Das Geld reicht trotzdem nicht. Er hätte mir vierzig geben müssen. Die Fahrkarte kostet 3,80 Euro. Erst Sicherheitsrisiko, dann Schwarzfahrer! Auf dem Postamt am Hauptbahnhof sorge ich schon wieder für Stress und Schlangen.
- Es muss doch möglich sein, dass ein deutscher Kontoinhaber, der sich ausweisen kann, an sein eigenes Geld kommt!
- Wir können Ihnen nur sagen, was in diesem Fall vorgesehen ist.
- So eine PIN wird doch alle Nase lang vergessen!
Beantragung einer neuen PIN, Auflösung des Kontos, es gibt viele Wege nach Rom, aber alles dauert zwei bis drei Tage. Ich stehe also auf der Straße. Vor mir liegt der Kontoauflösungsantrag. Eine neue PIN habe ich abgelehnt: "Ich will den schlechten Service der Postbank nicht auch noch mit 8 Euro unterstützen!" Ich frage mehr aus der Verlegenheit heraus:
- Gestern habe ich die Geheimzahl zweimal falsch eingegeben. Wie viele Versuche habe ich jetzt noch?
- Pro Kalendertag drei Versuche. Sie haben also drei.
- Dann will ich noch mal auf gut Glück versuchen.
Viel Hoffnung habe ich aber nicht. Schon gestern geisterte eine Zahl durch mein Kleinhirn, eigentlich zwei Zahlen, sieben und acht. Aber wie wahrscheinlich ist es, dass ich daraus die richtige Kombination zusammenstelle? Sekunden später kann ich meine Euphorie nur mühsam im Zaum halten, die Leute hinter mir in der Schlange gucken schon und ich komme mir vor wie ein Zirkusclown, als ich ausrufe: "Das gibt’s ja nicht! Hat funktioniert!"
Ich reise mit dem nächsten Zug nach Bonn ab.

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Dienstag, 13. Juli 2010

Das Abschiedsgeschenk
Von DM, 19:27


Zum Abschied lade ich die Schriftstellerin Danyu noch mal zum Essen ein. Sie hat sich gerade per E-Mail wieder mit ihrer Internet-Bekanntschaft Chris, einem Engländer in Frankreich, versöhnt und ist jetzt einigermaßen zuversichtlich, dass sie ihn bald heiraten kann. So schafft sie es auch, diesmal beim Abschied nicht in Tränen auszubrechen, als ich sie kurz nach zehn ins Taxi setze. Denn sie fliegt am 2. August zum Studium nach Chicago. Für mich bedeutet das vor allem, dass ich künftig wieder so viele SMS bekommen werde, wie es einigermaßen normal ist. Ich habe ihr schon die Willow-Creek-Gemeinde ans Herz gelegt und musste mich dabei gegen einen Chicagoer Freund von ihr zur Wehr setzen, der ihr die Gemeinde als Vertreterin eines Wohlstandschristentums auszureden versucht hat. Damit war ich natürlich gar nicht einverstanden.
Ach ja, zum Abschied bekommen habe ich - sie nun wieder! - einen halben Jade-Armreif (zerbrochen) und ein chinesisches Duft-Dingens zum Aufhängen oder Herumtragen. Soll gegen Mücken helfen. Und: Ich muss versprechen, nichts davon weiterzuverschenken. Hintergrund dieser Forderung: Peinlicherweise habe ich Danyu soeben ein Lesezeichen angeboten, als sie mich ihrerseits um ein Souvenir von mir gebeten hat. Da fiel mir ein Lesezeichen aus Blech ein, das schon eine halbe Ewigkeit unbenutzt bei mir im Regal herumliegt. Danyu ist von dem Geschenk sichtlich wenig begeistert, denn: "I gave that to you!", empört sie sich. Das Teil habe ich wohl vor einem Jahr oder so von ihr selbst bekommen. Ich mime die Unschuld vom Lande: Wirklich, das sei von ihr?!? "Of course!", versichert sie und reißt sich schließlich zwei Schlüsselanhänger von mir unter den Nagel. Nun, ihr aktuelles Geschenk werde ich wohl auf jeden Fall behalten müssen. Oder will hier im sin-o-meter vielleicht einer 'n halben Jade-Armreif?

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Freitag, 09. Juli 2010

Im Massaker-Museum
Von DM, 23:59

Mit Xiao Li (siehe Eintrag vom 27.4.) und einer Mitstudentin habe ich mich heute fürs Museum zum Gedächtnis an die japanischen Kriegsverbrechen 1937 verabredet. Das Museum befindet sich direkt an einer Station der neuen U-Bahnlinie 2 und obwohl Xiaochen kurzfristig noch ein paar Bücher für die Ferien ausleihen und ich daher extra noch mal die Bibliothek für sie öffnen musste, bin ich nur 15 Minuten zu spät. Die Gedächtnisstätte erinnert in ihrer Machart an die entsprechende in Berlin  (mit den umstrittenen Stelen). Symbolisch liegen Steine in Gebeinfarben um einige verdorrte Bäume herum. Dieser Gedächtnisplatz wird gesäumt von verschiedenen Hallen, in denen die Ausgrabungen der Massengräber nachgestellt sind. Man schaut also von einer Reling hinab auf verschiedene Schichten einer Ausgrabungsstätte mit einer Reihe von freigelegten Knochen, darunter das Skelett eines Dreijährigen mit eingschlagenem Schädel oder das einer Frau mit Machetenverletzungen im Beckenbereich. Die Ausgrabungen fanden erst nach der Mao-Ära statt. In seiner jetzigen, zeitgemäßen Form wurde das Museum 2007 neu eröffnet. In einem Dokumentationszentrum sind die einzelnen Massaker durch Fotos bezeugt. Besonders nachhaltig im Gedächtnis bleibt das Foto eines chinesischen Bauern, dessen abgeschlagener Kopf einem Kontrollpunkt Nachdruck verleihen sollte. Als besonderen Witz haben die Japaner dem Toten noch einen Zigarettenstummel zwischen die Lippen geschoben. 300.000 Chinesen fielen dem grausamen Genozid zum Opfer. Auch John Rabe, der "gute Deutsche von Nanjing", dem im Jahr 2008 ein Film gewidmet war, hat im Dokumentationszentrum an prominenter Stelle seinen festen Platz. Draußen steht ein riesenhaftes Monument mit einer Frau in Weiß, die weiße Tauben fliegen lässt.
Xiao Li verzichtet heute komplett aufs Fotografiern, denn das sei ja hier kein Touristenvergnügen. Stimmt. Ich gebe den Mädels trotzdem noch eine Runde Viennetta-Eis aus, dann geht es wieder nach Hause, wo ich mich immer noch über meine leere Gasflasche ärgere. Erst im Mai gekauft, ist das Ding schon leer. Normalerweise reicht eine Flasche bei mir ein Jahr. Die haben mich verschaukelt!

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Donnerstag, 08. Juli 2010

Michaels Memoiren
Von DM, 23:59

Heute bin ich mal dran mit Einladen: Michael, der gute Engländer von Nanjing (siehe Fotos Jahresrückblick am 15.1.), der ständig zu Partys einlud, als er noch nicht mit seiner dritten Frau vermählt war, trifft sich mit mir in seinem Lieblingsrestaurant Houcaller's nahe der Einkaufsmeile um den Konfuziustempel, wo er Stammkunde ist. Ich war vor etwa zwei Wochen schon mal mit Xiao Li in dem Viertel und habe Houcaller's dabei per Zufall entdeckt. Gestern habe ich das auf einem kurzen Ausflug noch mal verifiziert und heute traue ich mir zu Houcaller's im Alleingang zu finden, wofür ich aber früh aufstehen muss. Michael sitzt schon da, als ich das Restaurant um elf Uhr betrete. Ich sage: "Nachdem ich England im Fußball geschlagen habe, muss ich mal die Zeche zahlen!" Damit lenke ich geschickt von dem Drama gegen Spanien ab, das mich letzte Nacht jede Menge Nerven und Schlaf und uns bekanntlich die WM-Krone gekostet hat.
Also Themawechsel. Michael bringt mich auch rasch auf andere Gedanken. Dass er früher ein stinkreicher Kuchenfabrikant war, der mit exklusiven Fruchtkuchen für British Railways ein Vermögen gemacht hat, in Las Vegas mit Liberace und Sammy Davis Jr. auf Du und Du war und dort auch öfter mal mit den Jungs im Cesar's Palace Party gemacht hat, war mir in der Form bisher jetzt nicht so klar. Auch nicht, dass er seine erste Frau und eine Tochter um ein Haar bei einem dramatischen Autounfall verloren hätte. "There was not a bone left that was not broken!" Und dann der Absturz in den Achtzigern: British Railways hat aus irgendeinem Grunde monatelang Rechnungen nicht bezahlt, das Geschäft lief schlecht. Michael musste Konkurs anmelden. Er und seine Frau hafteten als Privatunternehmer komplett allein für alles und damit war die Party aus und die Immobilien alle weg.
Auch im Moment ist es gerade turbulent in Michaels Leben: Seine zweite Frau, die er erst vor ein paar Jahren hier in Nanjing ehelichte, liebe ihn nach der Scheidung vor einem Jahr immer noch, erklärt Michael, während die dritte, die gerade nach einer depressiven Attacke in Behandlung war, darüber natürlich "not amused" ist.
Einige Tage nach diesem Treffen wird mir Michael eine E-Mail schreiben und berichten, seine dritte Frau sei spurlos verschwunden und ihre Familie leider keine große Hilfe bei der Suche. Da kann man nur sagen: Es lebe das Single-Dasein!

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Samstag, 03. Juli 2010

Ningun perdona para Maradona! oder: WM an der Mauer Teil II
Von DM, 23:59

Nach dem Sprachtraining in meiner Bibliothek, während welchem meine Trainerin Cathy (im Foto ganz links) zunächst das Geschenk von Gedenia bewundert und dann mein typisch deutsches Verhalten rügt ("Drei Punkte muss man doch irgendwo noch auftreiben können!"), mir aber immerhin versichert, dass man als Lehrer in der Volksrepublik China Geschenke unter hundert Mark noch annehmen kann, verschlägt es uns  ins Swede & Kraut. Wir überbrücken damit die Zeit bis zum WM-Viertelfinale. Insgeheim hoffe ich, dass das Spiel auch hier übertragen wird, damit ich es nachher nicht so weit nach Hause habe, aber Fehlanzeige. Dafür begegnen wir Michael und Linda samt Töchterchen "Jenny" (3. von links), einem chinesischen Ehepaar, das sich gerade von deutschen Freunden verabschiedet, die es heimwärts zieht. Michael (nicht der Engländer), den ich von einer Grillparty meines Klassenkameraden Karl kenne, bittet uns prompt, uns dazuzusetzen. Ein Angebot, das man nicht ablehnen kann. Um kurz vor neun machen wir uns dann auf zum Secco.

Diesmal gibt es keine englischen Tröten, dafür einige blau-weiße Fahnen. Aber es hat sich dann für Argentinien bald ausgefahnt. Schwarz-Rot-Gold dominiert ohnehin das Bild hier vor der Großleinwand, denn ein chinesischer Deutschland-Anhänger verteilt Gratis-Fahnen, die auf einen Strohhalm gezogen sind, und Cathy, die jedesmal verzückt aufjuchzt, wenn "ihr Löw" auf der Bildfläche erscheint, hat es sogar fertig gebracht, sich auf dem Damenklo umzuziehen. Sie trägt jetzt ein T-Shirt in Schwarz-Rot-Gold! Ob sie bei einer Pingpong-WM auch Rot mit gelben Sternen trägt, die Frage verkneife ich mir. Eine Magisterstudentin habe ich getroffen, die beim Spiel gegen England nicht da war. Ansonsten ist alles so ähnlich wie am 27. Juni. Glück natürlich auch, dass dieses Viertelfinalspiel gegen Argentinien um 16 Uhr Ortszeit angepfiffen wurde. Das ist dann hier 22 Uhr. Den Heimweg trete ich mit "Lionel" an, einem Bekannten von Cathy, Jane und Lilly, der Deutschland fleißig mit angefeuert hat. Obwohl ich in feuchter Nachthitze zwei Kilometer zu Fuß zurückgelegt und also Zeit gehabt habe mich innerlich zu sammeln, liege ich noch bis drei Uhr nachts wach und habe kein bisschen Mitleid mit Maradona.

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Donnerstag, 01. Juli 2010

Ein schweres Geschenk
Von DM, 23:59

Gedenia, so nennt sich in ihrer E-Mail-Adresse eine Studentin, die gewiss viele Begabungen hat, aber Deutsch gehört mit Sicherheit nicht dazu. Deshalb hat sie mich schon vor ein paar Wochen in der Sprechstunde aufgesucht mit der Bitte, ihr zu "helfen". Heute, da sie zu einer Wiederholungsprüfung in meiner Bibliothek erscheint, ist sie sogar noch deutlicher: "Können Sie meine Prüfung ein bisschen besser machen?" Antwort: "Nein!" Da bin ich ganz deutsch-direkt. Zwei Stunden später gibt sie ab und überreicht mir ein Geschenk, eine schwere Kiste. "Für meine Bemühungen", kommentiert Gedenia etwas verschämt lächelnd die studentische Sonderzuwendung und merkt eher beiläufig an, dass die Prüfung schwer war und ein paar unerwartete Fragen enthielt. Dann geht sie und ich öffne eine rote Sesam-öffne-dich-Schatulle. Du ahnst es nicht: In der roten Stoffkiste befindet sich ein traditionell chinesischer Jade-Stempel mit meinem chinesischen Namen und roter Stempelfarbe, ein sündhaft teures Geschenk, umgerechnet fünfzig bis hundert Mark. Ein schweres Geschenk, denn wenig später muss ich schweren Herzens feststellen, dass Gedenia auch bei bestem Willen (den ich ja immer habe) nur auf 57 Prozent kommt. Durchgefallen. Ich bedanke mich also per E-Mail für das Geschenk und eröffne Gedenia, dass sie die Prüfung noch mal schreiben muss. 

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