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Montag, 28. Juni 2010

Prüfung
Von DM, 23:59

Mit der neuen U-Bahn-Linie bin ich zum Außencampus Xianlin gefahren, um Prüfungen abzunehmen. So konnte ich zwanzig Minuten später aufstehen. In dem heißen Saal surren die Ventilatoren. Ich kann mich auf meinen SPIEGEL-Artikel nur mit Mühe konzentrieren und lege mich in der Mittagspause im Lehrerwartesaal erst mal eine halbe Stunde hin. War doch bisschen wenig Schlaf gestern. Nachmittags bei der mündlichen Prüfung ("Spielen Sie Lessings Ringparabel nach!") geht es dann schon wieder.

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Sonntag, 27. Juni 2010

WM an der Mauer
Von DM, 23:59

Man kann es als einen deutschen Biergarten in China bezeichnen, das kleine Stück Rasen zwischen dem bereits im Eintrag am 9. Juni erwähnten deutschen Bar-Restaurant "Secco" und der Stadtmauer, in deren unmittelbarer Nähe sich die Kneipe befindet. Und genau hier, also zwischen Bar und Mauer, hat die "Secco"-Mannschaft  vor einer Reihe von Tischen und Bänken eine Großleinwand aufgespannt, vor die die Deutschen in der Stadt in Scharen gepilgert sind. Zu diesen Scharen gehören neben meiner fußballbegeisterten Kölner Kollegin vom Goethe-Lehrzentrum auch Cathy und ich. Wir haben uns entschieden, dass wir Hitze und Mücken trotzen und uns die Party gegen England nicht entgehen lassen, obwohl ich zunächst mal gar nicht so sicher bin, dass es eine Party gibt. Später gesellen sich auch noch Cathys Freundinnen Jane und Lilly dazu. (Cathy hat mir erklärt, dass Janes chinesischer Name zu männlich klingt; deswegen reden sie sich jetzt immer alle mit ihren englischen Namen an.) Kurz nach dem Anpfiff erobern englische Fußballfreunde kurzzeitig das Terrain, indem sie mit Tröte und Rotkreuz durch die Reihen der Bänke ziehen. Es hat sich dann aber bald ausgetrötet. Denn bekanntlich fallen die deutschen Tore in diesem Spiel wie reife Pflaumen von den Bäumen. Ein besonders begeisterter Chinese skandiert wie im Rausch: "Fünf zu null, fünf zu null!" Beim Stand von 4:1.
Als wir in klebrigen T-Shirts den Heimweg antreten, können wir es immer noch nicht glauben. An Schlaf ist auch weit nach Mitternacht überhaupt nicht zu denken. Und morgen habe ich zwei Prüfungen!

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Mittwoch, 23. Juni 2010

WM mit Danyu
Von DM, 23:59

Ich hatte es Danyu versprochen: Irgendwann besuche ich sie in ihrem Zwei-Zimmer-Apartment, von dem sie mir schon so viel vorgeschwärmt hat. Mir passt dieser Mittwoch ganz gut. Denn heute spielt Deutschland gegen Ghana – gar nicht so einfach, sich allein bis zum Anpfiff wach zu halten. Danyu war lange nicht hier, in ihrem Künstler-Atelier, denn meistens wohnt sie ja bei ihren Eltern. Ganz schöner Luxus, ein eigenes Apartment, das gar nicht benutzt wird! Aber die Wohnung ist ja auch kurz vor der Auflösung, denn Danyus Vater wird sie nicht weiter bezahlen, wenn seine verwöhnte Tochter in Chicago studiert. Das Studium dort zu finanzieren ist ja auch nicht von Pappe. Danyu zeigt mir Bilder und ein Sammelalbum aus ihrer Jugendzeit, aus der Zeit, als, diese Geschichte wird sie auch nicht müde mir immer wieder aufzutischen, sie ihren ersten Kuss bekam. Sie war 14. Und der Kuss kam von ihrer Lehrerin, die sich in sie verliebt hatte. "She was my fist love! Very pure!" Dann klimpert sie mir was auf ihrem Klavier vor. Aber sie ist offenbar mächtig aus der Übung und gibt das auch unumwunden zu. Außerdem ist sie todmüde. Und Fußball interessiert sie auch gar nicht. Sie geht also ins Bett, als das Spiel anfängt. Das hätte ich auch zu Hause haben können! Immerhin: Deutschland gewinnt 1:0!

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Donnerstag, 10. Juni 2010

Lingva Festivalo Internacia
Von DM, 23:59

Da ich donnerstags in diesem Semester keinen Unterricht habe, lese ich nachmittags, solange die Mücken noch nicht die allgemeine Mobilmachung ausgerufen haben, meist auf einer der Inseln im Xuanwu-See. Kommt ein Mann vorbei, sagt: "Woher kommen Sie?"
"Aus Deutschland!"
"Deutschland. Große Philosophen. Nietzsche. Schopenhauer."
"Ja, ja. Die sind wichtig."
"Der Wille zur Macht."
"Mmh."
Mann geht weiter. Ich atme auf, kann weiterlesen. Mann kommt zurück, sagt: "Hitler!"
"Hitler?"
"Hitler war doch Österreicher, richtig?"
"Ja."
"Wie konnte es sein, dass ein Österreicher Präsident von Deutschland wird?"
Auf die Frage muss man erst mal kommen. Ich muss kurz überlegen, ob ich Präsident korrigiere oder nicht, lasse es aber.
"Österreich und Deutschland waren früher ein Land."
"Oh. Verstehe." Mann geht weiter. Ich lese weiter. Solche Begegnungen sind übrigens keine Seltenheit. Allein in der Gegend herumsitzende Ausländer sind in China so eine Art Talkshow-Gast. Der Typ war nur überdurchschnittlich schräg. Wahrscheinlich Informatiker.

Von Nietzsche und Hitler zum Lingva Festivalo Internacia. So lautet in der Kunstsprache Esperanto der Name einer Veranstaltung, die auf die Initiative eines amerikanischen Professors zurückgeht und in die mich die rührige Studentin Eva reingeschnackt hat. Sie selbst wirkt nämlich an diesem Abend als Referentin mit an der fünftägigen Veranstaltung, in der Sprachen etlicher Regionen der Welt präsentiert werden, und stellt in einem vierzigminütigen Vortrag ihren Heimatdialekt vor. Bei nur fünf Hörern bleibt auch Zeit, mich mit Zwischenfragen pädagogisch geschickt einzubinden. Dann stellt sie mich noch dem Mitinitiator Dennis vor, der sich darüber beklagt, dass die Werbung nicht gut laufe (auch Eva hat ihre Einladungen vor allem in meiner Bibliothek abgelegt und ich durfte mich dann mal um den Rest kümmern). Noch schlimmer ist allerdings, dass diese mehrere Monate zuvor geplante Veranstaltung nun wegen der chinesischen Urlaubsplanung zum Reinfall zu werden droht. Mit Blick auf  das Drachenbootfest am kommenden Mittwoch wurde der Unterricht vom Montag und Dienstag kurzfristig mal eben auf das davor liegende Wochenende vorverlagert, in China übliche Praxis: Urlaub ist Regierungssache. Da bleibt natürlich keine Zeit für das Lingva Festivalo. Auch ich habe keine Zeit mehr. Ich habe mit Prüfungen zu tun. Eva hat mir zwar zu verstehen gegeben, dass sie eigentlich jetzt von mir zum Tee eingeladen werden möchte, aber bekanntlich muss man ja auch mal nein sagen können.

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Mittwoch, 09. Juni 2010

Künstlerische Fantasie
Von DM, 23:59

Eine Reihe von Kulturmittlern trifft sich heute in der Bar "Secco", um sich über verschiedene Möglichkeiten der Vernetzung auszutauschen. Neben Goethe ist auch Evas Flugzeugbekanntschaft, ein ehemaliger Schulleiter, mit dabei, der hier in Nanjing in ertragreicher Pionierarbeit eine private deutsche Schule aufbaut. Ich habe ihn vorher auch schon im GoDi getroffen. Das Gespräch ist leidlich interessant. Etwas hellhöriger werde ich, als Katja mir mal eben ganz nebenbei eröffnet, die Mutter von Yuan Guan, der Papierkünstlerin, die an derselben Uni tätig ist wie Katja, habe sich in einem Gespräch rein privater Natur über meine Heiratsabsichten erkundigt. Ich bin mal wieder völlig gefasst und tue so, als hätte Katja mir gerade von ihren Urlaubsplänen erzählt, will dann aber doch wissen, was ich falsch gemacht habe, um auch nur die Spur eines solchen Gedanken aufkommen zu lassen. Katja kann mich beruhigen: "Gar nichts hast du falsch g'macht. Die Yuan Guan, die ist halt a Künstlerin. Die hat viel Fantasie!" Katja versichert mir, sie habe in meinem Sinne nicht den geringsten Zweifel daran gelassen, dass sie sich überhaupt niemanden vorstellen könne, der noch weniger Heiratspläne habe als ich. Vielen Dank, sage ich.

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Sonntag, 06. Juni 2010

Gesunde Vitamine naschen
Von DM, 23:59


Katja (Foto), die ich heute Abend in einem deutsch-belgischen Restaurant namens Swede & Kraut treffe, ist wieder mal zu gut zu mir. Denn wieder hat sie mir was aus der Heimat mitgebracht (Katja muss als Lektorin der Bosch-Stiftung öfter mal nach Deutschland): Magnesium- und Vitamin-Tabletten sowie Leinsamen für die leidige... wisst schon... Mit dabei an diesem Sonntagabend sind auch Katjas braver Bube Gerald, Erbe einer Apotheke (was die Art der Produkte erklärt), die von mir mitgeschleppte Jiakun alias Cathy und die bereits vom letzten Zusammentreffen mit Katja bekannte Papierschneidekünstlerin Yuan Guan, die wir mal wieder nicht daran hindern können, die Rechnung zu begleichen und die übrigens gerade um ein Visum für eine Ausstellung in Washington ringt, wie sie mir auf dem Nachhauseweg anvertraut.

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