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Die Rückkehrer

Nachdem das Essen im Campus-Restaurant, das ich von meiner Wohnung aus in einer halben Minute erreichen kann, letzte Woche wegen der Verspätung der Reisenden aus Peking bekanntlich ausfallen musste, hole ich das heute nach. Eingeladen habe ich dazu den scheidenden Austauschschriftsteller Kai Weyand und die von mir ein Jahr lang vermissten Studentinnen des Jahrgangs 06, von denen immerhin eine, Xiaochen, jetzt frisch vergeben, auch schon in Großenaspe war (Foto). Was keiner ahnt: Gleich im Nebenraum tafelt, ohne mein Wissen, das Kollegium mit einigen deutschen Gästen. Ich mache gleich klar: "Aber Weyand kommt zu uns!" An der Uni verblieben sind, nach einem Jahr in Deutschland oder anderswo, Lingli alias Biggi, Lijie, Xiaochen, Ruilu, Xuehui, Liu Min sowie (leider abwesend) Siqiao. Da das ja nun alles Mädchen sind, tue ich mich nicht schwer noch einen als Gaststar angekündigten Studenten hinzuzubitten: Benno, meinen Assistenz-Projektmanager. Der kennt Ruilu und Biggi aus Deutschland.
Sie alle lasse ich erzählen von den prägenden Eindrücken nach einem Jahr Deutschland, und was ich bekomme, sind Berichte aus Griechenland, Spanien und Norwegen, wohin es Lijie und Xiaochen ausgerechnet um die Zeit des Osloer Bombenanschlags verschlagen hat, woraufhin Lijie sofort wieder abreisen wollte, was eine immer entspannte Xiaochen gar nicht einzusehen vermochte. In Barcelona wurde Xiaochen Opfer eines Taschendiebes. Die geklaute Tasche tauchte aber wenig später, da nichts von bleibendem Wert drin war, auf nicht mehr ganz zu klärende Weise wieder auf. Viel zu sehen gab es freilich nicht; die Innenstadt war gesperrt. Schließlich berichtet Kai von seinem stärksten Eindruck: dem Besuch des Massaker-Museums.
Zu Besuch bei Kaisers
Student Xu Wen, von mir vor einer Weile mit einem Buch von weltgeschichtlicher Größe ausgestattet, hat mich zu einem kleinen Wandertag eingeladen. Mit von der Partie ist ein Student der Naturwissenschaften. Verblüffenderweise stoßen wir im Ming-Gräber-Park, einem etliche Quadratkilometer großen Areal, das ein Mausoleum für verschiedene Kaiser der Ming-Dynastie (14. bis 17. Jahrhundert) beherbergt, auf lauter Bekannte: Erst kreuzen am Rande des "Heiligen Pfads" mit den zwölf Tierskulpturen (Foto) Spitzenstudent Zhou Rui und die umtriebige Meiling mit ihren deutschen Sprachpartnern unseren Weg.

Danach ertappen wir Changting und Chen Ling (ebenfalls aus dem Abschlussjahrgang) beim Picknick mit zwei Damen aus einer Delegation der Partner-Universität Göttingen: alle zu Besuch bei Kaisers.
Endstation ist der Zixia-Badesee. Ein rarer Anblick: lauter Chinesen, die schwimmen können. Während der kurzen Rast am See werde ich prompt zum Opfer blutgieriger Moskitos, was uns zum raschen Aufbruch nötigt.
Mistverständnisse
Unser aller Pekinger Chef, Herr Hase-B., ist gemeinsam mit einem Referatsleiter des Akademischen Austauschdienstes anlässlich einer Tagung und wichtiger Gespräche mit Uni-Größen in der Stadt. Für den Abend habe ich für die Gäste aus Peking und ein paar deutsche Gastdozenten weisungsgemäß einen Tisch im Uni-Restaurant vor meiner Haustür bestellt und auch noch mal umbestellt, nachdem ich erfahren musste, dass Hase-B. und Co. erst eine Stunde später eintreffen würden als ursprünglich geplant. Denn nach acht Uhr kann man in den Universitätsrestaurants leider keine Feten mehr steigen lassen. Um die Zeit geht da nämlich schon das Licht aus.
Ich bin also mit meiner Reservierung ausgewichen in ein koreanisches Restaurant in Uni-Nähe. Um halb acht tauchen dank meiner exzellenten Wegbeschreibung auch die ersten Gäste auf, aber wo bleibt der hohe Besuch aus der Hauptstadt? Ist da was schief gelaufen? Ein Anruf auf meinem mobilen Hörapparat: "Ja, wir stehen jetzt hier im Eingangsbereich des koreanischen Restaurants. Wo seid ihr?" Der Eingangsbereich unseres Restaurants ist von unserem Platz aus bestens zu überblicken. Herr Hase-B. im falschen Film? In einer Parallelwelt? Was ist passiert? Ich werde meiner Verantwortung als Chef-Koordinator gerecht und betätige mich als Pfadfinder. Wir sind im fünften Stock, aber in den anderen Restaurants stehen keine Langnasen hilflos in der Gegend herum. Ich fahre per Rolltreppe wieder nach unten, blicke auf die Straße: kein Hase-B. weit und breit. Griff zum mobilen Fernsprechapparat: "Seid ihr denn auch wirklich an der U-Bahnstation Zhujianglu ausgestiegen?"
"Nee, äh, wir sind hier in Xinjiekou."
"Von Xinjiekou war ja auch nie die Rede. Ich hatte doch EXTRA geschrieben U-Bahnstation Zhujianglu!" Zitat aus meiner Wegbeschreibung: "Verwendung von Aufgang 4 der U-Bahn-Station Zhujianglu."
"Wir sind aber gar nicht mit der U-Bahn gekommen und der Taxifahrer hat uns hier rausgelassen." Zitat aus meiner Wegbeschreibung: "Tipp: sich auch dann an der Zhujianglu-Station in den Untergrund begeben um EXIT 4 (wichtig!) zu finden, wenn man mit dem Taxi kommt."
Ich suche nach einer Erklärung, die niemanden brüskiert: "Ich fürchte, der Taxifahrer war da keine große Hilfe."
"Und wir sind hier auch im vierten Stock. Und hier gibt es eine Rolltreppe und ein koreanisches Restaurant. Das passte alles genau zu deiner Beschreibung."
Ich sage: "Am besten, ihr fahrt jetzt mit der U-Bahn eine Station zurück, dann seid ihr da."
"Wir nehmen lieber ein Taxi."
"Nehmt ihr also ein Taxi. Vor dem Gebäude an der ZHUJIANG LU steht eine große, gelb-schwarze 'Transformers'-Figur; daneben erwarte ich euch."
Ich harre also ein paar Minuten an der großen, gelb-schwarzen "Transformers"-Figur aus, während sich ein paar Stockwerke über mir alles fragt, in welchem Raum-Zeit-Loch erst die Ehrengäste und dann ich verschwunden sein mögen. Schließlich taucht vor meinen Augen das Taxi mit den beiden Ver(w)irrten auf. "Zum Glück hat das Restaurant etwas länger auf", versuche ich, das Positive zu sehen.
Das Essen ist gut, der Abend verläuft fröhlich, bis mich Hase-B. mit der Auskunft schockt, für die von mir durchzuführende Kinder-Uni müssten ja noch viel mehr wichtige Leute, z.B. der Uni-Präsident und der Generalkonsul aus Schanghai, eingeladen werden, ob ich denn mit denen schon in Kontakt getreten sei. Ich höre von einer solchen Prominentenklausel zum ersten Mal. Kurz darauf stehe ich sogar noch dümmer da, als nämlich Hase-B. mit der bitteren Wahrheit herausrückt, wir müssten doch jetzt mal die Rechnung teilen. Das gab's ja noch nie: Der Chef bittet um ein informelles Besprechungsessen und der Akademische Austauschdienst lädt nicht ein! Ich habe in völlig konträrer Erwartung mein Portmonee einfach in der anderen Hosentasche gelassen, als ich mir die feinere Hose anzog. Zum Glück bekomme ich noch ca. 70.000 Yuan staatlicher Fördergelder für die Kinder-Uni. Da kann Hase-B. mir dann auch gerade noch mal mit 100 Yuan aus der Kreide helfen.
Tweety und der weiße Kaffee
Wang Xige ist wieder da. Unlängst habe ich sie im sin-o-meter als Tweety vorgestellt. Wie immer meldet sie sich am Telefon auf Chinesisch und stellt mich vor fast unmöglich zu lösende Verständnisprobleme. Sie redet was von Kaffee. Benno, der neben mir steht, will was von einer Einladung zum Kaffee verstanden haben. Aber er war zu weit weg vom Telefon. Ich befinde mich gerade mit meinem frisch ernannten "Assistant Project Manager" im Büro der Uni-Druckerei um einen Werbedruckauftrag zu besprechen. Wenig später steht sie in der Tür und drückt mir Tüten mit Instant-Cappuccino in die Hand. Xige versucht mir mitzuteilen, dass sie das im letzten Semester ausgeliehene Buch "Schlaglichter der deutschen Geschichte" nicht mehr auffinden könne. Das müsse sie dann ersetzen, sage ich, aber sie solle man noch mal daheim gründlich suchen. Draußen erkläre ich dann noch in dürren Worten, dass ich Kaffee gar nicht trinke, aber ich verspreche, diesen "weißen Kaffee" wenigstens mal zu probieren und das Pulver dann weiterzuverschenken. (Mein Satz endet bei "mal probieren".)
Am Abend gibt es schon wieder ein feudales Diner. Diesmal hat die Linguistik-Professorin Chang ihre deutsche Kollegin Pittner zum Abschluss einer Vortragsreihe eingeladen. Gekommen sind auch Professor Hong (diesmal im schnieken Anzug) und eine Reihe ehemaliger Professoren des Deutsch-Instituts, alle um die achtzig Jahre alt. Neben mir sitzt die einzige Kollegin dieser Generation. Sie war dereinst die Lehrerin der jetzigen Chefriege und hat die ganze Kulturrevolution miterlebt. Sie drückt mir das Buch "Nachsinnen am Bodensee", eine Sammlung von eigenen Texten, in die Hand, die sie vermeint mir schon bei unserem letzten Zusammentreffen ausgehändigt zu haben, was aber nicht stimmt. Die erste Studentin, die später das Buch in der Bibliothek ausleiht, ist Xige. Der "weiße Kaffee" landet bei Benno, der das Projekt, dieses aus meiner Sicht ungenießbare Zeug zu verwerten, mal schön "managen" kann.
Assistant Project Manager
Im nächsten Monat bin ich so etwas wie der ausführende Produzent einer so genannten "Kinder-Universität". Es handelt sich dabei um eine Marketing-Aktion, bei der potentielle spätere Studenten (die jetzt noch Mittelschüler sind, aber Deutsch an der Schule lernen) für den Studienstandort Deutschland begeistert werden sollen. Zwei Referenten habe ich schon an Land gezogen. 7.000 Teuro soll ich ausgeben. Das wird schwer, denn ich darf leider nichts in schwarze Kassen abzweigen. Da ich ja noch was anderes zu tun habe, als mich um den ganzen Vorbereitungszirkus zu kümmern, habe ich - der Mensch denkt, Gott lenkt - die Stelle eines "Assistant Project Manager" an Benno vergeben, der in Nanjing zur Schule gegangen ist, aber in Schanghai studiert hat, mich regelmäßig in der Bibliothek aufsucht und glücklicherweise für sein Studium in Tübingen ein Praktikum benötigt. Heute kann ich ihm also all die lästigen Aufgaben wie T-Shirts-drucken-Lassen oder Mützen-drucken-Lassen ans Bein binden. Und er freut sich auch noch darüber. Gestern habe ich Benno formell engagiert und einen Vertrag mit Dienstsiegel und allem Schnickschnack ausgestellt, woraufhin Benno nach einigem Drucksen mit der drängenden Frage herausrückte, ob er denn nun bei diesem Projekt auch wirklich an bedeutender Stelle mitwirke. "Auf jeden Fall", versichere ich Benno. Über ihm gebe es nur noch zwei Etagen, mich und Herrn Hase-B. in Peking.
Heute verabreden wir uns an der Haltestelle von Bus Nr. 11 und Benno begleitet mich an seine ehemalige Schule, wo ich mit zwei Deutschlehrerinnen (die ältere unter ihnen ist seine ehemalige Lehrerin) das Unterfangen bespreche, Teilnehmer für die Kinder-Uni rekrutiere und das Projekt noch einmal ausführlich vorstelle. Wir sitzen in einem leeren Klassenraum, aber - pst! - die Klasse nebenan schreibt gerade einen Test.

Lesung im letzten Jahr: Lu Min und Svealena Kutschke
Es sind über dreißig Grad bei ca. 80 Prozent Luftfeuchtigkeit. Eigentlich habe ich wenig Lust, mich nachmittags zur Nanjinger Pädagogischen Hochschule zu begeben, wo eine Lesung mit den chinesischen Autoren Lu Min, Han Dong und Ye Zhaoyan stattfindet sowie mit dem deutschen Gast-Autor Kai Weyand. Meine Chefin, die Leiterin des Instituts für deutsche Philologie, moderiert. Das Oberthema, von meiner Chefin nach der Lektüre eines SZ-Kommentars zum Thema Guttenberg ausgewählt, lautet "Leistung", aber wie immer ist das den Dichtern aufs Auge gedrückt worden und sie lesen Texte, die nur für denjenigen etwas mit dem Thema zu tun haben, der genug Fantasie hat, um selbst Romane zu schreiben. Ich komme viel zu spät, weil ich das Gebäude Sui Yan Shu Fang (Studio für Buchdesign), in dem die Sitze aus zusammengeleimten Pappflächen bestehen, nicht ohne ortskundige Hilfe finden kann. Zum Glück ist neben Lijie, Absolventin unseres Fachbereichs vor einem Jahr, noch Platz. Schließlich fällt aus Zeitgründen auch noch die deutsche Übersetzung aus; zum Glück habe ich den "Spiegel" für solche Fälle immer dabei. Beim anschließenden Essen sitze ich neben Han Dong, der leider arg am Glimmstängel hängt und mir zwischen den Fluppen ein paar Eindrücke aus seinem Stipendiumsaufenthalt in Göttingen schildert. Wie alle Dichter hier gehört er zu den Geförderten des Künstleraustauschprogramms des Goethe-Instituts "Künstler in Residenz" in Partnerschaft mit den Universitäten Nanjing und Göttingen. Ich frage ihn, ob er die mit mir gut bekannte Danyu kenne. Ja, sagt er, was mache die denn eigentlich. Ist in Chicago, sage ich, studiert Theologie, aber sie verkracht sich ständig mit der Uni-Leitung. Auch Lu Min schüttle ich kurz die Hand. Immerhin hat sie mich vor zwei Jahren zum "Pfingstrosen"-Ballett eingeladen. Das verschweige ich Kai natürlich, der Lu Min sehr bemerkenswert findet. Unserer klügsten Studentin Yinyin haben allerdings die männlichen Autoren besser gefallen.
"Ha - ha - ha!"
Nach drei Monaten meldet sich meine Partnerin für deutsch-chinesische Austauschstudien Jiakun (auf dem Foto rechts) per SMS, weil ich lange nichts von mir hören ließ. Sie fragt: "Are you o.k.?" Ich antworte: "I am now in Jiangsu Provincial jail. Beat taxi lady again in court!"

Erklärung: Ich hatte noch einen blöden Witz gut bei ihr, nachdem sie im März nach einem Tennisball, der sie unglücklich traf, gescherzt hatte, ebenfalls per SMS, sie sei jetzt im Krankenhaus. Mein Deutschlehrer Gaipl hätte, betont langsam, gesagt: "Ha - ha - ha!"
Und was sagt Jiakun? Sie schickt zwei Nachrichten innnerhalb von 30 Sekunden. 1. "Ein Scherz!"
2. "Im Ernst?"
Abschied von der Seidenreiher-Insel

Zum Frühstück streike ich mal wieder. Gestern Abend beim großen Abendessen habe ich wie üblich zu arg zugeschlagen. Und die Fußball- und Literaturgespräche mit Kai bis in die tiefe Nacht hinein fordern auch ihren Tribut. Fünf Minuten vor dem Ende der Frühstückszeit tauche ich im Restaurant auf, erkläre den Kollegen, ich hätte bisschen Magendrücken, und schlürfe noch einen süßen Wasserreisbrei in mich hinein.
Im Anschluss folgen eine kleine Wanderung am See entlang und auf eine Aussichtsplattform, bei der die Gefahr der Überanstrengung gleich Null ist. Nur die schwüle Hitze setzt mir zu. Ich suche etwas Spannung. Mein Ausflug auf einen künstlichen Felsen am See wird prompt zum Oh- und Ah-Fotomotiv. Bisschen peinlich. Damit sind die Höhepunkte unseres zweiten Tages auf der Seidenreiher-Insel, die eigentlich ja nur eine Halbinsel ist, auch schon genannt. Vor Einbruch der Dunkelheit sind wir wieder zu Hause.
Die Seidenreiher-Insel
Besuch von der Universität Göttingen: Unsere aus Deutschland zurückgekehrten Studenten des Jahrgangs 06 und die demnächst dorthin reisenden 07-Studentinnen nehmen mit zwei deutschen Dozentinnen teil an einer "Werkstatt" zur Wissenschaftssprache. Ich schau auch mal kurz vorbei. Mittags gehe ich mit Yixuan und Yijie (siehe Eintrag vom 27. Mai: oben links Yijie, unten links neben mir: Yixuan) in Richtung eines nahe gelegenen Restaurants. Yijie biegt rechts ab, Yixuan und ich treffen eine wie immer blendend aufgelegte Yangliu, die die frisch gebackene Jura-Studentin Hao Hui (in Großenaspe bekannt als Inge), ihre Lieblingslehrer Qin Wen (auf dem Foto hinten im blauen Hemd) und Didus, ihren Freund und eine Freundin zum Essen eingeladen hat. Auf der Arbeit, irgendein Verwaltungsding, schiebt sie eine ruhige Kugel, weiß sie zu berichten. Yixuan muss sich vorzeitig verabschieden, denn die Werkstatt geht weiter. Zum Abschied gibt es die auch schon in Großenaspe berüchtigten Pemmikan-Platten (getrocknetes Rindfleisch), jetzt auch in Bonbon-Form im Angebot. Da kann man wirklich nicht widerstehen!

Gegen halb vier finde auch ich mich wieder im Gebäude der Wissenschafts-Werkstatt ein. Im Anschluss beginnt von hier aus nämlich der große deutsch-chinesische Lehrer-Ausflug auf die Bailudao- oder Seidenreiher-Halbinsel, ca. 80 km von Nanjing entfernt. Die Deutsch-Lehrer der Uni und ihre deutschen Gäste (zweimal Göttingen, einmal Freiburg) steigen in einen gut klimatisierten Charter-Bus. Die Studenten (zu Besuch sind Wang Dan und Minmin, die ihre Freundinnen Yijie und Yinyin besuchen) winken brav. Die Reise beginnt.
Am Zielort staunen Schriftsteller Kai Weyand und ich, die gemeinsam einen Luxus-Bungalow für Parteikader und neureiche Chinesen beziehen, nicht schlecht über den Komfort in der malerisch gelegenen Ferien-Anlage. Natürlich überlasse ich dem aus dem fernen Freiburg angereisten Gast den Schlafraum mit integriertem Bad und Seeblick. Wir bilanzieren: Hier könnte man das auch länger aushalten als ein Wochenende.
Die "heißen Quellen", die wir nach Einbruch der Dunkelheit ansteuern und bei deren erster Erwähnung ich isländische Geysire und pulsierende schweflige Ausstöße mit Dunst- und Nebelgewaber vor Augen hatte, erweisen sich als Wiederholung des Ausflugs mit Feiqian und ihrem Papa im Vorjahr (siehe sin-o-meter-Eintrag vom 24. Februar 2010). Auch diesmal amüsieren wir uns in einer Warmduscher-Badeanstalt mit Knabberfischen (oder auch ohne) in mineralogisch wertvollen Planschbecken, die in räumlich getrennten Plansch-Pavillons liegen, zwischen denen man sich, mit weißen Handtüchern behängt, unter freiem Himmel hin- und herbewegt. Neu für mich ist das "Tote Meer", wo das spaßige Im-Wasser-Treiben ohne Schwimmbewegungen jedoch jäh endet, sobald man einmal Wasser ins Auge bekommt. Nachdem die Jungs mich mit ins türkische Dampfbad geschleppt haben, das ihnen aber nicht heiß genug ist, sodass sie prompt in der Sauna landen, streike ich. In der Hitze halte ich nur fünf Minuten durch. Ich gehe lieber noch mal ins Jasminbad. Nach dem Heraussteigen gleite ich leider (wie nach der Ankunft schon einmal die Kollegin Prof. Chang) auf den feuchten Stufen aus und kann mich beim Sturz auf den Boden gerade noch mit dem linken Arm abfangen. Sonst wäre die Schulter womöglich schon wieder hi' gewesen. Nix passiert, sage ich dem erschrockenen Bademeister und begebe mich auf den Schreck noch mal zu den Putzerfischen, die ich nun ganz für mich allein habe. Schließlich gibt es eine Lautsprecher-Durchsage, die die (männlichen) Nanda-Lehrer zum Auftauchen auffordert. Die Professorinnen sind schon länger durch mit dem Programm. Ich erscheine mit zehminütiger Verspätung im Dusch- und Umzugsbereich des Thermalbads.
Originellerweise ist Kai Anhänger des SC Freiburg, der heute eine 7:0-Schlappe gegen einen wieder in Normalform spielenden FC B einstecken muss. Leider wird das Spiel nicht von CCTV-5 übertragen und wir ahnen nichts von dem spektakulären Ausgang der Partie. Für ihn zweifellos besser so.
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