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Sonntag, 05. Juli 2009

Reise in den Regen IV: Xinjie
Von DM, 23:59


Im strömenden Regen geht es morgens um sieben zum Busbahnhof von Gejiu. Über die Hauptstadt des Verwaltungsbezirks Yuanyang Nansha geht es hoch hinauf nach Xinjie. Im Bus bin ich nicht der einzige Ausländer. Vorne sitzt ein Pärchen, das ich nicht so recht zuordnen kann. Rumänien?
Der erste Streckenabschnitt folgt einem wegen des vielen Regens tosenden Flusslauf, der wie ein gefräßiges braunes Monster aus den Bergen hinabgestürzt kommt und beim Blick aus dem Heckfenster wirkt, als würde er uns verfolgen, um uns zu verschlingen. Dann überqueren wir das braune Monster mittels einer Brücke und lassen es hinter uns.
Die Ankunft in Xinjie erfolgt gegen halb elf. Die Stadt ertrinkt in Regen und ist total von Wolken eingehüllt. Ich wandere mit Gepäck drauflos. Überall gibt es kleine Hotels. Aber wo steige ich ab? Ich brauche einige Zeit zum Überlegen. Ich  müsste schon heute Abend wieder abreisen, wenn ich noch den legendären Steinwald bei Kunming besichtigen möchte, an dem ich gestern auf dem Weg nach Gejiu vorbeikam. Der freundliche Herr Chen Xiaoshong und sein sehr günstiges Gasthaus (30 statt 35 Yuan für ein Einzelzimmer) bekommen schließlich den Zuschlag und ich streiche den Steinwald. Herr Chen ist sehr hilfsbereit und breitet vor mir die Touristen-Landkarte der Gegend aus, die wohl mal ein französischer Tourist angefertigt hat und die jetzt als Fotokopie überall im Umlauf ist. Aber die vielen Höhepunkte kann ich wegen Zeitknappheit gar nicht wahrnehmen.
Mein Zimmer liegt im Obergeschoss, hat eine eigene Terrasse mit Blick auf: Wolkenschwaden. Ein deutsches Buch von Andreas Altmann über Vietnam und Kambodscha, erschienen im Fredekring-Verlag, liegt aufgeschlagen auf der Galerie. Nachmittags gönne ich mir eine Nudelsuppe auf dem Marktplatz. Ich sitze mit Blick auf die von Fußgängern bevölkerte Straße unter Plane neben ein paar Einheimischen in der typischen Hani-Kleidung. Eine ältere Frau trägt eine Art grünen Turban und die Jacke verzieren gemusterte bunte Linien. Es regnet Bindfäden. Erste Anzeichen einer Erkältung machen sich bemerkbar, weil ich gestern auf der Wanderung durchnässt wurde. Oder tropft die Nase nur wegen der scharfen Suppe?
Auf einem großen Platz oberhalb der Marktstraßen stehen Dutzende von roten Touri-Taxis. Ich löse ein großes Palaver mit Taxifahrern aus, weil ich nicht schon wieder abgezockt werden will. 100 bis 120 Yuan für einen  Privatausflug erscheinen mir indiskutabel. Ein junges Mädchen aus einem Bus, der nicht an mein Ziel fährt, hat mich hergelotst und hilft mir beim Verhandeln. Schließlich gewinnt eine Frau am Steuer den Poker. In ihrem Privattaxi fahre ich für 20 Yuan zu dem berühmten, 18 km entfernten Reisterrassen-Aussichtspunkt Tigermaul, und zwar in Gesellschaft von zwei jungen Damen: Vorn auf dem Beifahrersitz sitzt "Lucy", neben mir ein junge Dame, die wegen ihrer modischen Kurzhaarfrisur aussieht wie ein Frisör-Lehrling; beide aus Kunming, beide kommen zurück aufs Land zu den Eltern (Urlaub, Arbeitslosigkeit).
Abermals Palaver gibt es dann am Eingang zu besagtem Tigermaul ("Laohuozui"): Reisterrassen als religiöses Erlebnis: Man weiß, sie sind da, aber nie zu sehen. Ich soll trotzdem Eintritt zahlen: 30 Yuan für 200 Meter Reisterrassen-Gucken, auch bei freier Sicht gilt da: Die spinnen die Chinesen! Das drücke ich gegenüber dem Kassen-Trio, das den Eingang zu dem Wanderweg überwacht, zwei jungen Frauen, einem Mann, natürlich höflicher aus. Da die Wolken trotz der Beteuerungen des Trios wenig weichen, mache ich mich zu Fuß auf den Rückweg: bergauf immer der Straße nach. 2 km sind es bis nach Amengkong und auf dem Weg zu der kleinen Siedlung bekomme ich immerhin einen Ausschnitt der legendären Terrassen geboten. Ein Loch in den Wolken, die über das Tal segeln, macht's möglich. Auch schön. Dann, es muss zwischen fünf und sechs Uhr sein, setzt plötzlich starker Regen ein und ich merke, dass meine Jacke nicht wirklich als Regenjacke taugt. Bei Amenkong habe ich Glück, dass ein Privatwagen mich aus Mitleid mitnimmt. Ich friere hinten im Wagen und die Fahrt kommt mir erstaunlich lang vor. Am Ende muss ich nichts bezahlen und werde im strömenden Regen in Hotelnähe herausgelassen. Ich habe rasende Kopfschmerzen und fühle mich irgendwie krank. Ich hole mir Paracetamol aus der Apotheke neben meinem Hotel und schaue, nachdem ich mich unten im Supermarkt noch rasch mit einem Sortiment von Essbarem ausgestattet habe, im Fernsehen "Charlie & die Schokoladenfabrik" auf Chinesisch. Danach wälze ich mich durch eine fiebrige Nacht und schwitze wie ein Schwein am Spieß.

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Samstag, 04. Juli 2009

Reise in den Regen III: Gipfelsturm in Gejiu
Von DM, 23:59

Kühl und regnerisch ist es in Gejiu, als ich am frühen Morgen ankomme. Ich mache mich frisch, ziehe mich um und erkunde die morgendliche Stadt. Die ist gar nicht so hässlich. Erst sitze ich im Park eines Industriemuseums, wo die Chinesen mal wieder zig zwitschernde Vögel in die Bäume gehängt haben, mitsamt ihren Käfigen, versteht sich. Möchte wirklich mal wissen, was sie sich davon versprechen. Soll man die Piepmätze kaufen? Jedenfalls fühlt man sich wie im  Dschungel wegen der Geräuschkulisse.
Gejiu liegt in einem Talkessel und wird der Länge nach durchzogen von einem kleinen Binnensee, vermutlich künstlich angelegt, ähnlich der Außenalster in Hamburg. Die Stadt wächst. Am Rand wird, wie überall in der Volksrepublik, gebaut. Auf dem Hang oberhalb der Stadt thront eine Pagode. Sie spornt mich an zu einem Gipfelsturm: Ich lasse ein Wohngebiet hinter mir und erklimme den Hang. Ein kleiner Trampelpfad führt durch den regenfeuchten Wald. Der wird steiler, nasser und glitschiger, je höher ich komme. Ich muss mich an Zweigen hochziehen, um nicht den Halt zu verlieren. Unter mir gähnt die Tiefe, aber keine Angst: Von der trennt mich noch jede Menge dorniges und nassses Buschwerk. Na, nicht zu viel drüber nachdenken. Nass bis auf die Haut, mehrfach auf dem rutschigen Boden ausgeglitten, sehe ich aus wie Sau, als ich mich dem vorläufigen Ziel nähere. Ein Bauer, der irgendwas ins Tal schleppt, weist mir an einer Weggabelung die Richtung. Wahrscheinlich aber hat er meine Aussprache gar nicht verstanden. Alles erinnert stark an meine Wanderung in den Reisterrassen von Longsheng anno 2004. Damals bremste mich auch der Regen aus. Oben auf der Anhöhe erwarten mich ein kleiner Weiler, kläffende Köter, eine modrige Terrasse mit Aussicht auf Gejiu, eine Art Transformatorenhaus und eine Asphaltstraße. Ein Moped-Pärchen bietet mir sogar eine Fahrt ins Tal an. Ich lehne ab. Gut, ich hätte es leichter haben können, aber ist das meine Art?
Ich eile weiter zum höchsten erreichbaren Gipfel. Oberhalb der Siedlung gibt es nur noch wenige Bäume, dafür steil abfallende Weideflächen und immer wieder vorbeiwabernde Wolken, die mir die Sicht nehmen. Auch der glitschige Lehmboden bleibt mir erhalten. Vom höchsten Punkt aus blicke ich nach ein paar Minuten in eine dichte Nebelwand. Dann der Abstieg. Inzwischen ist es schon zwei Uhr nachmittags. Ich folge der asphaltierten Straße und stelle fest: Die Pagode ist eine Baustelle; nebenan ist ein Tempel-Neubau fast fertig. Ich finde es überraschend, dass das kommunistische China eine religiöse Weihestätte neu errichten lässt. Der Tourismus als Geldquelle macht's möglich. Neben der Tempelanlage ist ein großer Platz,  von dessen Rand man auf die dunstige Stadt blicken kann und auf dem gekocht wird. Ich lasse mich überreden Platz zu nehmen unter einem Schirm (es tröpfelt immer wieder leicht) und bestelle eine kräftige und vor allem triefnasenfördernde Nudelsuppe. Neidisch lungern Hunde neben den Bänken und hoffen auf ihren Anteil. Die hilfsbereite Köchin weist mir dann auch noch den vernünftigen Weg nach unten: Es gibt Stufen, ca. 2000 an der Zahl.
Gejiu liegt auf ca. 1800 Metern und ich war eben noch 2000 Treppenstufen höher. Die Suppe und die 2000 Stufen haben meine Verdauung mächtig angekurbelt. Unten am Eingang zu diesem treppenreichen Naturwanderweg habe ich fast einen Krampf im Magen. Das WC am See kommt keine Sekunde zu früh! Donnerwetter! Am Bahnhof erfahre ich, dass der Bus nach Xinjie schon weg ist. Dabei habe ich mich extra beeilt. Die Schalterdame hatte mir am Morgen eine Stunde später als Abfahrtszeit genannt. Mit dem Bus fahre ich zurück Richtung Stadtmitte, irre planlos im Regen herum und finde schließlich im Nr. 10-Guest-Hotel für 100 Yuan eine Bleibe, deren Komfort deutlich über meinem Schnitt liegt. Abends suche ich mir  noch einen Salon, in dem ich mir einen neuen Haarschnitt verpassen lassen kann. Für 10 Yuan waschen sie mir die Haare gleich zweimal, vorher und nachher. Natürlich habe ich, als ich gegen 21 Uhr mit neuer Frisur aus dem Salon trete, keine Ahnung mehr, wo ich bin. Da Gott gnädig ist, finde ich schließlich aber doch noch zurück ins Gasthaus Nr. 10, wo immerhin ein echtes Bett auf mich wartet.

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Freitag, 03. Juli 2009

Reise in den Regen II: Ankunft Kunming
Von DM, 23:59

Endlich in Kunming. Das Zugleben ist doch irgendwie beschränkt. Nur meiner Patellasehne hat die Ruhekur gefallen. Dafür hat sie jetzt einiges vor sich. Ich habe nämlich beschlossen, dass ich gleich weiterreise, und mir am Busbahnhof flugs die nächste Fahrkarte noch weiter in den Süden, nach Gejiu, gekauft. Wegen der Berge dauert die aber auch schon wieder die ganze Nacht! Und im Schlafbus, Abfahrt 21.35 Uhr, werde ich kein Auge zumachen, ich war in so einer Kiste schon mal von Guilin nach Shenzhen unterwegs. Doch die Zeit ist knapp. David, Englisch-Lehrer und im Nebenberuf Reiseführer, spricht mich an der Hauptstraße am Bahnhof an. Ich frage nach dem Weg zum Dianchi, dem großen See im Süden von Kunming. Doch statt den anzusteuern, entscheide ich mich lieber für eine Runde Sattessen bei KFC. Dann geht es weiter nach Gejiu, die dritte Nacht auf Rädern. Während einer Pause in der Nacht ist das nächste Klo das einer Augenklinik. Immer dem Licht nach!

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Donnerstag, 02. Juli 2009

Reise in den Regen I: 2 + 3 + 2 = 7
Von DM, 23:59

Im Schlafwagen bin ich diesmal von einem Kindergarten umgeben. Ein Gör schaukelt an meinem Bett und als er es auch noch okkupiert, ist es mit meiner Kinderfreundlichkeit vorbei. Das sei ja schließlich nicht sein Bett, zische ich. Seine Mutter fragt ihn dann, ob er verstanden hat, was ich sagen wollte. Auch sonst finden die Kinder mich mal wieder hochgradig interessant. Als endlich alle schlafen und ich am Ende des Ganges, wo noch Licht ist "Ende einer Dienstfahrt" lese, bittet mich ein Schaffner, ob ich als Übersetzer für zwei Gruppen von Rucksacktouristen einspringen könne, die kein Chinesisch sprechen. Hat sich aber schnell rumgesprochen, dass ich des Chinesischen mächtig bin. Es stellt sich heraus: Die Jungs und Mädels aus England und Spanien, die nachts irgendwo zugestiegen sind, wollen ihre Sitzplatzkarte gegen Aufpreis in eine Schlafwagenkarte eintauschen. Sie wollen übrigens nach Guilin, Ankunft in 18 Stunden. Da werde ich hellhörig: Guilin? 18 Stunden? Das liegt ziemlich weit entfernt von Kunming, dem Ziel meiner Reise. Am Nachmittag des heutigen 2. Juli, ich bin schon 26 Stunden unterwegs und denke, in zwei, drei Stunden, bin ich in Kunming, eröffnet mir dann eine Schaffnerin, ja morgen um diese Zeit sind es noch ein, zwei Stunden bis zur Endstation. Das trifft mich hart, denn so bleiben mir, da die Rückfahrt voraussichtlich genauso lange dauert, exakt drei Tage zum Reisen in Yunnan, da 2 + 3 + 2 = 7!

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Dienstag, 30. Juni 2009

Die Not mit den Noten
Von DM, 23:59

Ein Mann kommt fünf Minuten zu spät zum Bahnhof, der Zug ist weg. Reaktion: Er stellt seine Uhr fünf Minuten zurück. Jetzt kann er ja wohl den Zug bekommen, oder? Das ist meine Meinung zum Thema Noten. Ich bin die Uhr, die Leistung der Studenten die Uhrzeit, der Zug die Wirklichkeit und das Zurückdrehen die Lüge, die gar nichts bringt. Aber ich habe es ja kommen sehen, dass das wieder Stress gibt mit meinen Noten. Die armen Studenten, die kriegen ja einen Schock, wenn sie nur 88 Prozent statt 92 bekommen, wird mir deutlich gemacht. Kurzum, ich muss doch tatsächlich auf Befehl von oben meine Noten ändern. Dabei geben meine geschätzten Kolleginnen und Kollegen unumwunden zu, dass die Notenvergabe allgemein in China keine Angelegenheit der Wahrheit und nichts als der Wahrheit ist. Es ist wie mit Dumping-Preisen, die den Markt verderben. Man sagt mir also: "Die Studenten haben bei der Arbeitssuche keine Chance zu erklären, warum sie im Verhältnis zu anderen Studenten so schlechte Noten haben. Denn bei der Bewerbung schaut man sich eben nur die Noten an." Es bleibe kein Raum für Erklärungen wie: "Wir hatten aber einen Deutschen als Lehrer, der benotet wie eine Schweizer Uhr."
Durch eine stärkere Gewichtung der Abschlussprüfung und fünf geschenkte Punkte für die Teilnehmer des Lektürekurses (den ich zur Einführung in den Journalismus aufgemöbelt habe) gelangen schließlich sogar meine Noten noch in den Toleranzbereich. Doch die Arithmetik macht's möglich: Jetzt haben wir zwei Durchgefallene (mit schlechten Prüfungen) mehr. Einen können wir aber noch retten, indem wir die bessere seiner zwei Prüfungen mit 60 statt 50 Prozent werten. Noch Fragen?

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Sonntag, 28. Juni 2009

Die Braut kam per Motorrad
Von DM, 23:59

Ich stehe vor einem ziemlich unbelebten Platz namens Malu ("Pferdestraße") in einem Schanghaier Randbezirk und soll angeblich gleich abgeholt werden. Das wirft die bekannten drei Fragen auf: Was soll ich hier? Wie bin ich hier hergekommen? Und wie komme ich hier wieder weg?
1. Was mache ich hier? Alles begann am Freitag Abend, als mich am Ende des Prüfungsstresses Hongzhen, Ex-YUST-Studentin, anruft und über die Hochzeit von Li Jun, ihrer Ex-Kommilitonin, in Kenntnis setzt. Am Wochenende gebe es eine Feier, ob ich nicht kommen wolle. Ich sage, dass ich das nicht schaffen kann. Am Abend lese ich aber E-Mails von Hongzhen und der Braut, die ich wegen der vielen Arbeit mit dem Eintragen der Semesternoten früher nicht gelesen habe. Später ruft Li Jun auch noch mal an und ich fahre also doch am Sonntag nach Schanghai!
2. Wie bin ich hier hergekommen? Morgens weiß ich noch nicht mal, wo die Festlichkeit stattfindet. Ich kann weder Hongzhen noch Li Jun erreichen, schon gar nicht mit dem eigenen Telefon, das mal wieder abgeschaltet wurde, weil ich die Rechnung, die ich nie bekomme, auch nie bezahle. Ich rufe um acht auf dem Weg zum Bahnhof von einem Kiosk aus Hongzhen an, aber die schläft wohl noch. Vorher einmal falsch verbunden, weil die kluge Tante neben mir unbedingt für mich wählen musste, vielen Dank! Ich muss mich beeilen. Mein Zug fährt um halb zehn.
Halb zwölf bin ich am Bahnhof von Schanghai. Das große Schlemmen soll um zwölf Uhr stattfinden, aber der Ort ist ca. eine Stunde entfernt, hat Li Jun am Freitag erzählt. Ich kann mich diesmal nicht an die eherne Didus-Regel halten und muss ein Taxi nehmen. Natürlich erwische ich einen Schlawiner, ein ziegenbärtiges Schlitzohr, das sehe ich sofort. Der schaltet kein Taxometer ein, da kann ich lange reden! 180 Yuan. Das bedeutet: Eigentlich kostet das Taxi die Hälfte. Aber ehe ich zäh verhandeln kann, ist es mir lieber, der gute Junge ruft mit seinem Mobiltelefon mal bei Hongzhen oder Li Jun an und die sagen ihm, wohin er fahren soll. Das klappt tatsächlich und ich zahle 150 Yuan. Dafür düst er über die Autobahn und ist immerhin um Viertel nach zwölf schon da, wo ich jetzt stehe wie bestellt und nicht abgeholt. Der Ziegenbart telefoniert auch nicht noch mal, als ich ihn bitte. Er sagt, die kämen gleich und holten mich genau hier ab. Und da stehe ich also nun und wir sind bei Frage drei:
3. Wie komme ich hier wieder weg? Es ist zwanzig nach zwölf, da kommen sie auch schon um die Ecke geschossen: zwei Krafträder! Und das Mädchen im fleischfarbenen Kleid, das auf dem ersten hinten drauf sitzt, das erkenne ich trotz der merkwürdig ondulierten Frisur sofort: Li Jun, Ex-Studentin, heute Braut. Ich klettere auf dasjenige der beiden Gefährte, das noch keinen Mitfahrer hat und wir pesen in Richtung des Restaurants, wo auf zwei Etagen in verschiedenen Räumen Köstlichkeiten serviert werden. Ich werde in den Raum mit ehemaligen YUST-Studenten gelotst. Vorher muss ich mich aber im WC umziehen und tausche das blaue Unterhemd gegen ein blaues Oberhemd, das zu so einer Festlichkeit doch etwas passender erscheint. Dann setze ich mich auf den mir zugewiesenen Platz und erkenne die schöne Yinji aus „meinem“ Jahrgang 03 sowie zwei Studentinnen des Jahrgangs 04 wieder, aber ich erkenne nicht wieder: Guangyong, den Studenten des Jahrgangs 02, der jetzt in einer Schanghaier Firma arbeitet, gar nicht weit vom Ort der Festlichkeit. Ja, warum habe ich den denn nicht erkannt? Weil er der doppelte Umfang dessen ist, der er war, als ich ihn das letzte Mal sah! Ich sage: „Sie sind jetzt sehr kräftig!“ und kräftige mich selbst erst mal mit ein paar, naja, eher einer Menge der Köstlichkeiten vor mir auf dem Tisch. Später muss ich mit Fenghua, Shenling und Hongzhen einen Saft heben und als Krönung bringen wir den Choral „Du stehst zu unserer Freundschaft“ dar, mit dem die Braut gewissermaßen an der YUST einst ihren musikalischen Durchbruch hatte.
Etwas nach drei ist die Party dann vorbei. Der Bräutigam ist schon reichlich angeschäkert, als draußen auf dem Parkplatz der Brautstrauß fliegt und die Fänger noch für Fotos posieren. In der Ausklangzone spreche ich zur Braut noch ein paar mahnende Abschiedsworte über die Dinge, die die Welt zusammenhalten, dann geleitet sie uns noch schnell zum Bus, wo Hongzhen sich nicht verkneifen kann auf die Schwangerschaft hinzuweisen, auf die das junge Paar verblüffenderweise gar nicht mehr warten muss. Ich verstehe die Anspielung natürlich nicht, obwohl ich sie mit allgemeinen Äußerungen zum Thema Generationswandel selbst heraufbeschworen habe. Mit dem Bus geht es zurück in die Innenstadt (eine Stunde). An der U-Bahn verabschiede ich mich von den Yinji, Fenghua, Shenling und Hongzhen sowie einer weiteren Ex-Studentin.
Bereits vorher war mir klar, dass ich am Bahnhof noch eine ATM-Geldausspuckmaschine würde finden müssen, weil ich all mein Geld mittags für das Taxi ausgegeben habe und ja auch noch ein Geldumschlag für die Braut fällig war. Ich suche am Bahnhof so lange nach der richtigen ATM-Maschine, dass es dunkel wird. Auf dem Weg zum Erwerb der Rückfahrkarte sprechen mich zwei Schwarzmarktgauner an: Hier Fahrkarte nach Nanjing für 120 Yuan. Ich sage: zu teuer! Da geht er auf hundert, vermeine ich zu hören, und lobt mich als zähen Verhandler. Plötzlich Tumult. Ein Rennen und Fliehen setzt ein: Polizei macht den Schwarzmarkt unsicher. Die Fahrkarte habe ich in der Hand, mein Geld habe ich auch noch. Da kommen diffizile Fragen aus den heiligen Domänen von Jurisdiktion und Moral auf: Ist man Schwarzhändlern gegenüber eigentlich zu Solidarität und Redlichkeit verpflichtet? Ich wollte ja auch gar nichts von denen. Die wollten was von mir. Ich hätte mich einfach absetzen sollen. Aber ihr kennt mich: Ich renne den Lotterbuben sogar noch hinterher, mit den hundert Yuan in der Hand. Aber nun sind es auf einmal 110. Argwöhnische Blicke nach der Polizei. Nein, er will meine hundert Yuan nicht. Ich bin zu stur, 110 zu bezahlen. (Der wahre Preis der Fahrkarte ist 93 Yuan.) Er nimmt mir die Karte wieder weg. Ich gehe und kaufe eine reguläre, aber für den letzten Schnellzug gibt es natürlich keine Karten mehr. Das hätte ich mir bei dem Gefeilsche eben ja denken können. Der Ehrliche ist immer der Dumme! Der Bummelzug fährt eine Stunde später, zehn vor neun, ab. Und ich werde mich noch ärgern. Denn der Bummelzug hält sich aus ungeklärter Ursache eine Stunde in einem Vorort von Schanghai auf, ist nicht gut klimatisiert und die gedrungene ältere Chinesin in den kolossalen schwarzen Kniestrümpfen, die sich mir gegenüber auf dem Doppelsitz hingehauen hat, weiß längst, was mir erst dämmert: Das wird eine lange Nacht. Immerhin: Bus Nr. 1 fährt sogar noch nachts um zwei. Als ich einsteigen will, klopfe ich den Fahrer aus seinem 5-Minuten-Schlaf. Gegen halb drei bin ich zu Hause. Hochzeit als Tour de Force!

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Dienstag, 23. Juni 2009

Hohe Literatur und Seifenoper
Von DM, 23:59

Brav haben die meisten Studenten des zweiten Jahrs sich auf die mündlichen Einzelprüfungen vorbereitet, in denen ich sämtliche Texte des abgeschlossenen Lehrbuches abfrage. Jetzt kommt nur noch die Prüfung für Magisterstudenten am Donnerstag und die Urlaubszeit steht vor der Tür!
Danyu, die rührige Schriftstellerin, die mich regelmäßig mit immens eloquenten E-Mails versorgt, hat für den Abend vorgeschlagen, sich von mir in ein sündhaft teures Teehaus am Xuanwu-See einladen zu lassen. Angeblich hätte ich ihr so was mal versprochen. Aber erst mal kommt sie eine halbe Stunde zu spät; ich war inzwischen schon wieder weg und es ist reines Glück, dass ich auf Verdacht eine halbe Stunde später, um 18 Uhr, noch mal am Treffpunkt Bibliothek vorbeikomme, nachdem ich zwischendurch Studenten getroffen habe. Ich verschweige diese Umstände; sie ist schon verstört genug. Wir gehen in den Vortrag  eines Skandinavistik-Professors aus Berkeley, der als Gastreferent über Architektur als Motiv in der skandinavischen Literatur spricht und anhand von Ibsens „Nora – Ein Puppenheim“ und „Die Stützen der Gesellschaft“, Selma Lagerlöf, August Strindberg sowie dem dänischen Autor Hermann Bang zeigt, wie das Motiv von Abbruch und Aufbau von Häusern oder andere Formen von Haus-Metaphern die sich verändernden sozialen und psychischen Realitäten zum Ausgang des 19. Jahrhunderts spiegeln. Danyu hat kaum etwas verstanden, obwohl der Vortrag ihre Idee war. Ich wusste davon gar nichts.
Also ab ins Teehaus. Alles ist hier ganz traditionell, nur die Preise vermutlich nicht: 80 Yuan für ein paar Schlucke Tee aus einer Mini-Tasse! Immerhin: Das Milchspeiseeis vorher ging auf Danyus Rechnung. Nein, Danyu muss keine Operation fürchten. Die Geschichte ist schon wieder Schnee von gestern, interessiert sie nicht mehr. Sie will jetzt bald einen Roman über ihre Amerika-Erfahrungen schreiben. Darin kann sie dann auch gleich die Geschichte mit ihrem „boy-friend“ abarbeiten, den sie natürlich verlassen wird. Sie weiß es nur noch nicht. Aber sie redet nur noch von ihrer ominösen Internet-Bekanntschaft, die sich nach langer Zeit wieder gemeldet hat. Ich sage: Der hat zwei Kinder und lebt von deren Mutter getrennt; so richtig christlich hört sich das für mich nicht an. Aber er sei ihr Seelenverwandter, das spüre sie. Deswegen bereue ich auch die 80 Yuan nicht. Danyus Leben ist die pure Seifenoper und ich bin darin zum Glück nur Statist. Gegen Mitternacht flanieren wir den See entlang und ich setze sie schließlich ins nächste Taxi. Da ist sie ganz konsterniert, dass ich nicht mit einsteige. „Ich muss doch in eine ganz andere Richtung“, sage ich, was habe sie denn gedacht? Sie kommt mir vor wie ein kleines Kind, das nicht gern allein sein mag und sich im Dunkeln schnell verläuft.

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Samstag, 20. Juni 2009

Trabbi-Witz
Von DM, 23:59

Cathy wird heute im Park während der Sprach-Etüde total von Mücken zerstochen. Ich habe Autan aufgetragen. Das treibt alle Angriffe zu ihr. Die Gewitterluft macht die Mücken aggressiv. Am Ende ziehen wir mit einem Umweg über einen Uhrmacher und einen Eisladen weiter zu Hillsons Englisch-Party, obwohl Cathy nicht müde wird zu betonen, dass Hillson alle Mädchen in die Flucht treibe, weil er nicht gut in Konversation sei. Dafür kommen wir dann ja endlich und reißen Hillson gemeinsam mit vier weiteren Gästen aus der Lethargie. (Hillson liegt ausgestreckt auf dem Sofa des Blue-Gulf-Restaurants, als wir eintreffen.) Das Thema ist heute: mein Lieblings-Film-Dialog. Hillson liest aus „Forrest Gump“ vor. Ich kann mein Zitat aus „Zwei glorreiche Halunken“ („Du digge Sau, wenn man dich abknallt, gibt's 'n Fettfleck und 's macht nicht mal viel Krach!“) leider nur auf Deutsch rezitieren, was die Wirkung natürlich mindert.
Der Weg zum Uhrmacher hat übrigens eine Vorgeschichte: Ich musste meine Uhr letzte Woche reparieren lassen: neue Batterie, neues Rädchen. Aber zwei Tage nach der Reparatur war sie schon wieder kaputt. Ich also wieder hin. Ein Teil wird ausgetauscht für noch mal 50 Yuan. Insgesamt 80 Yuan. Cathy beschwert sich: Das sei ja viel zu teuer, und fängt einen Streit mit dem Uhrmacher an, dem ich nicht folgen kann. Mir fällt dafür der Witz vom voll getankten Trabbi ein, der seinen Wert verdoppelt. Für die Reparaturkosten hätte ich mir vier neue Uhren kaufen können. Aber ich brauche eben meine Datumsanzeige. Und ist nicht so eine Armbanduhr letztlich fast so etwas wie ein treues Haustier? Das kann man auch nicht einfach so entsorgen, wenn es nicht mehr richtig will.

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Mittwoch, 17. Juni 2009

Prüfungszeit
Von DM, 23:59

Ich mache die Prüfung „Texte verfassen“ etwas interessanter für mich, indem ich meine Schützlinge Gedichte von mir selbst interpretieren und dann einschätzen lassen, von wem das poetische Meisterwerk stammen könnte. Schmeichelhafte Antworten wie Goethe, Hölderlin oder eine Frau, die in der Nazi-Zeit unter Repressalien gelitten habe, erfreuen mich ebenso wie im letzten Semester mein gutes Abschneiden bei der Umfrage, welche Kurzgeschichte ihnen am besten gefallen habe. Mir fällt dazu jetzt nur noch der beliebte Herbst-Spruch meines alten Kumpels Jan Loose ein: „Ein Poet steht vor der Tür: Dichter Nebel.“

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Dienstag, 16. Juni 2009

Die arg traurige Geschichte vom armen Mäuschen
Von DM, 23:59

Der Unterricht ist für dieses Semester beendet. Es ist Prüfungszeit. Heute hatte ich bereits zwei meiner insgesamt fünf Prüfungen. In Zeitungslektüre mussten die Studenten ein Fax von Verona Pooth zu einer Nachricht umbauen, die Prüfung im Grundkurs Deutsch zum Abschluss der Lehrbucharbeit habe ich ganz auf den Film „Krabat“ zugeschnitten, den wir in der letzten Woche gesehen haben. Im Diktat können die Studenten nun zeigen, dass sie Wörter wie Müllersbursche oder Mühlräder wiedererkennen können. Das hat natürlich nicht überall gleich gut geklappt, wie ich bei den Korrekturen feststelle, die ich um sechs Uhr abends unterbrechen muss, weil das Abschiedsbankett der Uni ansteht. Dort beschwert sich die unter mir wohnende Japanerin über den Krach von neulich Nacht, als ich auf der Internetseite der Bahn versuchte, einen Zug zu buchen, was damit endete, dass eine Computer-Maus in die Ecke flog und danach nicht mehr zu gebrauchen war. „You have such a short temper“, sagt sie. „It's hot“, antworte ich.

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Samstag, 13. Juni 2009

Vortrag in Pukou
Von DM, 17:11

Ja, das wird jetzt leider kein so aufregender Eintrag, freut aber meinen Arbeitgeber. Im Rahmen einer Marketing-Offensive des Akademischen Austauschdienstes habe ich heute meinen zweiten Info-Vortrag über Leben und Studieren in Deutschland gehalten. Etwa vierzig Studenten waren in einem Hörsaal des Uni-Außencampus in Pukou erschienen. Meine Studentinnen "Theresa" und "Ilona" haben fleißig Werbung gemacht und das Organisatorische (Raum, Technik usw.) für mich übernommen. Angesichts der Tatsache, dass zwei schwere Prüfungswochen vor den Studenten liegen, ist der Besuch ganz erfreulich. Ganz im Sinne des Erfinders sind mehrheitlich Studenten anderer Fachbereiche erschienen, acht Zuhörer sind Deutsch-Studenten. Das Hauptinteresse der Studenten gilt nach wie vor der Anrechenbarkeit ihrer in China erbrachten Studienleistungen. Will man nach dem Erwerb eines B.A. in Deutschland weiterstudieren, geht das ja nur im selben Fach. Aber niemand möchte natürlich in Deutschland als Student ganz von vorne anfangen, als hätte er nicht schon vier akademische Jahre hinter sich.
Ganz fürsorglich - ist ja auch schon dunkel! - geleitet mich Studentin "Ilona", die heute auffällig gut riecht, nach kurzer Überbrückungslektüre in der klimatisierten und daher gut gefüllten Bibliothek abends um neun dann zum letzten Uni-Bus Richtung Nanjing.

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Freitag, 12. Juni 2009

Noch 'ne Freikarte
Von DM, 23:59

Gestern hat mir das Auslandsamt der Uni überraschend eine Freikarte für ein Konzert der "Nanjinger Philharmoniker" angeboten. Ich sage dankend zu und nehme gleich zwei. Meine beiden Schriftstellerinnen können leider nicht: Lu Min, die ja eine Revanche für den "Pfingstrosenpavillon" verdient hätte, bereitet sich auf ihre Frankreich-Reise vor und Echo alias Danyu hat eine Art Tumor am oder im Ohr und fliegt drei Tage nach Guangzhou zu einer Expertin. Sie ist ziemlich nervös deswegen (Gebetsanliegen!). Cathy sagt dann zu. Ich habe ihr eine E-Mail mit der Betreffzeile "Concert - one more try?" geschickt und beziehe mich dabei natürlich auf die Ton-Tortur vom letzten Mal (sin-o-meter berichtete). Diesmal gibt es glücklicherweise keine Tortur. Mit Beethoven und romantischen Komponisten stehen keine Disharmonien auf dem Programm. Cathy hat trotzdem Grund zur Klage: Der Frack des Komponisten sei ja total zerknittert. Den hätte man mal vorher bügeln sollen!
Als furiosen Rausschmeißer gibt es das Filmthema von "Fluch der Karibik". Das erkenne dann sogar ich wieder.

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Mittwoch, 03. Juni 2009

Beim Uni-Doc
Von DM, 23:59

Mein belgischer Kollege Serge hat mich auf die Idee gebracht: Man könne sich mit so einem Knie ja auch mal in Behandlung begeben. Seit dem desaströsen Unfall vom 18. Juli 2008 habe ich eine Patellasehnenentzündung oder -reizung. Reizend ist das gar nicht. Nach dem Fußball (wie am letzten Sonnabend) wird das Knie nämlich dick und schmerzt. Keine Ahnung, wieso ich so was bekomme und behalte, obwohl ich kaum noch Sport treibe, nur ab und zu Tennis oder gelegentlich Fußball, dazwischen aber z. T. monatelange Pausen.
Heute gehe ich also zum Gesundheitszentrum der Universität. Dafür musste ich mir gestern erst mal mein Medizinbuch vom Auslandsamt holen, eine Art Krankenscheinheft. Ich schlage mich durch bis zum Arzt in der Abteilung für Elektrotherapie. Die langen Gänge, die Türen, die Becken - alles erinnert ein bisschen an die altmodische Ausstattung im San-Zentrum 107 (Scholtz-Kaserne). Röntgen lehne ich ab, weil das definitiv keine Knochengeschichte ist. Der Doc und ich kommen überein, Elektrotherapie zu probieren. Ich bekomme also eine Elektrode aufs Knie gebunden und neben mir ist ein Trafo für die Regulierung der Stromzufuhr, vergleichbar mit dem in dem Folterdrama "Das Experiment". Ich denke auch an die Elektroschocks, die man zusammen mit Herzmassagen verabreicht, wenn jemand kurz vorm Sterben ist, oder an die Elektrozäune auf deutschen Kuh- und Pferdeweiden und mache mich auf das Schlimmste gefasst. Zum Glück handelt es sich aber nur um ein kribbeliges Gefühl, das sich langsam steigert und sich am Ende anfühlt wie eine Massage mit feinen Nadeln. Tut jedenfalls nicht weh. Außerdem bekomme ich so'ne Art flüssiges Finalgon. Nur zur äußerlichen Anwendung!
Alle sin-o-meter-Leser, die an den Einzigen, Wahren und Ewigen glauben, bitte ich um Gebet für diese leidige Kniegeschichte!

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Samstag, 30. Mai 2009

Ein Nachmittag im Olympiazentrum
Von DM, 23:59

Die Gemeinde hat eingeladen, und zwar alle nicht verheirateten Mitglieder und Besucher. Leider habe ich die Uhrzeit vergessen, wann das Treffen beginnen sollte. Als ich mittags in dem eigens dafür gebuchten Hotel ankomme, ist das Seminar schon halb vorbei. Ich bekomme aber trotzdem etwas zu essen. Nachmittags gibt es noch ein Video und gruppendynamische Sitzungen. Zwar hat man mir versichert, für überzeugte Alm-Öhis sei das Treffen auch geeignet. Trotzdem geht es aber am Ende doch nur ums Heiraten. Ich hätte erwartet, dass man wenigstens mal kurz am Rande deutlich macht, dass Paulus da ja ganz andere Schwerpunkte gesetzt hat und Heiraten laut 1. Korintherbrief eigentlich mehr so eine Art Notlösung für Schwächlinge ist, aber das ist in einer mehrheitlich aus Afrikanern zusammengesetzten Gruppe wohl nicht so vermittelbar. Ich erspare mir also den Hinweis. Man will ja auch nicht als Spielverderber gelten.
Auch am Nachmittag spiele ich wacker mit. Denn es gibt auf einem Spielfeld im nahe gelegenen Olympiazentrum (nein, Nanjing ist nicht Olympiastadt, aber es klingt halt besser), einem Feld mit echtem grünem Rasen, ein Fußballspiel, bei dem ich meine beiden hochkarätigen Chancen vergebe. Besonders die Steilvorlage von Kelvin aus Kenia hätte eigentlich ein Tor sein müssen! Aber bei dreißig Grad im Schatten kann ich nun mal nicht zu Höchstform auflaufen.

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Mittwoch, 27. Mai 2009

Auftritt Benno - Didus im Reisebüro
Von DM, 23:59

Er hat ihn sich redlich verdient, den Abend. Schließlich schreibt er, seit er mich auf der Konferenz der Deutsch-Dozenten in Schanghai bei der Besichtigung der Universität SISU traf, regelmäßig E-Mails und hat mir sogar eine virtuelle Ostergruß-Karte geschickt, während ich schon lange vergessen habe, wie der Student, der sich Benno nennt, eigentlich aussieht. Als er verspätet ins Café kommt, weiß ich erst gar nicht, dass er es ist. Wir ziehen um in das belgisch-deutsche Restaurant Swede & Kraut in Uni-Nähe und treffen dort auf die ersten Ausläufer des Deutschen-Stammtisches, auf den es Benno (ganz im Gegensatz zu mir) abgesehen hat. Ich erteile ein paar kluge Ratschläge, wie Benno nach dem Studium vielleicht ins Goethe-Institut einsteigen könnte, und erhalte als kleines Dankeschön anlässlich des morgigen Drachenbootfestes einen Riechbeutel gegen böse Geister und traditionelle chinesische Bohnenkuchen in hochfeiner Verpackung, die ich morgen mal mit zum Sprachtraining mit "Cathy" mitnehmen werde.
Bevor ich Benno treffe, bin ich schon auf 180, weil die Tante aus dem Reisebüro meinen Flug vergeigt hat. Ich hatte gebucht für den 8. Juli, Rückflug am 20. August, kein Umsteigen, kein Stress, etwas über tausend Mark. Aber ich sei ja nicht rechtzeitig gekommen, sagt die Tante im Reisebüro, nun sei der Flug hin. Ich bestehe darauf, die E-Mail zu sehen, die die Tante geschickt haben will. Sie dreht ihren Computerbildirm zu mir und da sehe ich den Fehler: Statt mir Nachricht an gmx.de zu schicken, hat sie zwei an gmx.ae geschrieben. Ich frage sie, was für ein Land das denn sein solle. "Ist doch nicht schwer: de für Deguo [= Deutschland]!", erkläre ich laut auf Chinesisch. Wenn man freilich nur in Schriftzeichen denkt und lebt, sagt einem .de natürlich nichts. Aber sehen meine d's vielleicht aus wie a's?!? Und hätte man nicht das Gehirn anschalten müssen, als die erste E-Mail zurückkam? Das alles versuche ich in der Fremdsprache darzulegen. Schließlich verlasse ich den Laden. Ich bin viel zu genervt um jetzt einen neuen Flug zu buchen. Außerdem habe ich ja das Treffen mit Benno.

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Das Drachenbootfest
Von DM, 23:59


... kommt für Deutsche etwas spät, nämlich exakt eine Woche nach dem deutschen Himmelfahrtstag. Den Sinn des Feiertages erläutert nun exklusiv für sin-o-meter die chinesische Hobby-Historikerin Liu Chao:
Also, es gab einen berühmten Dichter von der Kriegszeit damals in China, ganz früh in der chinesischen Geschichte. Es gab verschiedene kleine Staaten in China, und jeder wollte durch den Krieg die Anderen aufessen und selber einen kompletten Staat für ganz China begründen. Der Dichter heißt Quyuan und er kommt aus einem Staat von den allen. Er ist sehr fähig, mutig und hat viele viele Treue zu dem Kaiser und dem Volk seines Staats, also, ein sehr guter Politiker. Er versuchte mit den anderen Politikern ihren Kaiser zu unterstützen, damit sein Staat es schaffen kann, einen kompletten Staat für ganz China zu begründen,aber sein Kaiser war leider dumm und blöd, er war selber unfähig und konnte keine einzige Sache gut erledigen, aber er hatte kein Vertrauen zu dem Quyuan und nahm die Vorschläge und Meinungen von Quyuan nicht an. Er hat Quyuan bestraft und ihn ganz weit von der Hauptstadt deportiert, nur weil Quyuan ständig ihn überredet hatte, vernünftig zu sein. Quyuan war sehr depressiv und traurig. Sein politischer Traum konnte nicht verwirklicht werden und seine Treue verstand der Kaiser auch nicht. Er hat viele, viele schöne Geschichten bei seiner deportierten Zeit geschrieben. In denen hat er durch die Wörter seine Furcht für die Zukunft seines Saates, seine Liebe zu seinem Vaterland und seinem Volk geäußert. Deswegen war er sehr beliebt beim Volk.
Als Folge wurde der Zustand seines Staates natürlich immer schlechter, weil die anderen Staaten zunehmend stärker und reicher waren. Und es kam ein Tag, da wurde Quyuans Staat von einem der anderen überfallen und der Kaiser wurde aufgegeben. Quyuan war so traurig und verzweifelt. Er wollte sich nicht von den Feinden beleidigen lassen, deshalb hat er sich ermordet, ins Wasser... Der Fluss heißt "Mi Luo Jiang". Die Leute machten das Essen "Zong Zi" und haben es in den Fluss geworfen, um es zu vermeiden, dass große Fische seine Leiche essen. Also ist der Drachenbootstag eigentlich ein Gedenktag.

Passend dazu gibt es auf dem See, an dem ich mich zum Sprachtraining treffe, auch ein paar Boote mit Drachenkopf. Jedoch: Cathy will auch nach der vierten Nachfrage keinen von Bennos Bohnenkuchen essen. Kein Wunder, es sind ja auch keine richtigen "Zong Zi"!

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Dienstag, 26. Mai 2009

Die Freikarte
Von DM, 23:59

Vor wenigen Tagen sprach ich im Zusammenhang mit der entzückenden Nachwuchsautorin Lu Min (sin-o-meter berichtete) noch von einer Tanzfläche, prompt lädt sie mich zu einer Tanz-Vorstellung ein und spendiert mir eine Freikarte. Ich habe zwar zuerst gedacht: Was soll das denn? Tanzen: langweilig! Allerdings hat sie in ihrer E-Mail auch grandios untertrieben und mich vielsilbig vor der langen Anreise nach Wei Gang im Osten der Stadt gewarnt: „If you don't want to go to the theater, trust me, I can understand it.“ Doch dann entpuppt sich der Abend - Lu Min erwischt mich am Eisstand neben der Bushaltestelle kurz vor dem Verzehr von Eis Nummer zwei - als ein echter Höhepunkt. Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus: Es handelt sich um eine phänomenal choreografierte Darbietung (vielleicht am ehesten vergleichbar mit einem Musical wie „Cats“ oder „König der Löwen“) des Stücks „Pfingstrosenpavillon“ des berühmten chinesischen Shakespeare Tangxianzu aus der Ming-Dynastie: In einem Pfingstrosenpavillon erscheint der liebenswerten Hauptfigur der Mann ihrer Träume. Doch sie erfährt, dass er nicht mehr lebt. Vor Gram stirbt sie. Doch der Verehrte lebt. Auf einem Markt entdeckt er ihr Bild und sucht, ergriffen von analogen Gefühlen, seinerseits nach ihr. Seine Nachforschungen ergeben: Die Geliebte ist verstorben. Damit findet unser Held sich nicht ab. Er sucht das Grab auf und erweckt durch seine Liebe die Angebetete vom Tode.
Das alles erzählt nur mit Tanz, Bewegung, Kostümen, Musik (kein Gesang), nicht zuletzt aber auch mit einem spektakulären Bühnenbild und visuellen Spezialeffekten aus dem Computer nacherzählt wurde. Na gut, alles etwas theatralisch, aber wenn Theater nicht theatralisch sein darf, wer dann? Das Famose für mich als Ausländer: Sprachbarrieren gibt es nicht, weil Tanztheater ohne Dialoge auskommt. Allerdings muss Lu Min immer wieder Zusammenhänge erklären, weil Chinesen natürlich über kulturelles Vorwissen verfügen, das mir fehlt. Ohne Übertreibung kann ich sagen: Dafür hätte ich notfalls sogar Geld ausgegeben! Bei uns würde so was vermutlich um die 50 Euro kosten. Nur mit Mühe kann ich nach der Vorstellung wenigstens das Taxi bezahlen. Allerdings habe ich während der Fahrt bei Lu Min mal etwas nachgehakt und glaube jetzt, dass das eine Sonderdarbietung (Vorvorvorpremiere) für Parteikader und Linientreue war. So richtig wollte sie ja mit dem Quell dieser sagenhaften Elite-Freikarten nicht heraus, denn den meisten ist Parteimitgliedschaft gegenüber Westlern etwas peinlich.

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Montag, 25. Mai 2009

Innerhalb und außerhalb des Klassenraums
Von DM, 23:59

Die Bachelor-Arbeiten, mit denen ich in den letzten Wochen als Erstgutachter ein zweifelhaftes Vergnügen hatte und die heute Grundlage einer Art Disputation sind (drei Professoren fragen, sechs Studenten antworten), sind im Grunde eine Farce, da die Note pauschal nach dem Ende des mündlichen Prüf-Gesprächs vergeben wird. Arithmetik spielt dabei kaum eine Rolle, was man schon daran sieht, dass ich für die von mir betreuten Studenten gar keine Note zu Protokoll geben muss. Sie sitzen auch nicht in meiner Disputations-Gruppe. In der Notenkonferenz wird in erster Linie verhandelt, wer besser als wer war, und im Wesentlichen steht diese Rangliste schon vorher fest, d.h., wer vorher eine Lusche war, bekommt jetzt auch keine bessere Note. Lusche bleibt ja auch meist Lusche. Erschwerend hinzu kommt, dass ein Gutachter gerade in Deutschland ist, da ist das mit dem Begutachten so'ne Sache. Naja, wo gehobelt wird, fallen Späne. Und insgesamt werden die Noten schon stimmen...
Im Anschluss an Disputation und Notenkonferenz brechen wir gegen sieben Uhr abends auf zur Abschlussfeier in einem rustikalen Restaurant in Uni-Nähe. Rustikal, d. h. etwas weniger gesittet, als der Unterricht gemeinhin abläuft, verläuft dann auch das gesellige Miteinander. Ziel der Runde ist im Grunde ein Fundamentalbesäufnis oder die Lösung der Frage: Trinkt Student Prof unter den Tisch oder umgekehrt? Ich betätige mich als Spaßbremse und bremse das Ansinnen, mich zu einem Bier-Schälchen (!) zu überreden, mit den vergleichsweise humorlos vorgetragenen Worten aus: "Glaub mir, das haben schon ganz andere versucht." Die Erfolgschance sei mit null noch hoch eingeschätzt. Der Kollege, der neben mir sitzt, meint, ich hätte es gut. Als Ausländer drohe mir ja kein Gesichtsverlust, wenn ich Alkohol verweigerte.
Nach zwei Stunden, als ich nämlich so vollgestopft bin mit Leckereien (die es auch gab), dass kein Pfefferminzblättchen mehr rein geht, breche ich auf. Student "Jan" beklagt sich bereits leicht delirierend: "Herr Mehrens, mit Ihnen macht das überhaupt keinen Spaß!" Ich repliziere: "Ja, ich geh' ja jetzt, dann können Sie viel mehr Spaß haben!" Bierernst ist das natürlich nicht zu nehmen.
Mit nach Hause genommen habe ich das Bild der glühenden Studentin "Lea", die eigentlich eine der Besten ist. Sie hatte schon am Anfang so einen roten Kopf, dass ich dachte: Wieso ist die so rot, hat die 'n Sonnenbrand? Aber heute ist es doch ganz bedeckt! Wirklich, der Kopf sah aus, dass man glauben musste, gleich gibt's 'ne Explosion. Aber kurz danach war sie auf einmal ganz blass und kriegte kaum noch ein Augenlid hochgezogen. Angeblich hat Bier diese Wirkung hervorgerufen. Was lernen wir daraus? Es gibt Intelligenz innerhalb und außerhalb des Klassenraums.

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Sonntag, 24. Mai 2009

Picknick
Von DM, 23:59


Heute nach dem GoDi von NICF gibt es ein Picknick in einem Park nahe des Xuanwu-Sees. Ich habe Echo alias Danyu ins Foyer bestellt, die aus Chicago zurück ist und sich sogleich per E-Mail gemeldet hat. Zum Picknick sind nämlich auch Inländer zugelassen (zum GoDi bekanntlich nicht - wegen religiöser Propaganda). Diesmal ist die exzentrische Autorin zehn Minuten zu früh und beklagt sich, ich hätte das ja schlecht beschrieben. Mit Bussen geht es in den Park. Danyu kann sich bei einer Chinesin, die neben uns sitzt, erkundigen, wie sinnvoll es ist, einen Amerikaner zu heiraten. Immerhin kann sie als Frau eines Ausländers jeden GoDi besuchen und so viele Kinder in die Welt setzen, wie sie will; dafür fällt das Streiten schwerer, weil einem in der Fremdsprache nicht so schnell die richtigen ... Worte einfallen. Danyu weiß immer noch nicht recht, ob sie ihren fast sieben Jahre jüngeren boy-friend heiraten (Antrag liegt vor) oder abservieren soll. Anscheinend hat er ihr auch eine Szene gemacht, als sie ihm letzte Woche eröffnete, dass sie Chicago definitiv verlassen und ihr Studium dort abbrechen werde. Ich, dessen  Lebensweisheit bekanntlich über jeden Zweifel erhaben ist, gebe ihr den Rat, ein Jahr der Trennung verstreichen zu lassen. Wenn er sie dann immer noch heiraten wolle, könne sie ja noch mal neu darüber nachdenken. Es lebe die Seifenoper, deren Hauptfigur man nicht selbst ist!
Zum Abschluss gibt es ein Fußballspiel, bei dem meine Mannschaft 3:0 verliert. Anschließend auf dem Weg zum Bus muss ich mir mal wieder anhören, ich sei ja kein Gentleman, weil ich einfach ohne Danyu aufgebrochen sei. Wenn ein Mann mit einer Frau irgendwohin gehe, meint sie, müsse er beim Aufbruch auf sie warten. Ich sage: In der Bibel steht nirgendwo was von Gentleman-sein-Müssen. Kann aber auch sein, dass der Clooney-Effekt (siehe Foto) mich bisschen arrogant gemacht hat.

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Samstag, 23. Mai 2009

Noch eine Schriftstellerin
Von DM, 23:59

Ein historischer Tag: Köhler wird zum zweiten Mal Bundespräsident, der VfL Wolfsburg zum ersten Mal Fußballmeister (mit einem Trainer, der das Handwerk des Erfolgs bei der erfolgreichsten deutschen Fußballmannschaft aller Zeiten gelernt hat, die sich diesmal mit Platz 2 begnügen muss). Und was macht Didus an so einem historischen Tag? Er trifft sich schon wieder mit einer Schriftstellerin, diesmal mit der zauberhaften Lu Min, die bereits seit zehn Jahren schreibt (davon fünf mit Erfolg) und inzwischen 60 Kurzgeschichten und fünf Romane veröffentlicht hat. Da kann ich mit meinen beiden Anthologie-Beiträgen wahrlich nicht mithalten. Im Oktober wird sie anlässlich des Erscheinens eines Bandes mit chinesischen Kurzgeschichten in deutscher Sprache, der einen Text von ihr enthält, für zehn Tage nach Frankfurt zur Buchmesse kommen. Vorher will 3-Sat in China einen Beitrag über sie drehen. Wir sprechen außerdem über die Filme Almodovars, Chen Kaiges und Zhang Yimous. Weil Lu Mins Englisch nicht so gut ist und ich mich immer wieder in Chinesisch versuchen muss, was gelegentliches Nachschlagen in meinem Vokabelheft einschließt, dauern meine Darlegungen etwas länger. Nachdem ich schließlich auch noch eine meiner jüngsten Plot-Ideen vorgetragen habe, ist meine Pizza endgültig kalt. „I hope to see you again“, verabschiedet sich die junge Autorin höflich, ehe sie zum nächsten Termin eilt. Wenn sie einem die Hand schüttelt, nimmt sie beide Hände wie ein Mädchen, das einen Unwilligen auf die Tanzfläche ziehen will.

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