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Mittwoch, 08. Oktober 2008

Hulk trifft Alien
Von DM, 23:59

So schlecht ging's mir schon lange nicht mehr. Irgendwie muss ich heute Abend in der Mensa was Falsches gegessen haben. Gegen acht, beim Korrigieren der jüngsten Diktate, ging es los mit dem Rumoren und gegen Mitternacht muss ich aufstehen, weil ich mich fühle wie der unglaubliche HULK kurz vor der Verwandlung. Mein Bauch wölbt sich, als würde gleich ein Alien rauskommen, und ähnlich explosiv verläuft die Nacht dann auch noch...

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Montag, 06. Oktober 2008

Der Zauber-Professor
Von DM, 23:59

In der Bibliothek bekomme ich heute Besuch von einem Emeritus der Deutsch-Abteilung in Nanjing, einem überaus belesenen Mann, der mir von irgendeinem wichtigen Autor erzählt, Soziologe oder so, von dem ich nie was gehört habe. Er soll ihn nämlich übersetzen. Und Freud. Oder ein Buch über Freud. Oder beides ist dasselbe. So genau habe ich das nicht verstanden. Denn der Herr Professor antwortet nicht immer so, wie es der Frage gemäß ist. Ein typischer zerstreuter Professor eben. Gleichwohl wächst mein Respekt ins Unermessliche, als der schlicht wie zur Mao-Zeit gekleidete Gelehrte mir in einem Nebensatz eröffnet, dass er Thomas Manns „Zauberberg“ und „Dr. Faustus“ ins Chinesische übersetzt hat.

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Sonntag, 05. Oktober 2008

Kanzler, Kritik und Kompromiss
Von DM, 23:59

Diesmal ist der Gottesdienst in der St.-Paul-Gemeinde doch reichlich kurz, nur vierzig Minuten. Außer der Lebensmitteltrainerin von vor zwei Wochen gesellt sich diesmal noch die des Englischen nicht minder mächtige Lili zu mir, die gerade „End of the Spear“ liest, eine Geschichte über einen Missionar, der im lateinamerikanischen Dschungel die Mörder seiner Eltern traf und zum Glauben an Christus führte. Das Buch wurde von Christen in den USA verfilmt, hat es aber offenbar noch nicht nach Deutschland geschafft. Noch interessanter wird es, als ich den Pastor dieser registrierten Gemeinde kennen lerne, der sich über Gäste aus Deutschland (irgendein Bischof war wohl mal zu Gast) und Frau Merkel beschwert, weil die immer rummerkeln, äh, -mäkeln an China und so. Schröder, der mit den Chinesen fröhlich Bier getrunken habe, fand er besser. Ich denke, was hat der denn für Sorgen, und erkläre ihm (Lili übersetzt die kniffligen Stellen), dass Schröder der schlechteste Bundeskanzler war, den wir je hatten, und es beim Amtseid sogar ablehnte, die Formel „so wahr mir Gott helfe“ zu sprechen. Hm, da kommen wir nicht weiter. Aber Gott (!) sei Dank finden wir doch noch einen gemeinsamen Nenner: Die Bischöfe in Deutschland seien in wichtigen ethischen Fragen viel zu liberal und die Kirche sollte sich nicht zu viel um Politik kümmern, dafür gebe es ja schließlich die Politiker. Die kümmern sich allerdings in China auch um die Kirchen und werden, so erklärt Lili mir, immer dann nervös, wenn die Wirkungen des Heiligen Geistes zu sehr betont werden. Lieber Predigten über Rechtschaffenheit und Loyalität. Das kommt gut. Prompt ist der Nachmittag auch schon halb rum. Dabei war der Gottesdienst doch nur vierzig Minuten kurz.

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Samstag, 04. Oktober 2008

Geisterbahn
Von DM, 23:59

Dummerweise kommt der Zug um zehn nach fünf schon in Nanjing an, da bin ich normalerweise im Tiefschlaf. Eigentlich sollte der Zug um 5.22 Uhr erst am Ziel sein! Da ich immer knapp kalkuliere, bin ich so überrascht, dass ich in Turnhose und Unterhemd und mit offenen Schnürsenkeln, aber immerhin mit all meinem Gepäck aus dem Zug steige. Noch ärgerlicher ist, dass um die Zeit die U-Bahn noch nicht geöffnet ist. Vor der Treppe lagern schon etliche potenzielle Passagiere. Auch draußen auf dem Platz vor dem Bahnhof (er liegt am Xuanwu-See) lagern sich die Reisenden. Ich entdecke draußen einen Fahrstuhl, der zur U-Bahn führt. Sesam öffnet sich und ich finde mich in einer unterirdischen Geisterstadt wieder: keine Seele weit und breit! Ich komme mir vor wie Will Smith in „Ich bin Legende“. Selbst der Durchgang zum U-Bahnsteig, wo ich normalerweise meine Fahrkarte einführen muss, steht offen. Ich bin so allein, dass ich mich sogar völlig hemmungslos umziehen kann. Die erste U-Bahn ist schon angekündigt, fährt in zehn Minuten, aber in die falsche Richtung. Ich denke, ich steige trotzdem da ein, denn die Endstation ist nur zehn Minuten entfernt und ich kann ja dann dort in die andere Richtung wechseln, ohne eine neue Fahrkarte kaufen zu müssen. Aber – gespenstisch – der leere Zug kommt an, hält, piept, wartet eine Minute und fährt dann, ohne die Türen geöffnet zu haben, weiter: eine Geister-U-Bahn! Mit mir hat wohl keiner gerechnet. Der Kontrast zu den Menschenmassen, die sich in so einer U-Bahn normalerweise stapeln, könnte kaum größer sein. Jeder Gast in einem fremden Land kennt dieses beunruhigende Gefühl: Gibt es hier irgendwas, was alle wissen außer mir?
Endlich taucht ein Uniformierter auf. Scheint sich aber nicht groß zu wundern, dass ich vor ihm da bin. Diese Ausländer sind ja immer irgendwie anders, das kennt man schon... Wenig später kommen zu meiner Erleichterung die ersten Fahrgäste die Treppe herunter und als die U-Bahn in Richtung Uni auftaucht, gehen sogar die Türen auf: Geisterbahnsteig adé!

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Freitag, 03. Oktober 2008

Hongcun, die Horden und ich
Von DM, 23:59

Natürlich merke ich meine Kniekehlen auch noch heute Morgen auf dem Weg nach Hongcun. Erst mal muss ich zur Bank. Der gestrige Tag hat ein gewaltiges Loch in meinen Reisegeldbeutel gerissen. Ich frage einen Passanten und habe die Visitenkarte von Herrn Wang An Ping in der Hand. Die Bank finde ich auch.
Die Reise, vorbei an abgeernteten Reis- und Maisfeldern, auf denen die Wasserbüffel sichtlich froh sind endlich eine ruhigere Kugel schieben zu können, dauert ca. eine Stunde. Dann – und jetzt heißt es, Mini-Budget-Reisende aufgepasst – steige ich am  Busbahnhof einer charismalosen Kleinstadt aus und denke: Das ist jetzt aber noch nicht Hongcun, oder? Wo sind die malerischen Bauten? Ich gehe zum Fahrkartenschalter und frage nach einer Karte für Hongcun. Ja, sagt die Tante, einmal rechts um die Ecke. Draußen an der Ecke treffe ich eine Gruppe junger Leute aus dem Bus wieder, die auch nach Hongcun wollen; aber erst mal, es ist halb zwölf, wolle man was essen. Ein Mädchen aus der Gruppe zeigt mir, dass der Bus an der Kreuzung hinter der Brücke über den Fluss schon warte. Zwei Yuan. Ich überquere also die Brücke, da wartet wirklich ein Bus. Ich steige ein, entrichte meinen Fahrpreis und lande – und jetzt heißt es, Mini-Budget-Reisende, die ihr via Google auf diese Seite gestoßen seid, weil ihr Huangshan+Unterkunft+China oder Hongcun+Urlaub+billig eingegeben habt, doppelt aufgepasst –, also, ich lande an einer Stelle (zweite Brücke über den Fluss nach Ortseingang), wo weit und breit keine Eintrittsgebühr für dieses Weltkulturerbe zu entrichten ist. Schon der 40-Mark-Berg gestern hatte ja gewisse Verstimmungen bei mir ausgelöst und nun stelle man sich vor, man soll 16 Mark (2 % eines gehobenen Monatsgehalts in der Volksrepublik) Eintritt zahlen, damit man Bad Wimpfen oder Rothenburg ob der Tauber betreten kann! Und wie will man das eigentlich sicherstellen? Die Stadt mit Checkpoint-Charlie-Häuschen umzingeln? Ob das so einem Städtele nicht manches von seinem diskreten Charme rauben könnte? Nicht anders ist es hier.

Ich flaniere durch die Stadt, treffe auf eine uralte, 1,40 Meter große Frau, die für ihre wohlschmeckenden Maronen oder irgendwelche Nüsse berühmt ist (genau habe ich das nicht verstanden, ich weiß auch nicht was „Nuss“ auf Chinesisch heißt, weil ich keine Nüsse mag), betrete einen Ortskern mit Fischteich, gesäumt von historischen Bauten zumeist aus der Qing-Dynastie, und ein Maler mit langen Zotteln, der in Peking Kunst studiert hat, lädt mich in seinen kleinen Ausstellungsraum voller geheimnisvoll-düsterer Gemälde ein. Eines hat er gerade im September fertiggestellt. Gleich mehrfach überschreite ich die Brücke über den so genannten Südsee, der am inneren Rand mit Lotospflanzen überwuchert ist und am äußeren von einer Promenade gesäumt wird, der Bäume reichlich Schatten spenden. Diese Ortschaft ist die ideale Entspannungsübung nach einem anstrengenden Tag. Nachdem ich mich gestern in meine Einzelteile aufzulösen drohte, empfinde ich mich heute wieder als Einheit, Tag der deutschen Einheit eben.

Auf der anderen Seite des Sees, wo das Weltkulturerbe endet, sehe ich Horden von Chinesen mit knallroten Unisex-Baseball-Kappen, die, vom offiziellen Touri-Parkplatz kommend, in das Örtchen einfallen, und alle haben sie dieses Kärtchen in der Hand, auf dem steht, dass sie umgerechnet 16 Mark für das bezahlt haben, was ich auch gerade tue.
Das alles genieße ich bis vier Uhr, dann geht’s auf die gleiche Weise zurück. Ich esse in einem Hamburger-trifft-chinesische-Esskultur-Restaurant (und entscheide mich diesmal für den Hamburger). Als ich meinen Rucksack aus der Jugendherberge holen will, wer steht da auf einmal vor mir? Michael, der auf dem Huangshan irgendwo wild gezeltet hat und natürlich nichts Besseres zu tun hat, als mir zu berichten, dass ich ja den besten und einsamsten aller Gipfel auf dem Huangshan, den nicht gesperrten Himmlische-Stadt-Gipfel (1810 m) verpasst habe. Vielen Dank, das war genau das, was ich jetzt gebraucht habe. Ich muss also wiederkommen. Kurz nach neun betrete ich den Bahnhof, um den Nachtzug um 21.44 Uhr nach Nanjing zu erreichen, in dem ich einen Liegeplatz gebucht habe.

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Donnerstag, 02. Oktober 2008

Du bist nicht allein!
Von DM, 23:59

Um halb sieben schleiche ich mich an der Rezeption vorbei aus der Absteige – auf Nimmerwiedersehen! – und begebe mich zum Busplatz. Der Ausflug zum Huangshan wird eine typische Didus-Hammertour. Aber erst mal gilt es sich durch die Touristenhorden zu zwängen. Michael, ein Amerikaner aus Los Angeles, der auch schon länger in New York gelebt hat, nun in Xuzhou unterrichtet und mich beim Ausstieg aus dem Bus anspricht, will, dass ich mein Chinesisch einsetze, um den Uniformierten am überlaufenen Eingang zum Naturpark weiszumachen, irgendwelche Freunde, zu denen wir den Anschluss verloren hätten, seien bereits weiter vorn in der Schlange. Ich sage, dass ich für solche Aktionen zu ehrlich bin und glaube auch nicht, dass wir ohne Notlüge zwei Stunden anstehen müssen. Am Ende sind wir zwar nach einer Stunde durch, aber nun kommt noch eine halbe Stunde Busfahrt rauf zum Anstieg. Und dann muss ich am eigentlichen Eingang noch mal rund zwanzig Minuten rumstehen, weil ich erst hier die Eintrittskarte (umgerechnet 40 Mark) für den Berg bekomme. Ich finde aber den Eingang nicht. Wo ist denn hier der Eingang? Ich werde vom Ausgang zu einem Ort geschickt, wo gar kein Eingang ist. Da ist nur der Eingang zur Seilbahn, die noch mal 80 Yuan kostet. Seilbahn will ich nicht. Ich fühle mich wie ein Hund, der gleich von der Leine gelassen wird, aber Gleich verzögert sich immer wieder. Inzwischen ist es nach halb zehn! Wie viel Zeit soll ich hier eigentlich noch vertrödeln, bis ich endlich tun kann, weshalb ich hergekommen bin? Schließlich verliere ich mal wieder die Geduld (der Hund reißt sich von der Leine los), klettere durch Büsche, mache einen etwas gewagten Sprung auf eine Wasserdurchlassbefestigung und finde mich in der Schlange zur Seilbahn wieder. Kurz darauf finde ich endlich den Aufstieg zur Treppe. Meine Eintrittskarte hat nun gar keiner kontrolliert. Endlich geht es bergauf, ich mache ordentlich Tempo. Natürlich rächt es sich später, dass ich beim Aufstieg einfach jeden der eine Million Chinesen überholen will, die ebenfalls auf dem Weg nach oben sind.
Man darf nicht davon ausgehen, dass das hier eine normale Bergtour ist, denn die gesamte Strecke ist mit Treppenstufen versehen und auf denen tummelt sich die besagte (gefühlte) Million Chinesen. Außerdem liegen überall verstreut an den Rändern der Wanderwege teure Hotels und Camping-Nischen. Hier ist man nie allein! Auch nicht auf den Spitzen dieses auf einzigartige Weise von der Natur, von Sturm, Nebel und Regen, in bizarre Felsformationen gemeißelten Gebirges mit seinen insgesamt 72 verschieden hohen Gipfeln. Eine Attraktion ist der Nordsee genannte Aussichtspunkt mit Blick auf den so genannten Pinsel: einen steil emporragenden Felsen, aus dem ein Bäumchen wächst. Die Kombination sieht aus, als würden zwei Finger einen Pinsel halten. Ich überzeuge mich persönlich davon, dass der Vergleich nicht hinkt. Auf dem Rote-Wolken-Gipfel mache ich Rast, mit dem Hellen Gipfel erreiche ich den höchsten zugänglichen Punkt (1840 m).

Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: Der von mir anvisierte Lotosgipfel, der eigentliche Höhepunkt (1864 m), ist gesperrt. Was ich auch noch nicht weiß: Auf dem Weg dorthin verengt sich der vorformatierte Wanderweg beträchtlich, weshalb ich mich plötzlich in einer Riesenschlange wiederfinde. Es geht sogar durch einige Höhlenschächte. Aber man stelle sich das vor: Auf dem Weg zu einem Gipfel in 1800 Metern Höhe steckt man plötzlich in einer Menschenmenge fest, als gäbe es Freikarten für Bayern gegen Real! Na, immerhin hatte ich kurz vor diesem Schock meinen Clooney-Auftritt und durfte gleich mehrfach vor traumhafter Kulisse posieren. Schade, dass einem als Clooney kein VIP-Durchlass gewährt wird. Aber – Moment! – kommt noch! Denn nachdem ich am gesperrten Aufstieg zum Lotosgipfel noch mal kurz Pause gemacht habe, blicke ich talwärts und was sehen meine schreckensstarren Augen? Noch mal Schlange ohne Ende! Das ist die Chance für meine notorische Ungeduld, endgültig mit mir durchzugehen. Als ich wieder festhänge und auch noch merke, dass die alle zur Seilbahn wollen, die ich gar nicht benutzen will (der Weg zu den tiefer gelegenen Treppen ist aber derselbe), erblicke ich unterhalb des Pfads, auf dem ich gerade im Stau stecke, total verödete und verlassene Stufen: ein offenbar gesperrter alternativer Abstieg. Ich wühle mich zurück und bin wild entschlossen irgendwie an der Holzgittertür vorbeizukommen, hinter der die verlassenen Stufen, die übrigens Herr-der-Ringe-Schauwert haben, beginnen. Aber – o Wunder! – muss ich gar nicht, denn das Schloss hängt zwar geschlossen vor dem Tore, nicht aber im Riegel, den ich mühelos zur Seite schieben kann, was ich auch tue. Mein Rucksack hängt in dem Spalt kurz fest, aber dann bin ich durch: allein treppab, ganz allein. So hatte ich mir die Bergtour eigentlich vorgestellt. Ich trippele in Windeseile hinunter, will ich doch wissen, ob die Sache nicht womöglich einen Haken hat und ich am Ende wieder zurück muss. Angesichts meiner schmerzenden Glieder und Gelenke wäre das freilich ein übler Ausgang des Experiments. Fakt ist: Es geht abwärts mit mir, in jeder Hinsicht. Von oben rufen ein paar Witzbolde mal wieder: „Hollo!“ Ich ignoriere das. Am Ende der Stufen treffe ich einen Gerüstarbeiter, der dabei ist, an einer steilen Felskante entlang eine Holzbrücke zu bauen. O Schreck, ich muss zurück, denke ich; und der wird mich gleich noch gehörig anfahren, was ich hier mache. Chinesen finden aber im Gegensatz zu Deutschen Ausländer auf krummen Extratouren cool und er zeigt mir, dass die Treppe über mir weitergeht. Ich bedanke mich, steige empor, komme zum Eingang der Seilbahn und KÖNNTE nun, wenn ich etwas weniger selbstgefällig und dafür etwas mehr mit Vernunft gesegnet wäre, einfach da einsteigen und meine schmerzenden Glieder dem verdienten Feierabend zuführen. Aber wie dereinst Boris, der immer den schwersten Schlag ausprobieren musste, wenn´s besonders aussichtslos zu werden begann, erkundige ich mich, wo es zu den Treppen ins Tal geht. Und nun beginnt für mich die wahre Zeit der Leiden, denn es wird ein quälend langer Abstieg über nicht enden wollende Stufen. Meine Kniekehlen schmerzen, die Waden haben schon mal einen Krampf angedroht und jetzt beginnt auch noch mein Kopf zu hämmern. Aber was sollen eigentlich die Männer sagen, die mir aus beiden Richtungen kommend, über den Tag verstreut immer wieder über den Weg gelaufen sind, Männer, die nicht zum Vergnügen die steilen Stufen rauf- und runterklettern, sondern die, ein massiv-hölzernes Joch auf den Schultern, von dem links und rechts zentnerschwere Lasten baumeln, Obst, Gemüse, Stoffe, auf eben diesen Stufen ihren Lebensunterhalt verdienen? Ich denke, dass es kaum einen treffenderen Ausdruck, kaum ein sinnfälligeres Bild geben kann für den krassen Gegensatz zwischen Arm und Reich im gegenwärtigen China als dieses absurd anmutende Nebeneinander von kapitalem Konsumtourismus und archaischem Arbeitsalltag. Vor allem muss ich freilich einsehen, dass man in meinem Alter seinem Körper nicht mehr solche Tours de force zumuten kann, ohne wenigstens eine vernünftige Mahlzeit einzunehmen. Äpfel und Birnen und ein paar Joghurt-Trünke, das war einfach nicht genug für diese Strapazen. Und die Gurke, die ich an einer der (denke, hoffe, flehe ich) letzten Rast-Stationen erwerbe, von denen es hier einige Dutzend gibt, bringt auch nur wenig Linderung. Bei jeder Stufe denke ich, mir platzt gleich der Schädel. Was ich total unterschätzt habe, ist die Anstrengung für die Muskulatur und die Gelenke, die mit dem Abstieg verbunden ist. Die Schwerkraft, dachte ich, die macht das schon. Ja, macht sie auch, sie macht sich tonnenschwer bemerkbar. Man muss sich das auch mal vor Augen führen: So ein Tag in den Gelben Bergen, das ist im Grunde nichts anderes, als würde man einen ganzen Tag lang die Stufen des Kölner Doms rauf- und runterpesen. Aber irgendwie leben ja Verrückte immer länger. Und so darf man sich auch nicht wundern, dass ich an der Busstation lieber noch mal 1200 Meter Stufen in Kauf nehme, als für eine Busfahrkarte Schlange zu stehen. Mehr als weh tun konnte die letzte Meile schließlich auch nicht mehr.
Ich bin nervös und habe es eilig, weil die Dämmerung einbricht und ich 2004 in China schon mal zu spät von einem Berg gekommen bin. Damals gab es keine Busse mehr. Diesmal habe ich mehr Glück. Der Bus, zu dem der Bergbus im Obertal mich gebracht hat (beim Einstieg gab es zwischen übermüdeten Chinesen eine heftige Rangelei), setzt mich dann zwar gleich an der nächsten Tankstelle wieder aus, aber er verweist mich auf einen anderen Bus, der dort im Halbdunkel parkt. Der ist allerdings total leer. Was wird das wieder werden? Die Jungs am Bus telefonieren. Ich verstehe nichts. Dann fahren sie los und auf halber Strecke werde ich noch mal umgeleitet. Dieser Bus (Nummer sechs an diesem Tag) bringt mich dann endlich sicher nach Hause.
Wenn ich jetzt was Ordentliches esse, denke ich, wird es sicher besser. Direkt neben dem Bus-Bahnhof ist so ein typisches chinesisches Kleinrestaurant: dürftige Ausstattung, gute Küche. Ich erkundige mich nach den Mahlzeiten und bestelle eine Ladung gebratenen Reis und die chinesische Spezialität Rührei mit Tomate für insgesamt drei Mark zwanzig. Der stolze Papa, der die Bestellung aufnimmt, bringt seine Tochter (englischer Name: Alice) ins Spiel. Die Oberschülerin soll bei mir ihr Schulenglisch an den Mann bringen. Englisch sei ihr Lieblingsfach, erklärt sie mir, aber an eine Elite-Uni wie Nanjing werde sie es wohl nicht schaffen. Mit Hilfe ihres Papas plane ich den morgigen Tag: Ein Bild des malerischen Ortes Hongcun (UNESCO-Weltkulturerbe) hängt nämlich im Restaurant an der Wand. Morgen Früh um zehn gehe der letzte Bus.
In der Jugendherberge lerne ich Chao aus Xian kennen, einen von fünf Zimmergenossen, die zum Glück alle früh schlafen gehen. Chao hat mit einem Freund oder einer Freundin zwei Tage (mit Übernachtung) in den Gelben Bergen verbracht. Zugegeben, das klingt vernünftig, aber ich hätte dann am Ende doch nur zwei Hammertouren daraus gemacht!

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Mittwoch, 01. Oktober 2008

"George Clooney und ich"
Von DM, 23:59

Ich habe scheinbar mal wieder mehr Glück als Verstand: Schon der dritte oder vierte Versuch, eine Bleibe zu finden, ist von Erfolg gekrönt! Wild gestikuliert und schreit die junge Frau vom Empfang und führt mich in ein fensterloses Loch mit offenbar schon benutzter Bettwäsche und seltsamerweise nur rotem Licht als Beleuchtung. Aber ich bin natürlich zu müde um lange rumzulamentieren, das weiß die Hektikerin auch. Die umgerechnet zehn Euro sind, gemessen an meinen bisherigen Erfahrungen, der reinste Wucher. Für so was zahlt man normalerweise ein Viertel davon, aber es ist Ferienzeit, alles ist belegt und ich bin hundemüde.
Das setzt sich auch am nächsten Tag fort, an dem ich aber erst mal Stress mache und dafür sorge, dass vernünftiges Licht eingebaut wird, ich frische Bettwäsche bekomme und alles etwas wohnlicher wird. Dafür soll ich nun, es ist ja der eigentliche Nationalfeiertag, 150 Yuan bezahlen, also 50 Prozent Aufschlag! Das verstehe ich natürlich überhaupt nicht und verhalte mich auch so. Ich zahle erst mal hundert und stelle vage in Aussicht, den Rest später zu begleichen, wozu es natürlich nie kommen wird. Die Hektikerin hat damit ihr Gesicht behalten und ich mein Geld.
Gleich nebenan ist eine Jugendherberge mit englischsprachigem Personal und vielen ausländischen Gästen. Die waren heute Nacht überfüllt. Aber jetzt reserviere ich mir ein Zimmer für die Nacht auf Freitag. Es kostet nur die Hälfte, allerdings werde ich das Zimmer mit fünf anderen Gästen teilen müssen. Eine Rückfahrkarte für den Nachtzug nach Nanjing habe ich auch schon erworben. Ich musste nicht mal Schlange stehen!
Am Nachmittag schaue ich mir Huangshan-Stadt an. Unten am Fluss ist ein Volksfest mit den üblichen Wurstständen und Provinz-Jahrmarktsattraktionen. Immer wieder werde ich mit "Hollo?!" angesprochen. Hier in der Provinz ist es wieder schlimmer als in der Großstadt und zugleich ist das ja das Schöne an China: dass man sich immerfort fühlen darf wie Brad Pitt oder George Clooney, wenn die sich irgendwo in der Öffentlichkeit zeigen. Abgesehen davon, dass die ja in dieser Gegend auch nicht viel bekannter sind als ich, kennen sie das bestimmt auch, dass sich Menschen in ihrer Gegenwart einfach nicht mehr normal verhalten, auch wenn sie sich nicht trauen, das Wesen vom anderen Stern, das ihnen das unberechenbare Schicksal da über den Weg laufen lässt, direkt anzusprechen. Erst mal - in ungefähr 25 Prozent der Fälle - wird immer getuschelt: "Guck mal der Ausländer da!" ("Guck mal, ist das nicht der Clooney?"). Wer ahnt denn schon, dass Clooney Chinesisch versteht, der hat doch andere Sorgen. Fast ebenso häufig werfen Menschen, vor allem der jüngeren Generation, ihrem chinesischen Gegenüber unvermittelt die paar Brocken Englisch an den Kopf, die sie beherrschen: "Thank you!", "Oh, very nice!" oder so. ("Zeigen wir dem Clooney mal, dass wir Englisch reden können, dann gibt er uns vielleicht von sich aus ein Autogramm.") Und dann kommt es  bei den ganz Mutigen - morgen mehr dazu - auch immer wieder, aber alles in allem doch selten zu den klassischen Promi-Urlaubsbildern. ("George Clooney und ich auf dem Gipfel des Huangshan-Gebirges.") Ja, so fühlt es sich an, in der Öffentlichkeit immer erkannt zu werden! Oder doch immer öfter. China ist eben ein Land, das sich rasant entwickelt!

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Dienstag, 30. September 2008

Unterwegs zu den Gelben Bergen
Von DM, 23:59

Endlich habe ich es geschafft, ein bisschen hinter die Funktionsweise des Programms namens Access zu schauen, bei dem nomen nicht omen ist und mit dem die Bücher der Leihbibliothek verwaltet werden. Ich bin ja einen wesentlichen Teil meiner Arbeitszeit als Bibliothekar tätig. Meine Vorgängerin hat sich das Programm selbst beigebracht und kann mir nicht viel helfen. "Ausprobieren", rät sie per E-Post. Ein Scheitern hätte bedeutet, dass ich weniger klug bin als sie. Aber wer mal versucht hat sich ein komplexes Computerprogramm allein nach der Versuch-und-Fehler-Methode zu erschließen, der weiß, was ich in den letzten Wochen nervlich durchgemacht habe. Nun aber: der Durchbruch. Stundenlang trage ich die Angaben des ganzen Monats nach. Bis halb vier morgens.

Nach langem Schlaf kommt die neuen Mensa-Karte zum Einsatz. Aber das hätte ich nicht erwartet: Die Mensa ist ein nicht enden wollendes überdachtes Straßenrestaurant mit einer endlosen Vielzahl an kulinarischen Köstlichkeiten zur Auswahl an einer Quer- und einer Längsseite des großen Saales. Divide et impera, ist wohl der Wahlspruch der Köche...

Im Bus neben mir sitzt ein sehr freundlicher junger Mann, der in Wuhan Telekommunikation studiert hat und als Computerprogrammierer in Nanjing arbeitet. Er will mit einem Freund eine Fahrradtour in der Gegend um Huangshan machen. Sein Englisch ist sehr ordentlich. Eine Unterkunft hat er auch noch nicht. Und er macht mir auch wenig Hoffnung, dass ich in derselben Nacht noch eine finde. Ich frage mich, worauf ich mich da wieder eingelassen habe. Ich bin schon mal nachts um eins irgendwo in der chinesischen Provinz gestrandet und musste mir die Nacht frierend in einem Bus um die Ohren schlagen. Allerdings war das im Februar. Dafür ist es hier in Huangshan-Stadt schon halb zwei.

Die ersten Versuche sind in der Tat ernüchternd. Überall, wo ich zu so später Stunde eintrudele, ernte ich nur Kopfschütteln. Ich bin schließlich nicht die einzige Person im Reich der Mitte, den die Ferientage zu einem Ausflug in die legendären Berge verleitet haben. Aber, he, es ist ja schon der 1. Oktober! Das darf hier gar nicht mehr stehen!

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Montag, 29. September 2008

Rohrkrepierer
Von DM, 23:59

Meine Naivität kennt mal wieder keine Grenzen, als ich mich eine  Stunde vor dem Start eines Busses nach Huangshan, den legendären Gelben Bergen im Süden der Provinz Anhui, von meinem Domizil auf den Weg mache. Eine Viertelstunde geht noch drauf, weil ich einen wichtigen Brief mit meinem Arbeitsvertrag nach Peking schicken muss. Fünfzehn Minuten braucht die Schaltertante mit studentischer Hilfe, um meine englischen Buchstaben zu entschlüsseln und tauglich für den Sino-Versand zu machen. Schaffe ich es wohl noch zeitig bis zum Busbahnhof? Bei dem Massenauflauf am Bahnhof (gleichzeitig U-Bahn-Station) dämmert mir schon: Das wird knapp. Zusehends verbreitern sich die Ströme in Richtung Busbahnhof. Halb China ist unterwegs. Auf dem Platz vor dem Busbahnhof: ein einziges Gewimmel von Menschen. Ich muss in eine lange Schlange. Wenige Minuten vor Abfahrt des Busses, den ich eigentlich nehmen wollte, habe ich eine Fahrkarte ergattert: für morgen Abend 19.30 Uhr. Früher gab es nichts mehr! Mein Plan, mal eben schnell mit Sack und Pack auf Tour zu gehen: ein echter Rohrkrepierer. Eigentlich hätte ich es wissen müssen...

Also ein Urlaubstag in Nanjing. Ich wandere die Außenseite der gewaltigen, sechs bis sieben Meter hohen Stadtmauer, mit über 30 km eine der längsten erhaltenen Chinas oder sogar der Welt, entlang: Vor mir liegt der herrliche Xuanwu-See, eine Art chinesische Außenalster mit vier Inseln, die man über Dämme und Brücken erreichen kann. Herrlich, wie die das immer machen! Den Park verlasse ich an der Stelle, wo wir die Stadtmauer schon am 13. September besichtigt haben. Mein Orientierungssinn erwacht eigentlich erst jetzt, wo ich die Stadt auf eigene Faust erkunde. Zum Glück ist es nicht mehr so heiß und ich bin mit meinem ersten Ferientag eigentlich noch ganz zufrieden. Immerhin ist der Brief weg!

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Sonntag, 28. September 2008

Der Sonntag, der ein...
Von DM, 23:59

... Montag war. Das ist die Überschrift für diesen Tag, an dem ich, wie angekündigt, meine Kurse vom Montag unterrichten durfte. Wenigstens bekomme ich am Nachmittag endlich meine Mensa-Karte und kann nun also ab sofort in den Genuss der von den Studenten hoch gelobten Mahlzeiten dort kommen.

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Samstag, 27. September 2008

Unter Tage
Von DM, 23:59

Sabina, seitenverkehrt, ist das Erste, was ich nach dem Aufstehen zu sehen bekomme. Sie lugt vorsichtig seitlich durch die gläserne Wohnzimmertür, ob sich schon was regt. Danach sehe ich nicht mehr viel von ihr. Sie muss zum Unterricht. Ich schlafe noch eine Runde weiter und mache mich gegen 11 Uhr auf den Weg zum Bahnhof, wo ich Punkt 12 Hongzhen und Fenghua treffen soll. Zwar erreiche ich mit der Untergrundbahn fast rechtzeitig das Ziel, aber dann verliere ich die Orientierung, glaube, dass ich am falschen Ende des Bahnhofs herausgekommen bin, weil ich nichts wiedererkenne. Ich kehre um, lande auf der total öden Nordseite, wo eine Baustelle ist, gehe wieder unter Tage, tauche wieder auf, wieder Ödland, lande auf der unterirdischen Optikermeile: Menschen, Brillen und Linsen, soweit das Auge reicht. 25 Minuten später bin ich dann durchgeschwitzt wieder am Ausgangspunkt, aber von Hongzhen und Fenghua natürlich weit und breit keine Spur. Ich setze mich auf die Metallreling vor dem Fahrkartenverkauf und denke an die zig Male, wo ein verabredetes Treffen mit mir bereits gescheitert ist. Da stehen sie auf einmal vor mir. Fenghua habe mich als Erste entdeckt, bekundet eine sehr erleichterte Hongzhen fröhlich. Fenghua hat eine gewaltige neue Brille auf, als sei sie selbst gerade unter Tage bei den Optikern gewesen. Ein Glück!


Zum Dank für den unerwarteten (?) Stress lädt Fenghua (im Bild links) alle zum Essen ein. Vorher kaufe ich noch das Billett; dabei muss ich mich in die Reihe neben mir schieben, weil kurz vorm Ziel der Schalter mit meiner Schlange Mittagspause macht. Ein wenig begeisterter Herr, der gerade noch vor mir war, greift mir energisch an die Schulter, aber ich bin ja der Mann mit der Stahlschulter, das kann er nicht wissen. Beim Abschied überreicht mir Fenghua noch ein Tütchen mit Schokoladenartikeln vom Feinsten. Lehrer ist man eben immer. Das ist wie mit Eltern, die bleiben es auch bis ans Ende ihrer Tage. Und wenn sie (offiziell) nicht mehr im Dienst sind, sind sie die Besten!

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Freitag, 26. September 2008

Odyssee mit Nina
Von DM, 23:59

Nina (23) ist für ungefähr drei Monate in Schanghai und macht ein Unterrichtspraktikum, und Nina sollte Recht behalten. Nach dem unerwartet in die Länge gezogenen und also gar nicht so kurzen Kurzfilmfest des Goethe-Instituts (schuld daran war das recht appetitliche Büffet nach der Filmvorführung und mein Wiedersehen mit dem Dokumentarfilmer und Medienkunst-Professor Lothar Spree, dessen Gastprofessur in Schanghai nach fünf Jahren dieses Jahr zu Ende geht und den ich 2004 in Hangzhou kennen gelernt hatte) hatten wir uns gerade an der U-Bahn von Hongzhen verabschiedet, da meinte Nina: "Hoffentlich kriegen wir noch'ne U-Bahn!" Großkalibrig antworte ich: "Also, da mach' ich mir ja nun überhaupt keine Sorgen." Prompt werden wir beim Umsteigen Richtung Tongji des Feldes verwiesen. Halb elf und in der größten Stadt Chinas fährt keine U-Bahn mehr zur Uni! Es gebe aber einen Bus Nr. 123, wird uns gesagt. Also auf! An der ersten Station in der uns gewiesenen Richtung steht eine Menschenschlange, aber der Bus, in dem sie sich kurz darauf auflöst, fährt nicht zur Uni. Weiter hasten wir durch die Nacht. "Lost in transition", witzele ich. Notfalls könnte man ja auch ein Taxi nehmen, aber das ist unsportlich. Wir bekommen die Richtung wieder gewiesen, wieder viele Leute, wieder keine 123. Wir hasten weiter. Als die nächste Station in Sicht kommt, liest Nina: "123!" Da ich kein Kleingeld habe, schenkt mir Nina ihre letzten Maos (chines. Cent), das Geld lasse ich in den Kasten beim Fahrer klimpern, der wohl gerade irgendwo draußen eine raucht. So merkt er nicht, dass mir vier Maos zum Fahrpreis fehlten... Um Mitternacht stranden wir in einer auf Westlich getrimmten Bar, wo Ninas Freundin Jenny zwei feschen Typen gegenüber sitzt. Außerdem dabei: eine Deutschfranzösin, die in der Nähe von Annecy geboren ist und im Wohnblock neben dem von Sabina wohnt. Sie übernimmt es, da sie sowieso heim möchte, Nina abzulösen und mich zur Unterkunft auf dem Wohnheimgelände der Uni zu lotsen. Unterwegs kaufe ich geistesgegenwärtig noch schnell Zahnpasta, damit ich nicht schon wieder Sabinas teure Sensodyne benutzen muss. So viel Zeit muss sein! Endlich am Ziel finden wir beide verrammelte Eingangstüren vor und müssen über das nebenan gelegene Gästehaus erst noch den Schlüsseldienst herbeirufen lassen. Reichlich erledigt versinke ich in Sabinas Wohnzimmercouch, meinem Nachtlager.

Und so hatte der Tag zehn nach acht begonnen: Sabina scheint auch nicht so der Frühaufsteher zu sein und hätte fast verschlafen. Fünfzehn Minuten bleiben für Frühstück und Morgentoilette. Eigentlich wollten alle mit der U-Bahn fahren, aber bis auf Nina und eine andere Kollegin, die uns später mit Karte sicher ans Ziel führen wird, sind die anderen schon mit dem Taxi zum Deutschlehrertag gefahren. Die Fortbildungsveranstaltung des Generalkonsulats in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut findet in dessen Sprachtrainingscenter statt. Einige Verlage stellen ihre Lehrwerke aus und das Ganze beginnt mit einem Vortrag über verschiedene Intelligenztypen und Lernsysteme. Das mit den unterschiedlichen acht oder neun Intelligenzen (intrapersonale, interpersonale [über sich selbst und andere reflektieren können], mathematisch-analytische, räumliche, sprachliche, naturalistische und ein paar andere, die ich vergessen habe) finde ich sehr aufschlussreich; schließlich kriege ich bei klassischen Intelligenztests immer eher unbefriedigende Leistungen bescheinigt, weil ich für die Lösungen immer zu lange brauche. Umso ärgerlicher, dass mir wenig später die Tasche mit dem Skript zum Eingangsreferat und einigen wichtigen Notizen gestohlen wird, als ich auf Klo bin. Die Seminare zum Lernen empfinde ich ob einiger gruppendynamischer Übungen z.T. als etwas kindisch. Die chinesischen Teilnehmer(innen) sind umso begeisterter. Aber, apropos Chinesen, wo ist eigentlich Hongzhen (im Bild ganz unten im Hintergrund zu sehen)? Ich hatte doch meine Ex-Studentin zwecks Wiederbegegnung mit mir und anderen Deutschen herbestellt. Ich bitte Sabina um ihr Mobiltelefon und klingele in der Pause mal durch: "Wieso bist du noch nicht hier?" Wenig später ist sie da, findet mich aber nicht, weil ich schon wieder in so'ner Werkstatt komische gruppendynamische Übungen mache. Als sie mich in der Pause dann doch zufällig entdeckt, stecke ich sie selbst in so eine Gruppe, wissend, dass ihr so was gefallen wird. Und ich behalte Recht.

Am frühen Abend stoßen Hongzhen und ich dann wieder zu den üblichen Verdächtigen. Wie finden wir die? Auf Hongzhens Telefon ist durch meinen Anruf bei ihr Sabinas Telefonnr. gespeichert. Die kleinen Dinger sind doch praktisch! Sabina hat sich mit einigen DAAD-Kolleginnen und dem Kollegen Rainer ins Restaurant gegenüber begeben. Zum Filmabend gehen aber schließlich nur Nina und Hongzhen und ich, weil die anderen zu müde sind. Sabina muss außerdem am morgigen Sonnabend unterrichten (ebenfalls wegen der Feiertagswoche), und das schon um acht! Weil Hongzhen sich in der Richtung irrt, als wir aus der U-Bahn kommen, sind wir eine halbe Stunde zu spät. Wir kriegen im Vorführraum, der alles andere ist als ein Kinosaal, nur noch Plätze auf dem Boden (meine armen Kniee), haben aber nur zwei Filme verpasst. Fazit: Nicht ein einziges Mal habe ich es an diesem Tag irgendwohin pünktlich geschafft.

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Donnerstag, 25. September 2008

Auch Chinesen haben Nerven!
Von DM, 23:59

So ruhig saß er da, mein Sitz-Nachbar im Schnellzug nach Schanghai (eine Art chinesischer ICE, braucht 2 Stunden zehn Minuten bis Schanghai). Ihn schien das Gedudel des Mannes auf der anderen Seite eine Reihe hinter uns nicht zu stören. Der, ein etwa 50 Jahre alter Mann, spielte seit geraumer Zeit mit seinem Mobiltelefon ein Spiel mit den typischen elektronischen Nervgeräuschen. Plötzlich steht der Mann neben mir auf und blafft den Herrn an. Ich habe nicht alles verstanden, aber das Wort "Mobiltelefon" (chines. shouji="Handgerät") fiel auf jeden Fall. Der Angesprochene erwiderte irgendwas Empörtes, spielte noch eine Weile weiter und hörte irgendwann auf...

Sonst gab es keine nennenswerten Zwischenfälle auf der Reise nach Schanghai. Von der U-Bahnstation, die meine Schanghaier DAAD-Kollegin Sabina mir empfohlen hatte, fand ich mühelos zur Tongji-Universität. Hier wimmelt es nur so von Deutschen, denn zur Tongji gehört das Chinesisch-deutsche Hochschulkolleg. Eine Deutschlern-Hochburg also. Am Abend speist ein entsprechend großer Haufen Deutscher in einem koreanischen Restaurant.

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Mittwoch, 24. September 2008

Noch´n Galadiner...
Von DM, 17:38

Ich wage kaum es auszusprechen, aber nächste Woche habe ich erst mal eine Woche frei und heute Abend war ich gemeinsam mit den anderen ausländischen Lehrkräften schon wieder zu einem Galadiner eingeladen. Diesmal aus Anlass des Nationalfeiertages (59. Gründungstag der V.R. China). Der ist zwar erst nächsten Mittwoch, aber da sind wir ja alle im Urlaub!
Es gab einen hochgradig vornehmen Empfang mit mehreren Dutzend Köstlichkeiten (Büffet) im Festsaal eines der vornehmsten chinesischen Restaurants hier in der Stadt. Die Partei hat´s ja... Dazu spielte Musik und der Vizepräsident der Provinz Jiangsu hielt eine Rede, in der vor allem die erstaunliche Öffnung und das gewaltige Wachstum Chinas in den letzten Jahrzehnten lobend hervorgehoben wurden, ebenso, versteht sich, der Beitrag internationaler Partner dazu. Die Rede ging aber im allgemeinen Gebrabbel der versammelten internationalen Gäste total unter. Bis auf das allgemeine Prosit.
Diesmal lernte ich noch zwei frankophone Kollegen kennen, einen Belgier und einen Franzosen. Außerdem Alex aus Louisiana, wo man auch noch etwas Französisch spricht. Der Belgier reist auch schon sein halbes Leben von Kontinent zu Kontinent und spricht 5 Sprachen. Er hat außerdem alle Asterix-Alben als Hardcover. Zu uns gesellte sich dann noch eine sehr sympathische Kollegin aus der Japanisch-Abteilung der School of Foreign Studies, zu der auch unsere Deutsch-Abteilung gehört. Sie war auch auf dem Ausflug (siehe Eintrag vom 14.9.) dabei. Ihr Englisch ist makellos. Als ich gerade noch mal eine Götterspeise zum Nachtisch holen wollte, blies der Chef des Büros für internationale Fachkräfte völlig überraschend bereits zum Aufbruch. Ich hastete also schnell noch mal in den Saal und nahm mir noch fünf Minuten für die letzten Delikatessen. Ich glaube, ich weiß jetzt endlich, wozu ich einen Dr.-Titel habe!
Aber nun mal zurück auf den Boden der Tatsachen: Geschenkt ist die Nationalfeiertagswoche nicht. Wir sind ja hier nicht beim Laubhüttenfest! Wie ich eher beiläufig von Studenten erfuhr, muss ich am Samstag und Sonntag die insgesamt sechs Unterrichtsstunden von Montag und Dienstag "vorholen", die wegen der Feiertagswoche entfallen. Dabei wollte ich übers Wochenende nach Shanghai zum Deutschlehrertag des Goethe-Instituts. Zum Glück konnte ich den Sonnabend noch tauschen. Man war da wieder sehr kulant. Morgen bin ich dann also erst mal wieder weg.

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Dienstag, 23. September 2008

Was war bloß mit Podorsiki los?
Von DM, 23:59

Am Vormittag ging es zur Polizei: Ich musste meinen chinesischen Pass, das so genannte Foreign Experts Certificate in Empfang nehmen. Kostenpunkt: 400 Yuan. Jährlich. Dabei hat das Ding weniger Seiten als ein chinesisches Schreibheft und ist auch viel kleiner.
Die Bayern-Fan-Studentin ist in Sorge um Klinsmann und hat mir ein Beileidstelegramm geschickt. Ich drucke einen unkorrigierten Auszug:
Sehr geehrter Herr Professor Mehrens, vor zehn Minuten habe ich das furchtbare Spiel gesehen. Es ist ein Alptraum! Was ist da los mit Podolski und Schwager? Was der Abwehr des Bayerns passiert? Ich kann nicht verstehen, warum podorsiki im Bayern nicht so gut wie in der Bundesmannschaft spielen kann. Noch eine Meinung: Karn soll nicht so früh aus Bayern ausscheiden, mindestens nach diesem Spiel!
Ihr deutscher Name ist Julia und so sieht sie auch aus. Man könnte sie ohne Zögern für die weibliche Hauptrolle in Shakespeares berühmtestem Stück besetzen - das ja genauso tragisch ausgeht wie Bayern gegen Bremen letztes Wochenende.

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Montag, 22. September 2008

Deutsche Kultur und Geschichte
Von DM, 23:59

So lautet der Titel des Kurses für die Fortgeschrittenen, den ich heute zum ersten Mal unterrichtet habe. Für mich ein willkommener Anlass, angefangen bei Martin Luther, auf Weichenstellungen und Fehlentwicklungen hinzuweisen, die sich auf unser Europa heute besorgniserregend auswirken. Mein Ziel ist es, am Ende bei der aktuellen Werte-Debatte in Deutschland anzukommen. Das ist ja ein Problem, das China (bei einem anderen geschichtlichen Verlauf) auch hat. Und woher sollen nun Werte kommen, wenn der Humanismus und die Aufklärung versagt haben (letztere ja schon 1793)? Da wird es spannend. Denn es geht eine direkte Linie von Rousseau zu Marx. Die Studenten waren jedenfalls sehr aufmerksam bei dieser Veranstaltung, die am ehesten von allen meinen Kursen den Charakter einer Vorlesung haben wird.

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Sonntag, 21. September 2008

Volles Haus
Von DM, 23:59

Dieser Sonntag verlief wesentlich erfreulicher als der letzte. Ich habe die St.-Paul-Gemeinde (eine andere als die der letzten Woche) gesucht und gefunden! Im Internet habe ich von dieser Gemeinde gelesen, die einen englischsprachigen GoDi anbietet. Als ich ankam, fühlte ich mich erinnert an das, was ich gerade in der Biografie von Samuel Lamb, dem Leiter der mutmaßlich größten Hausgemeinde in China gelesen hatte (Buchtipp: Ken Anderson: Niemals allein, gerade erschienen): Noch vor dem gerammelt vollen Gebäude saßen draußen Besucher auf Bänken, die einer Lautsprecherübertragung lauschten. Ich folge Fingerzeigen in ein Obergeschoss und denke, ich bin im GoDi-Saal, aber alles, was da vorne im Altarraum zu sehen ist, sind zwei Fernsehgeräte, die den eigentlichen GoDi übertragen. Mit Mühe finde ich noch einen Platz. Nur ein englisches Wort, das finde ich weit und breit nicht! Verstehen kann ich also fast nichts, aber - gutes Zeichen - der Name Jesus fällt öfter als bei vielen vergleichbaren Anlässen in Deutschland. Der GoDi ist bald zu Ende und ich lasse mich mit dem Menschenstrom nach draußen ziehen. Viele Chinesen bleiben indes betend und kniend zurück. Draußen bemerke ich dann, dass ich mich nur in so einer Art Anbau befunden habe; die eigentliche Kirche St. Paul bietet ungefähr so vielen Leuten Platz wie unsere Katharinenkirche und war natürlich auch noch rappelvoll. Ich wandere umher und frage nach einem englischsprachigen GoDi und siehe da, der, so wird mir mitgeteilt, beginne gleich, nämlich um halb elf (sehr christliche Zeit). Nach dem GoDi - als Predigerin war eine Theologie-Lehrerin aus den USA zu Gast, die seit 1992 an einem theologischen Seminar hier in China lebt und wirkt; die GoDi-Besucher sind zumeist Chinesen, die ihr Englisch schärfen wollen - also, nach dem GoDi spricht mich Emilie an, eine Trainerin für Lebensmittelkontrollen. Ich frage gleich nach Tipps zum Thema Milch und sie empfiehlt mir Joghurt zu trinken.
Am Nachmittag spiele ich Fußball mit einigen Deutsch-Studenten und Hauke Hückstädt, dem Manager eines Literaturhauses in Göttingen (die Uni Göttingen ist die Partner-Universität der Uni Nanjing), der im Auftrag des Goethe-Instituts vier Wochen in Nanjing zu Gast ist, um die Studenten über Literatur in Deutschland zu instruieren. Dazu gibt es für die fortgeschrittenen Studenten jeden Mittwoch einen Salon, eine lockere Gesprächsrunde, zu der ich mich in den letzten beiden Wochen dann auch eingefunden habe. Ähnlich wie ich läuft Hauke mit einem Handicap herum: Er hat nach einem Sportunfall und Bruch eines Handwurzelknochens einen Draht in der Hand, ich die bekannte Platte in der Schulter. Beim Fußball bleiben wir beide im Rahmen unserer Möglichkeiten. Hauke profiliert sich als Flügelflitzer und ich zeige wieder mal, dass ich im Grunde am Ball nichts kann und trotzdem irgendwie immer wieder mal zur rechten Zeit an der rechten Stelle stehe. Und darauf kommt es ja im Leben schließlich an.

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Samstag, 20. September 2008

Bundesliga live?
Von DM, 23:59

China ist immer wieder für eine kulinarische Überraschung gut. Neueste Entdeckung: mit Maiskörnern gespickte Wurst. Als ich die gelbe Zeichnung auf der Packung sah, reichte meine Fantasie nicht aus, um mir vorzustellen, was das für´ne Wurst sein könnte. Schmeckt aber ausgesprochen gut. Und mal ehrlich: Wärt ihr auf so was gekommen? Auf jeden Fall viel besser als Bohnen in Vanille-Eis!
Am Nachmittag gab es heute auf Einladung eines der jüngeren Lehrer, Herrn Li, eine kleine Party in einem Café hier um die Ecke. Ich hatte mich durchgefragt und mal wieder für Verstörung gesorgt, weil mich einige an einem Treffpunkt abholen wollten, ich aber nicht kam. Ich hatte gedacht, das sei ein Angebot für dramatische Notfälle. Verstört trafen mich Herr Li und ein Student des Jahrgangs 07 im Café an und meinten, sie hätten lange auf mich gewartet... Das Ziel der Veranstaltung, die in einem Restaurant mit anschließendem Karaoke-Spaß ausklang, war, chinesische Deutsch-Lerner und deutsche Chinesisch-Lerner zusammenzubringen. Mit Hilfe einer Liste, die Bonn mir vorab zur Verfügung gestellt hatte, hatte ich mit eingeladen. Während auf der Liste zu 80 bis 90 Prozent männliche Studenten standen, sind meine Studenten zu knapp 80 Prozent weiblich. Passte also prima. Viele gingen mit einem Sprachpartner bzw. seiner E-Mail-Adresse wieder heim. Mission accomplie!
Während andere sich in Karaoke (chinesisch: "Kalaokay") versuchten, erwartete ich mit Spannung das Spiel Bayern gegen Werder. Ich weiß ja auch nicht, woran das liegt, aber immer wenn ich diese Paarung nach Überwindung größter Widerstände im chinesischen Fernsehen sehe, gibt es eine Katastrophe. Es begann damit, dass es schon mal gar keine Live-Übertragung auf dem staatlichen Fernsehsender CCTV-5 gab, ich also erst mal in die Röhre schaute. Dann funktionierte der Live-Ticker am Computer nicht, das Bild lud nicht richtig. Aber immer wenn doch mal was auf dem Bildschirm erschien, hatte Werder zwei bis drei Tore mehr. Um 17 Uhr deutscher Zeit (bei uns 23 Uhr) stand auf dem Bildschirm: 5:1 für Bremen. Da begann nun auch die zeitversetzte Übertragung des Spiels auf CCTV-5 und ich hatte die dankbare Aufgabe, mir den Mist anzuschauen. Immerhin waren die letzten fünfzehn Minuten ja sogar noch ein bisschen spannend: Schafft Bayern noch das 2:5? Fazit dieses Tages: Jeder blamiert sich so gut, wie er kann. Und wir reden hier nicht von Karaoke!

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Freitag, 19. September 2008

Steter Tropfen...
Von DM, 23:59

Ich hatte sie ja gewarnt, die beiden Studenten, die sich leichtsinnigerweise bereit erklärt hatten, mich zum Flughafen zu begleiten, um die Formalitäten am Zoll zu erledigen. Einer der beiden sieht aus wie die chinesische Variante von Leonardo DiCaprio, der andere ist mehr der Joaquin-Phoenix-Typ. Machen wir den Bericht nicht so lang, wie die Ereignisse sich angefühlt haben, die ihm zugrunde liegen: Also, das Ganze dauerte sechs Stunden, wir waren vor Einbruch der Dunkelheit nicht wieder zu Hause und unsere Beine haben wir uns am Flughafen abgelaufen. Zunächst mal ist zu sagen, dass der Nanjinger Flughafen von Nanjing etwa so weit entfernt ist wie die Erde vom Mond - macht hin und zurück schon mal zwei Stunden -, und dann lief das Ganze ab wie in dem Asterix-Film Sieg über Cäsar, als Asterix und Obelix in irgendso´ner römischen Behörde landen. Ich habe mitgezählt: Zwölf Mal wurden wir von Pontius zu Pilatus geschickt, es gab insgesamt sieben Stationen, zwischen denen wir hin- und herpilgerten, um hier noch einen Stempel und da noch ein Formular zu bekommen. (Einiges haben die Jungs auch ohne mich gemacht, um  mich zu schonen, also plus X!) Man konnte nicht über Los gehen und statt 2000 Mark einzuziehen, musste ich noch 150 Yuan Gebühr entrichten. Leos weißes Hemd sah schon nach der ersten Station aus, als wäre er damit in einen Swimmingpool gesprungen (was er sicher auch gern getan hätte), und das ist bis sieben Uhr abends auch nicht mehr viel besser geworden. Joaquin meinte nur kopfschüttelnd, er verstehe das alles auch nicht, vielleicht wegen Olympia? Die armen Jungs! So hatten sie sich den Tag sicher nicht vorgestellt. Nur mich hat das Ganze natürlich überhaupt nicht überrascht. Letztes Mal in China habe ich vier Monate auf mein Fluggepäck gewartet! Damals wurden die zwölf Stationen im Wochentakt und per Post abgewickelt, weil das Gepäck in einer anderen Stadt lag. Was lernen wir aus der Lektion des heutigen Tages? Steter (Schweiß-) Tropfen höhlt den Stein.

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Donnerstag, 18. September 2008

"Giftige Milch"
Von DM, 16:16

Ich hatte mich nach meiner Ankunft schon gewundert, dass ich meine Standard-Milchpulvermarke in China nicht finden konnte. Nur teurere Pulver waren erhältlich. Nestlé - kaufe ich sonst nie. Als Erstes habe ich mich mal vergriffen und sehr billiges Milchpulver gekauft, das sich dann auch überhaupt nicht auflöste und auch ganz komisch schmeckte... Wie ich später herausfand, war das Sojamilchpulver! Darüber ist kein Pansch-Skandal bekannt.
Sicher habt ihr daheim auch schon vom großen chinesischen Milch(pulver)panschskandal gehört, der Dimensionen hat wie damals der Weinpanschskandal in Deutschland. Gepanschter Wein ist mir viel lieber, denn Wein finde ich bekanntlich schrecklich und trinke ich höchstens mal beim Abendmahl, Milch dagegen literweise und in China regelmäßig unter Verwendung von... Milchpulver.

Mit der Betreffzeile "Giftige Milch" wurde nun eine Information, die vom deutschen Botschaftsarzt in Peking verfasst wurde, an alle DAAD-Hochschullehrer weitergeleitet. Zum Glück sind die bisher von mir konsumierten Marken nicht auf der Liste der 22 chinesischen Firmen, deren Milchprodukte laut Information bei einem Test die verbotene Substanz aufwiesen. Ich habe das gerade überprüft. Absonderliches schrieb eine Kollegin dazu: Sie sei begeisterte Cappuccino-Trinkerin und habe folgende Merkwürdigkeit entdeckt: Es gebe in China "Milch, die man NICHT zu Milchschaum aufschäumen kann. Jene Milch kocht auch nicht über, die Milch kocht und kocht und läuft NICHT über. Mein Entsetzen war groß, als ich dieses widernatürliche Phänomen sah."
Zu einem erfreulicheren Thema: Ich habe die Nachholstunden heute ohne Verspätung oder Versäumnis absolviert.
Und noch eine gute Nachricht: Mein Fluggepäck (vor allem Wintersachen und Bücher) liegt am Flughafen beim Zoll. Morgen soll ich das mit einem Studenten holen. Ich bin fast sicher, irgendwas wird da wieder schief gehen. Mehr in Kürze HIER!

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