| |
Randfigur
Heute auf der Fachbereichssitzung habe ich nur Bahnhof verstanden. In der auf Chinesisch geführten Unterredung war ich so 'ne Art Edel-Statist. Auch auf den Fotos, für die wir vorher vor dem Uni-Hauptgebäude posierten, bin ich, passend dazu, nur eine Randerscheinung oder versuche mich als Mann im Hintergrund. In voller Größe ist der Schnappschuss vom Deutsch-Kollegium zu sehen, wenn man diesen Satz anklickt.

Messe monetärer Möglichkeiten
Der gestrige Dienstag und heutige Mittwoch standen ganz im Zeichen der Bildungsmesse CIEET 2009. Das Ganze muss man sich vorstellen wie beim Christival in der Halle mit dem Markt missionarischer Möglichkeiten, nur dass es hier eben nicht um den Markt missionarischer Möglichkeiten geht, sondern um den Markt universitärer Möglichkeiten. In einem gewaltigen Saal des Grand Metro Park Hotels, das früher Hilton hieß und auch genauso aussieht, wie man sich ein Hilton vorstellt, nur teurer, reihte sich ein Stand an den anderen, präsentierte sich eine Vorzeige-Universität, namentlich aus den USA, neben der anderen. Wir dagegen repräsentierten mit nur einem Stand gleich sämtliche Universitäten Deutschlands. Da sieht man schon die Unterschiede im Bildungssystem. In den USA sind die Universitäten doch etwas kommerzieller angelegt. Man könnte so gesehen auch sprechen von einem Markt monetärer Möglichkeiten. Denn wer soll das bezahlen? Notabene: In Deutschland gibt es an vielen deutschen Unis weiterhin keine Studiengebühren. An der Seite meines (in punkto Studienberatung viel kompetenteren) Kollegen, dem Leiter des Informationszentrums Schanghai, und seiner chinesischen Mitarbeiterin (die die meiste Arbeit mit den heranstürmenden Chinesen hatte), betreute ich, angereist im grauen film-o-meter-Jackett, also unseren Ausstellungsort mit, hinter uns Riesenplakate mit dem Kölner Dom und Schloss Neuschwanenstein. Und da wir mit unserem Stand für ein ganzes Land mit seinen Studienmöglichkeiten standen, konnten wir uns über mangelnde Kundschaft nicht beklagen. So hätte das mal früher am Büchertisch der SMD an der Uni sein sollen! Sogar meine eigenen Studenten schauen zu meiner Freude vorbei (sie waren sogar vor mir da und haben schon nach mir gefragt) und stauben eine Mütze mit der Aufschrift "Deutschland und China gemeinsam in Bewegung" ab. Die Dinger lagern seit meiner Ankunft kartonweise in der Bibliothek.
Ja wie, fragt ihr, das war alles? Nichts passiert, keine Pleite, kein Pech, keine Panne? Nun, sagen wir: fast keine. Denn leider bin heute zum ersten Mal in meinem Leben (oder fast) vom Wege abgekommen. Will heißen: Ich dachte, der Bus mit der 25 geht bestimmt auch. Immerhin ist doch 5 mal 5 = 25. Nummer 5 ließ nämlich auf sich warten und ich war sowieso schon spät dran. Ich sitze also in der 25 und freue mich. Die Richtung stimmt. Doch dann biegt der schräge Fahrer ganz unvermutet ab und fährt nach Süden! Ich denke: Na, der fährt sicher nur einen kleinen Schlenker und findet danach auf den rechten Weg zurück. Machen wir's kurz: Ich kam über eine Dreiviertelstunde später an, weil ich zu Fuß durch die halbe Stadt zurück musste. (Ich wollte nicht noch mal in den falschen Bus steigen.) Aber der Mensch denkt, Gott lenkt: Da ganz in der Nähe, im Nanjinger Museum, einst im fernen September ja die Bauhaus-Layout-Ausstellung war (siehe Eintrag zum 15.9.), konnte ich mich prima orientieren und die ein bis zwei oder drei Kilometer Irrweg quasi mühelos zurücklegen. Dabei ging es sogar noch vorbei an einem netten Teich, den ich noch gar nicht kannte, allerdings aus Zeitgründen auch nicht groß würdigen konnte. Das film-, äh, sin-o-meter-Jackett erwies sich dabei übrigens als grandios hinderlich. In der Sonne geht es hier inzwischen schon hart auf die 20 Grad zu!
Kollegin Katja
Heute Nachmittag treffe ich im edel ausgestatteten Kunst-Café Sculpting on Time, das natürlich sie ausgesucht hat, obwohl es bei mir um die Ecke liegt, meine Grazer Kollegin Katja, die Deutsch an einer Universität für Kommunikation und Medien im Süden der Stadt lehrt. Katja nennt die Gegend mit dem Charme, den man ihrem Studienort Wien nachsagt, auch gern "Walachei". Sie hat Großes vor bzw. Großes steht ihr bevor: Im Mai kommen, als Gast der Bosch-Stiftung, in deren Diensten sie steht, der Walser-Biograf Jörg Magenau und der Schriftsteller Marcel Beyer nach Nanjing. Selbst letzteren kennen aber nur literarisch Interessierte, z. B. ich. Im Oktober und November habe ich zwei Bücher von ihm gelesen (und auch am 23.10. im sin-o-meter darüber geschrieben), ohne zu wissen, dass er nach Nanjing kommen würde. Wie sage ich doch immer: Der Mensch denkt...
Mit uns am Tisch sitzt auch Katjas mit ausgereister Lebensgefährte, der graduierte Pharmazeut Gerald, der sich als nicht minder erfreulicher Gesprächspartner erweist und mir prompt ein paar Chinesischkurse und Comics auf einen leihweise abzugebenden ÚSB-Stab kopiert. Katja und Gerald erwarten mich alsbald in der Walachei.
Kuchen und Clementinen
Professor Hong schneit, nein, regnet herein. (Seit Tagen fühlt man sich hier wie Noah kurz nach Vollendung der Arche.) Bewaffnet ist er mit mehreren Kilogramm Kuchen und Clementinen. Und mein erster Gedanke ist: Der hat bestimmt sin-o-meter gelesen und will Wiedergutmachung leisten! Jedenfalls, das war zu befürchten, steht die nächste Konsultation an. Ich schieße noch einen Giftpfeil auf die dubiose Textvorlage vom letzten Montag ab, doch der agile Professor weiß mich sofort zu besänftigen: Diesmal gebe es nichts Bedenkliches, versichert er mir und tatsächlich geht es diesmal, im nächsten Kapitel des Buches über französische Kultur, um die Shakespeare-Figuren Prospero und Ariel, Kleists Prinzen von Homburg, Arno Breker, Jean Cocteau und einen russischen Romanisten. Und da ich die für den Meister-Übersetzer nicht ganz so bekannten Figuren der literarischen Welt gern identifizieren helfe und das für mich kein so großes Opfer ist wie zuvor, gibt es eben statt der Einladung ins Edel-Restaurant diesmal auch nur Kuchen und Clementinen. Dem Ewigen, der über mich wacht, sei Dank.
Warum sich der Osterhase nie in China blicken lässt oder: Willkommen in der Passionszeit!
Das muss jetzt auch noch rein ins sin-o-meter: Auf dem Weg zum GoDi überquere ich gerade wieder einen Zebrastreifen, diesmal den in der Changjiang Lu, und werde fast weggespritzt von einem Straßenreinigungsfahrzeug. Außer Wasser entströmt dem Ungetüm (als so'ne Art Martinshorn für Straßenreinigungsfahrzeuge) die Melodie von Jingle Bells. Tja, da wundert sich keiner mehr darüber, dass der Osterhase sich, anders als der bekannte Herr in Rot, nie in China blicken lässt!
"Congratulations, Mr. Zhou!"
Michael, der Engländer aus Sheffield, für den das Leben offensichtlich "eine einzige große Party ist, zu der man nur hingehen muss" (Martin S.), hat zu einer seiner legendären English Parties geladen. Da ich gerade nichts Besseres zu tun habe, finde auch ich mich erstmals dort ein, nachdem ich zunächst mal wieder etwas orientierungslos herumgeirrt bin, den richtigen Eingang zu dem im ersten Stock gelegenen Restaurant nicht gefunden habe und in einem Internetcafé gestrandet bin.
Rund zwanzig junge Leute sitzen um einen Tisch. Außerdem Michael, der übrigens dieses Jahr sein 70. Lebensjahr vollenden wird, und Geburtstagskind Herr Zhou, der gerade sein 83. Lebensjahr vollendet hat. Ich bekomme den Ehrenplatz neben ihm. Das bedeutet, Pommes und Pizzastücke landen zunächst direkt vor meiner Nase. Rasch komme ich dann auch mit Herrn Zhou in ein sehr angeregtes Gespräch über fundamentale Dinge. Zum Beispiel: Wieso gab es in China dieses schreckliche Erdbeben? Warum ließ Gott Jesus schon nach dreißig Erdenjahren sterben? Und wie kann ein von Menschen geschriebenes Buch göttliche Autorität haben? Ihr seht schon, der Abend war gerettet. Dafür hätten wir die Best-of-James-Last-DVD mit Mitschnitten legendärer Auftritte (Michael ist ein großer Freund von James)gar nicht mehr gebraucht, die im Hintergrund als Endlos-endlos-Schleife lief. Auch die liebenswerte Diana, die in Dublin Englisch lernt und nebenbei als Krankenschwester und Bardame arbeitet, und zwei weitere junge Damen, die an mir ihre Deutschkenntnisse ausprobieren, bleiben da nur Randfiguren. Man muss eben das Wichtige von Unwichtigem trennen können.
Auf dem Weg nach Hause (zu Dortmund gegen Hoffenheim, Endstand 0:0) überquere ich die Guangzhou Lu und wundere mich, was das hier plötzlich so komisch riecht, so nach Terpentin oder Farbe... Und was sollen eigentlich all diese Verkehrshüte auf dem Zebrastreifen? Und da sehe ich schon, dass ich mitten auf einem frisch gepinselten, noch feuchten Zebrastreifen-Streifen stehe! Und dann sehe ich sie, die Maler. Gerade sind sie auf der anderen Seite der Kreuzung am Malen. Und neben dem Maler kniet ein Hilfsarbeiter mit einer Terpentinflasche. Aufgabe: Die weißen Spuren von all den Deppen zu entfernen, die trotz der Hütchen einfach über die frischer Farbe laufen oder fahren. Leute wie mich. Habe doch immer gewusst, dass mein China-Aufenthalt Spuren hinterlassen würde.
Französische Kultur
Das war schon wieder so'n Woody-Allen-Scherz. Wer schreibt mir eigentlich immer diese Geschichten? Wer mich sehr gut kennt, weiß, dass ich als Heranwachsender unanständige Szenen in Comics mit schwarzen Klebestreifen abgeklebt habe, damit mein Weltbild nicht aus den Fugen geriet, oder Seiten in Büchern geschwärzt, wo unanständige Ausdrücke vorkamen, übrigens schon bevor ich Christ wurde. Heute kommt Professor Hong (siehe sin-o-meter vom 6.10.) in die DAAD-Bibliothek. Für eine Konsultation, wie er es nennt. Ich ahne nichts Böses, als er einen mir völlig unbekannten Autor nennt, der ein Buch über Frankreich geschrieben hat. Hong spricht im selben Atemzug eine Einladung zum Essen aus, im Anschluss an die Konsultation, und ich sage natürlich prompt zu. Professor Hong, ihr erinnert euch, Übersetzer des Zauberbergs und nunmehr Leiter der Übersetzungskommission, die Freuds Gesamtwerk ins Chinesische übersetzt, kommt also zu mir an den Schreibtisch und bittet mich, ihm beim Verständnis einiger etwas „schwieriger“ Wörter und Abschnitte zu helfen. Tja, was soll ich sagen? Bei dem Buch handelt es sich um das, was Marcel Reich-Ranicki als „hocherrrrotische Littterrraturrrr“ zu bezeichnen pflegt, und das ist noch milde ausgedrückt! Es geht um einen Herrn, der ein Etablissement namens Roi Sowieso betritt und... Ich kann hier nicht ins Detail gehen, obwohl manche der fraglichen Schilderungen kein Detail aussparen. Immer wieder weise ich darauf hin, dass ich in dem Bereich nicht so der Experte sei. Ich sei ja schließlich nicht verheiratet und kenn' mich da nicht so aus, ob er da nicht lieber einen Fachmann fragen sollte. Gern wende ich mich zwischendurch Studenten zu, die die Bibliothek betreten und Bücher zurückgeben oder ausleihen. Der Professor schweigt dann und liest - Gott sei Dank - auch keine weiteren Passagen vor.
Beim Abendessen, wahrlich sauer verdient, frage ich dann, ob das ganze Buch so sei. Nein, meint der Professor, das sei nur ein Kapitel, eigentlich gehe es in dem Buch um französische Kultur, und dies sei nur ein Teil davon. Ich weise ihn dezent darauf hin, dass ich große Zweifel habe, dass es bei so einem Inhalt keine Probleme mit der chinesischen Zensurbehörde geben würde. Wenn ich Chefzensor in Peking wäre, würde das Buch auf dem Scheiterhaufen landen, Kultur hin oder her. Das sage ich dem Professor so natürlich nicht. Der Verlag, der die Lizenz für das Werk erworben hat, bezahlt ihn schließlich gut. Er verspricht aber immerhin, den Verlag noch mal auf diese „problematischen“ Stellen hinzuweisen. Es könnte dann eine etwas kürzere Fassung geben, vielleicht ohne das Kapitel, für das ich heute „konsultiert“ wurde. Beim Abschied droht Professor Hong schon mit der nächsten Konsultation. Liebe Studenten, kommt nächste Woche alle zahlreich in die Bibliothek!
"Eigenanteil zu gering"
Heute muss ich die Noten eintragen. Den chinesischen Zettel, den mir die Kollegin, die für die Noten zuständig ist, ausgehändigt hatte, konnte ich nicht lesen. Also habe ich die Spaltenüberschriften durchgestrichen und gegen deutsche ausgetauscht. Aber so geht das natürlich nicht. Der Einfachheit halber gebe ich also die Noten direkt in den Computer ein. Dann verhandeln wir – die Fachbereichsleiterin ist per Telefon zugeschaltet – über die Pappenheimer, die geschwänzt oder kopierte Abschlussarbeiten abgegeben haben und daher einen Kurs bei mir mit „nicht bestanden“ abgeschlossen haben. Nachprüfungen stehen an. Der Schwänzer wird begnadigt. Er soll noch eine „letzte Chance“ bekommen. Das hat man in meiner Abwesenheit am letzten Sonnabend beschlossen (zu dieser Fachbereichssitzung war ich geladen, habe aber die Einladung per E-Mail nicht erhalten, sonderbar).
Die drei Kandidaten aus dem letzten Studienjahr, die eine indiskutable Abschlussprüfung abgegeben haben (zwei Seiten Einleitung ihrer B.A.-Arbeit) habe ich mir am Dienstag zu einer Dringlichkeitssitzung in die Bibliothek bestellt, wo sie nun kleinmütig anrollen. Ich erkläre langmütig, dass da etwas nicht stimmen könne, wenn man schon in der Überschrift „chinesich“ statt „chinesisch“ schreibt und erkläre mit noch mehr Langmut den Begriff „Eigenanteil“. Der ist z.B. deutlich zu gering, wenn man fünf Texte aus Wikipedia kopiert, diese vorn und hinten mit ein paar Konjunktionen verbindet und diese gedrechselten Sätze dann auch noch als eigene Kreation ausgibt, nachdem ich ein Semester lang Zitieren und Fußnoten geübt habe. Aber was soll ich die Nerven verlieren? In China gilt ja die Devise: Verliert man die Nerven, verliert man den Menschen. Eine Woche haben die Jungs und Mädels jetzt noch, um eine vernünftige Leistung abzuliefern. Man darf gespannt sein.
Von teuren Frisören und schweren Lektüren
Ein Raunen, als ich frühmorgens den Unterrichtsraum betrete. „Was?“, frage ich die Studenten des zweiten Studienjahres. Keine Antwort. Die vermeintlich leichten Lektüren, die ich vor den Ferien ausgeteilt habe, erwiesen sich als schwere Lektüren. Die hat natürlich keiner geschafft. Zwei Studentinnen erkenne ich wegen neuer Frisur bzw. fehlender Brille (eine dritte hat sich ihre Augenschlitze erweitern lassen!) zunächst nicht wieder, aber die Namen kommen mir wieder in den Sinn, ehe es kritisch wird. Ich frage nach dem schönsten Ferienerlebnis und ergänze umsichtig: „Außer Schlafen und Fernsehen.“ Eines der Mädels mit neuer Frisur war auf einem berühmten Rummelplatz und dort vornehmlich in der Geisterbahn. Und eine Studentin aus Sichuan weiß zu berichten von dem Treffen mit einer Tante, bei dem es darum ging, eine Frau für ihren Bruder auszusuchen. (Es handelt sich bei ihrer Heimat um eine eher ländliche Gegend.) Mit anderen Worten, alle sind innerlich disponiert für neue Grammatik-Einheiten. Damit man nächste Ferien auch die Lektüren schafft.
Eine unglückliche Verbindung
Eine große Überraschung war es ja nicht, dass am Freitag nach zwanzig Stunden Reisezeit mein Gepäck nicht mit angekommen war. Ich schaute mal wieder in die Röhre (aus der die Koffer aufs Fließband fallen). Reisegepäck und ich: seit Mexiko 2002 eine unglückliche Verbindung. Heute nach dem GoDi (Emilie hat gleich wieder eine Französisch-Lektion bekommen) machte ich mich dann auf zum Flughafen. Vorher musste ich aber noch zum Carrefour, dem großen Lebensmittelmarkt, denn dort gibt es nach Emilies Auskunft einen Uhrmacher. Dort lasse ich also meine chinesische Rolex reparieren. (Weil es dann doch nur noch dreißig Minuten bis zum Abflug waren, hatte ich mir in der Hektik der Abreise am Donnerstag den Rucksack so gewaltsam über den Arm gestreift, dass ein Metallstab aus der Halterung brach. Am Schalter drängelte ich mich mal wieder vor, die anderen hatten doch sicher mehr Zeit. Die hatte ich dann in Frankfurt und Peking: insgesamt sechs Stunden Aufenthalt.)
Nun habe ich also wieder einen Chronometer am Arm. Auf dem Rückweg vom Carrefour-Markt gehe ich unerklärlicherweise in die falsche Richtung und lande ohne mein Wissen im Wohngebiet meines Kollegen, Herrn Li. Der erkennt mich verwundert auf der Straße und erklärt, dass es zur U-Bahn genau in die entgegengesetzte Richtung gehe. „Mein innerer Kompass ist wohl defekt“, erkläre ich das Missgeschick. Heile Uhr, kaputter Kompass, naja, irgendwas läuft immer schief. Vielleicht liegt mir auch nur das 1:2 gegen Hertha BSC noch schwer auf dem Gemüt.
Wohlan, nun hole ich also das Gepäck. In Zhonghuamen, wo es die Busse zum Flughafen gibt, falle ich einem Taxifahrer in die Hände. Als Sammeltaxi ist der Preis (25 Yuan) ebenso niedrig wie mit dem Bus, aber der Taxifahrer! Der fuhr, als hätten wir alle noch ein Reserveleben im Kofferraum. Wir, das sind ein Ehepaar mit Kind, noch ein anderer Fahrgast und ich, der ich verwegen auf dem Beifahrersitz Platz genommen habe. Wie in „French Connection“ jagt der Mann neben mir mit 120 Sachen über die Autobahn, drängelt sich an allen Kraftfahrzeugen vor und neben uns vorbei, der Standstreifen dient regelmäßig zum Linksüberholen. Die Hupe lässt er gar nicht erst wieder los, lohnt nicht. An der Autobahngebührenstelle saust er winkend rechts außen durch die mit einem Benzinkanister oder einem Stuhl, ich habe das so schnell nicht sehen können, nur notdürftig gesperrte Spur. Also, so möchte ich in Deutschland auch mal Auto fahren dürfen. Als Beifahrer treibt einen dieser Juhu-Fahrstil aber eher ins Gebet. Endlich wurde mir auch der Satz „Autofahren ist viel gefährlicher als Fliegen“ mal so richtig anschaulich. Wie im Flug waren wir dann auch da. Statt sonst fünfzig Minuten betrug die Fahrzeit diesmal nur eine knappe halbe Stunde. Das liegt aber auch daran, dass heute ja Sonntag ist. Der Taxifahrer will mich noch als Fahrgast für die Rückfahrt gewinnen. Ich lasse mir 50 Yuan wechseln, erkläre, dass ich zurück mit dem Bus fahren will, und bin weg. Orientierungslos begebe ich mich auf die Suche nach dem Häuschen für vermisstes Gepäck gleich neben der Ausgabestelle, wo ich vorgestern noch in die Röhre schaute. Nach drei Fehlversuchen werde ich fündig: Dort sitzen drei Frauen herum und schlagen den Tag tot. Eine davon hatte ich, nach der Stimme zu urteilen, gestern am Telefon. (Sie hört sich an wie Susanne Klickerklacker.) Jetzt erspähe ich aber sofort meinen grünen Rucksack, der ja wirklich schon viel mitgemacht hat. Es ist sogar alles da. Nur die Raffaello, die Liu Chao bestellt hat, sehen leider arg gequetscht und ramponiert aus. Vielleicht sollte ich den einen, den man in dem Zustand ja keinem mehr zumuten kann, lieber selbst...?
Hamburg im Winter
Frech, wie ich bin, sprenge ich nach dem GoDi in der internationalen Gemeinde am Holstenwall den Koreanerinnen-Stammtisch und zwinge den Mädels ein Gespräch auf. Und du ahnst es nicht: Was dabei herauskommt, ist, dass eine von den vier Damen eine unbekannte Bekannte ist. Die Koreanerin Hannah L. ist nämlich eine ehemalige YUST-Studentin mit bestem Draht, damals wie heute, zu denjenigen meiner Kollegen, die schon vor mir da waren. Ich kannte sie also nur aus Berichten anderer, weil sie schon in Deutschland war, als ich an der YUST begann. Trotzdem wiedererkannt! Als wären das noch nicht genug der seltsamen Fügungen treffe ich daraufhin im Park – ich bin unterwegs zu einem Treffen mit meinem alten SMD-Mitstreiter Andreas K.– noch die unvergessene Marlene W., eine der Teilnehmerinnen an dem Schulpraktikum in Quito 2005, an der Seite ihres ebenfalls Quito-erprobten Erwählten. Und dazwischen rieselt leise der Schnee.
Dichterlesung
Sicher der Höhepunkt meines Deutschlandsaufenthalts: Erst wandle ich an der Seite meines kinokundigen Nachfolgers noch mal auf alten film-o-meter-Pfaden und sehe in der Frankfurter Pressevorführung „Die unglaubliche Geschichte des Benjamin Button". Einen Tag später, also heute, bin ich dann zu Gast beim ERF. Im Raum Monte Carlo darf ich vor einer Gruppe von knapp dreißig Kindern einen Auszug aus „Karl und Konsorten – Die Formel-1-Affäre“ vorlesen. Und die Kinder hören tatsächlich zu! Ehrlich, so was könnte ich öfter machen. Außerdem gibt es ein (kurzes) Wiedersehen mit vielen lieb gewonnenen Kollegen und Kolleginnen aus meinem früheren Leben. Abends bei der Zockerrunde im Hause Rapsilber wird die legendäre Zocker-Traudl schmerzlich vermisst. Aber auch ohne die Konkurrenz dieser gerissenen Gegenspielerin reicht es für mich mal wieder nicht zum Gesamtsieg. Die Nacht verbringe ich im frisch bezogenen Eigenheim des Ehepaars Mertens unweit meiner einstigen Radelstrecke an der Lahn. In den folgenden Tagen werde ich noch auf einer Überlandwanderung das Ziel knapp verfehlen und mit dem männlichen Teil der Familie Simon Einblick in die höchsten Räumlichkeiten einer alten Ritterburg nehmen. Wir sprachen schließlich eingangs vom Höhepunkt.
Operation gelungen, Patient fährt!
Kinder, was kann man schlafen nach so einer Operation! Morgens und abends und nachts. Ansonsten erinnere ich mich nur noch an die zwei Reißer auf dem beliebten Fernsehkanal Das Vierte, die ich gestern Abend mit regem Interesse vom Bett aus verfolgte. Heute hau' ich ab. Ich bin entlassen. Bekomme auch nur noch eine dürftige Suppe statt des Menüs, für das ich mich am Donnerstag noch eintragen ließ. Die Hakenplatte aus Metall samt den sechs Schrauben hat man mir auf eigenen Wunsch auf den Nachttisch gelegt. Sie kann nicht wiederverwendet werden, obwohl sie noch aussieht wie neu. Das Ding erinnert passend zum Thema an einen Fahrradschraubenschlüssel, nur dass hier die Löcher alle gleich groß sind. Die Taubheit im Arm wird noch etwas bleiben, sagt der Arzt; außerdem muss ich schon wieder zur Füsiotherapie. Ich verlasse die Klinik und um zu beweisen, wie wenig mich doch so ein Sturz vom Radl mit zwei Operationen aus der Bahn werfen kann, lege ich die vierzehn Kilometer zurück nach Hause mit dem Fahrrad zurück, das seit zwei Tagen draußen am Fahrradständer auf mich wartet. Und nur weil sich die Gurke, von der ich gestürzt bin, unterdessen nicht mehr in meinem Besitz befindet, lasse ich es mir nehmen, diesen Rückweg nicht auf dem Unfallgerät anzutreten. Und natürlich fahre ich auch hier und da ein bisschen freihändig, jawohl! In Brokenlande schaue ich noch kurz bei Totti Heller vorbei, der überraschenderweise sogar da ist und ausnahmsweise nicht an der Seite seines Arbeitgebers Arved Fuchs arktische Mysterien erforscht, weil er heute ganz trivial für seine Mutter die Küche renoviert, wovon ich ihn jedoch ca. eine Stunde lang abhalte, ehe ich wieder meinen Drahtesel besteige, der übrigens keine guten Bremsen und kein Licht mehr hat. Vielleicht ... hätte ich die Gurke doch behalten sollen!
Operation gelungen, Patient lebt!
Begib dich in das Krankenhaus, gehe nicht über los, ziehe keine 4000 Mark ein. Leider ist es kein Monopoly-Spiel, das mich zum zweiten Mal binnen eines halben Jahres auf den OP-Tisch bringt, sondern eine so genannte Metallentfernung. Wieder wache ich also in einem Klinikzimmer auf; diesmal, in der Lehmannklinik zu Neumünster, liege ich allerdings allein. Ansonsten ist alles wie dereinst im Juli: Wieder habe ich eine bandagierte Schulter, wieder hängt an mir so eine Plastikflasche dran, in die einige Kubikzentimeter eigenen Blutes getropft sind. Und wieder gilt meine erste Sorge dem Austausch der peinlichen OP-Kluft gegen eigene Kleidungsstücke des täglichen Gebrauchs.
"Schacht! Schacht!"
Der schönste Moment der heute stattfindenden mündlichen Prüfungen, die ich zusammen mit einer deutschen Studentin durchführe, die Konversation unterrichtet, ist zweifellos, als die Studentin mit dem deutschen Namen Cecilia ihr Wunschlos zieht. Ich habe fünf Dialoge einüben lassen. Dann darf das Prüflingsduo zwei Lose ziehen und eines der beiden ausgewählten Themen ablehnen. Cecilia, die ohnedies mit fast akzentfreiem Deutsch (und auch sonst) zu entzücken weiß, springt vor Freude mehrfach in die Luft und ruft: „Schacht! Schacht!“ Gemeint ist ein Lehrbuchtext, in dem der garstige Herr Schacht durch unhöfliches und arrogantes Betragen seine Sekretärin zur Kündigung treibt und am Ende zerknirscht allein dasteht. Cecilie macht daraus mit ihrer kaum minder begabten Partnerin ein Zwei-Frau-Bühnenstück von hohem Lehr- und Mehrwert und voller Emotionen. Noch dramatischer war kurz zuvor übrigens die Darbietung von „Jenny“, die mit ihrer Partnerin ebenfalls Losglück hat und die Sekretärin so zusammenstaucht, dass sogar der Prüfer es mit der Angst zu tun bekommt. Schließlich weiß er, dass Jenny normalerweise brav und still im Unterricht sitzt und kein Wässerchen trüben kann.
Die Baozi (sin-o-meter berichtete) verschenke ich nachmittags an die Hilfsarbeiter, die mir die Waschmaschine des ausgezogenen Nachbarn und dessen Gasflasche in meine Wohnung getragen und installiert haben. Der Mann im Blaumann zögert erst irritiert, aber als ich erkläre, dass ich die Baozi ja wohl schlecht fünf Wochen lang bei mir in der Küche stehen lassen kann, ohne dass die Fleischfüllung Schaden nimmt (wofür ich im Chinesischen allerdings einfachere Worte finde), ist er dann doch willig. Kurze Zeit später sind die beiden Jungs wieder da und schließen die Waschmaschine am Wasserhahn an (was sie zunächst noch nicht zu können vermeinten). Baozi sind doch eine hilfreiche Angelegenheit!
Ansonsten korrigiere ich, bis ich weiße Mäuse sehe, und das wird heute, ich meine natürlich: morgen, um 3 Uhr in der Frühe passieren. Zum Glück hat mir mein Ex-Kollege Helmut aus Yanji eine geniale Excel-Datei kopiert, in der ich die Noten nur eintragen muss; Excel rechnet dann alles für mich aus. (Der Anruf bei Helmut erfolgte vor einigen Tagen, nachdem ich drei Stunden lang versucht hatte, mir so einen Excel-Notenrechner selbst zu erstellen. Gut, wenn man irgendwann einsieht, dass es Dinge gibt, die andere Menschen viel besser können als man selbst.)
Dem Alm-Öhi wär' das nicht passiert!
Heute Morgen auf dem Weg zum GoDi lauert mir Yuca auf. Die Japanerin, die ein Stockwerk unter mir wohnt, hatte mir, als sie im Bus neben mir saß, mal signalisiert, dass so ein christlicher GoDi sie durchaus interessieren könnte. Dann habe ich ihr versprochen: Nächstes Mal, wenn ich gehe, klopfe ich vorher bei dir an und sage Bescheid. Gestern Abend war Yuca dann aber zu überrascht, um zuzusagen. Über Nacht hat sie es sich dann, wie sie mir erklärt, anders überlegt.
Kurz nachdem wir Platz genommen haben, werde ich diskret rausgewinkt und der „Kirchendiener“ fragt mich, ob Yuca eine Einheimische sei, die sind ja nicht zugelassen. Ich erläutere schmallippig, sie sei Japanerin, und bin schon wieder auf meinem Platz. Und das war noch nicht alles an vermeidbaren Scherereien: Kaum ist der GoDi aus, bringt mich ein übermütiger amerikanischer Bruder im Herrn mächtig in Schwierigkeiten, als er erklärt, ich sei ja heute viel fröhlicher und strahlender und ausgelassener usw. als sonst. Der Grund sei ja offensichtlich, keine Frage, sie, die Dame neben mir, „mache meinen Tag“, was natürlich großer Blödsinn ist. In Wahrheit ist der Alm-Öhi mein Vorbild und ich mache am liebsten alles alleine außer vielleicht essen gehen. Aber man kann ja nun auch nicht sagen: „Was laberst du da für'n Käse!“ Das wäre ja auch Yuca gegenüber unhöflich. Yuca bilanziert dann, als wir im Regen nach Hause zurückgehen, dass das ja mal eine sehr interessante Erfahrung gewesen sei, und verschweigt den Amerikaner dezent. Jetzt bin ich gespannt, ob sie dieses Experiment noch mal wiederholt. Immerhin werden zwischen meinem jetzigen GoDi und dem nächsten mindestens sechs Wochen liegen.
Von Stromverlusten und Lotteriegewinnen
Der Altjahrsabend ist eine Dublette des Heiligen Abends, nur das noble Diner fällt diesmal aus. Gut gelaunt feiert die internationale Gemeinde in ihrem Hotelsaal und ich feiere mit. Neben mir steht ein Inder, der im Laufe der Nacht auch noch mächtig auftauen wird. Das bunte Programm wird kurz vor Mitternacht zum Zwecke des unerlässlichen Countdowns unterbrochen. Danach geht es noch fast bis ein Uhr. Den Silvester-Nachmittag hat mir die Studentin mit dem deutschen Namen „Ilona“ vertrieben, die einen Extra-Termin in der Bibliothek ausgemacht hat, um nach einem Buch zu recherchieren. Der Hauptanteil der Zeit geht allerdings dafür drauf, dass ich ihr Referat zu Präpositionen in Deutsch und Englisch auf Fehler durchlese. Schließlich kommen wir auch noch vom Thema ab und reden über Sitten und Gebräuche anlässlich des bevorstehenden Frühlingsfestes. Dort bekommen die Kinder von den Eltern Geld. Das müssen sie allerdings am nächsten Tag zurückzahlen, weil die Eltern es noch zur Finanzierung ihrer Ausbildung brauchen. Es wandert (zurück) aufs Sparkonto. Dann doch lieber Weihnachten, da darf man die Geschenke wenigstens behalten, lache ich. Prompt ist die Batterie des tragbaren Computers alle und die Bücher, die Ilona eigentlich noch ausleihen wollte, muss ich zu Hause nachtragen, wo das Stromkabel liegt. Dorthin bringt mir Ilona dann auch das Buch, aus dem sie noch rasch ein paar Seiten kopiert hat.
Wenig später, d.h. um halb sechs, sitze ich mit den chinesischen Kollegen des Fachbereichs Deutsch zum Jahresausklang in einem Restaurant direkt gegenüber von meiner Wohnung. Es wird fröhlich gespeist und geprostet. Der gesamte Fachbereich Fremdsprachen füllt in Gestalt seiner Lehrkräfte den Saal. Ehemalige Deutsch-Professoren kommen an unseren Tisch, um mit den jüngeren Kollegen einen zu heben, und ich muss ständig Cola nachfüllen, weil ich ja immer auf Ex trinke (die Sprite ist schon alle)... Bei einem Lotteriespiel gewinne ich Nüsse und meine Kollegen einen Kanister Sonnenblumenöl. Zum Schluss, gleichsam als Neujahrs-Gratifikation gibt es noch ein Paket mit chinesischen Baozi (Hefeteigbrötchen mit Fleischfüllung), die für das gesamte nächste Jahr reichen dürften.
Michael lädt ein
Nach dem heutigen GoDi treffe ich wieder mal auf Michael (sin-o-meter berichtete am 12. Okt.). Doyi, zwanzig Jahre jung, hält mir plötzlich ihr Telefon ans Ohr. Am anderen Ende der Leitung spricht Kata, eine Deutsche, die nicht an Gott glaubt, wie Doyi mir erzählt, mit der sie sich aber nächsten Sonnabend treffen will, um was Lustiges zu machen. Kata ist mit der Situation noch überforderter als ich. Doyis Freundin, die daneben steht, erläutert mir, dass ich da nicht kommen müsse und das auch einfach vergessen könne.
Michael rettet die etwas verfahrene Lage und lädt Doyi, mich und ein paar andere GoDi-Gäste zu einer fröhlichen Runde im koreanischen Restaurant gegenüber der St.-Paul's-Kirche ein. Da haben die bereits eine Art Stammtisch. Ich sitze neben einem Kunstmaler, der leider kein Englisch spricht, aber dafür toll zeichnen kann. Daneben sitzt Doyi.
Emilies Ernst und Emilies Ehrgeiz
Emilie kommt frisch von einer Prüfung anlässlich ihrer bevorstehenden Taufe in einer Woche und ist deswegen auch 25 Minuten verspätet. Naja, wer hätte dafür wohl mehr Verständnis als ich!? Trotzdem lungere ich schon so lange am Eingang der U-Bahn herum, dass mir von vorbeikommenden Chinesen schon die ersten Zigaretten angeboten werden. Man muss auch mal nein sagen können! Schließlich kommt Emilie nervös über die Straße gehechtet. Während eines knapp einstündigen Marsches um den Xuanwu-See verlange ich ihr bei einbrechender Dämmerung mit meinem Französisch-Konversationsprogramm einiges ab. Wir wärmen uns anschließend in einem Restaurant der gefürchteten Einkaufsmeile Hunan Lu auf. Sie, sagt Emilie, halte ja persönlich nicht so viel vom Einkaufen, nur ihre Freundinnen... Nichtsdestoweniger kennt sie sich hier erstaunlich gut aus und bringt uns sicher ans Ziel. Und ich stelle fest: Emilie ist zwar tatsächlich so ehrgeizig, wie sie immer tut, aber längst nicht so ernst.
Fröhliche Weihnacht!
Ich bin sehr dankbar, dass die internationale Gemeinde, die sich im Hotel trifft, für heute Abend zu einer Weihnachtsfeier mit üppigem Buffet und buntem Programm eingeladen hat. Ich lerne diesmal drei Studenten aus Mauritius kennen, beim Essen sitze ich neben dem Informatik-Studenten Kelvin aus Kenia, der später einen Tanz aufführen wird, und anschließend bei den festlichen Darbietungen neben einem Mann aus dem Tschad. „Ich habe eine afrikanische Seele“, sage ich bei solchen Begegnungen oft und erzähle von meinen 17 Monaten in Conakry (wo übrigens gerade ein Militärputsch für Unruhe sorgt, über den der Mann aus dem Tschad auch Bescheid weiß).
Nach dem Essen gibt es unter anderem ein Theaterstück frei nach Charles Dickens' „Weihnachtsmärchen“. Und die Afrikaner sorgen mal wieder dafür, dass die Angelegenheit nicht zu dröge, sondern zwischenzeitlich sogar zu einem heißen Tanz wird. Das Ganze klingt feierlich in einem Kerzenmeer mit „We Wish You A Merry Christmas“ aus. Als ich gegen elf nach Hause trotte, frage ich mich: Wenn ich nicht zur Gemeinde des Einzigen und Wahren zählen würde, wie hätte ich dann heute Weihnachten verbringen sollen? Es lebe die Gemeinde des Herrn!
|
Kostenloses Blog bei Beeplog.de
Die auf Weblogs sichtbaren Daten und Inhalte stammen von
Privatpersonen. Beepworld ist hierfür nicht verantwortlich.
|
|
|